Unser Bahnhof soll nicht sauber sein
Freitag, 13. Februar: Unser Bahnhof darf nicht geputzt werden: Das Herrschinger Rathaus hat dem Künstler Thomas Barnstein untersagt, den Bahnhof im Rahmen einer „künstlerischen Intervention“ zusammen mit anderen Bürgerinnen und Bürger zu putzen. Begründung: Seit dem 15. Oktober 2018 seien politische Veranstaltungen in gemeindlichen Liegenschaften untersagt. Jetzt wollen einige Aktivisten am Samstag um 10 Uhr eine spontane Demo am Bahnhof veranstalten.

Barnstein, ein in Breitbrunn lebendiger Künstler, der namhafte Ausstellungen vorweisen kann, wollte den Bahnhof in einer „Aktion der symbolischen Aneignung“ als identitätsstiftenden Ort ins Bewusstsein rücken. Er plante, mit 30 bis 40 Teilnehmern einen Smart Mob zu veranstalten und hatte die Aktion im Rathaus angemeldet. Wikipedia definiert einen Smart Mob als Protest eines kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflaufs auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen. Mit dieser Menschenansammlung sei eine politische, soziale oder weltanschauliche Botschaft verbunden.
Allerdings könnte mit einem Mob, der sich ausdrücklich dem Putzen widmet, auch ein Mop, also ein Wischmopp, gemeint sein, den Veranstaltern wäre dann ein orthografischer Fehler unterlaufen. Das Rathaus hatte offenkundig einen Rechts- und Semantikratgeber gefragt, bevor es dem Ideengeber und Veranstalter Barnstein mitteilte, dass der Begriff Smartmob auf eine politisch motivierte Versammlung schließen lasse, die abweichend von einem Flashmob in der Regel öffentliche politische Themen zum Inhalt habe. „Der Bahnhof als Versammlungsort und die im Zeitungsartikel genannten Ziele der Sanierung und Wiederbelebung des Bahnhofes bekräftigt nach Auffassung der Gemeinde Herrsching die politische Motivation der Versammlung.“
Smartmob-Initiator Barnstein aber wollte aber lediglich darauf aufmerksam machen, dass der historische Bahnhof endlich saniert werden sollte. Dieses Anliegen ist zwar im altgriechischen Verständnis politisch, weil es die Polis, die Stadt, betrifft. Aber politisch im modernen Verständnis ist ein Wischmop eher nicht. Sonst müsste man sich ja auch fragen, ob das Reinigungen der S-Züge in Herrsching auch eine politische Komponente hat.




Das ist ihre Meinung die selbstverständlich akzeptiere. Ich persönlich sehe das schon auch als eine politisch motivierte Aktion, die wahrscheinlich nicht zufällig auf diesen Zeitpunkt fällt. Die freigewordenen Kapazitäten können die fleißigen Mober ja sinnvoll nutzen und die Strandpromenade und die Wälder von Müll befreien – da wäre zumindest allen deutlich mehr geholfen – ist nur nicht so medienwirksam. Und ihre Parolen wie: Schiller muss weg erinnert mich an traurige Zeiten in diesem Land…beschämend!
Solche Verhältnisse kennt man eigentlich nur aus anderen Ländern. Wovor hat Schiller Angst, dass er schon bei solchen Kleinigkeiten mit der undemokratischen Keule ausholt. Ich sage es nochmal: Schiller muss weg (im Wortlaut von Herrn Schiller genehmigt).