Die Tiefengeothermie könnte sich zum Wahlkampfthema Nummer eins entwickeln. Nach dem Schlagabtausch mit Karin Casaretto über Insta hat Bürgermeister Christian Schiller bei seinem Wahlkampfauftritt im Andechser Hof noch einmal nachgelegt. Knapp zehn Minuten lang erläuterte er, warum er nicht an eine Zukunft für die Tiefenwärme glaubt. Die Frage nach der Geothermie hatte SPD-Gemeinderatskandidat Andy Weger gestellt.
Seine Skepsis begründete Schiller mit dem vorläufigen Geothermie-Aus in Gilching. Diese Technologie sei so nicht wirtschaftlich zu betreiben. Was Schiller allerdings nicht erwähnte: Gilching hat sich keineswegs endgültig von der Geothermie verabschiedet: Die Gemeindewerke teilen mit, dass die Geothermie ökologisch sinnvoll sei, frühestens aber in zehn Jahren zur Verfügung stehe. Das Wärmenetz in Gilching wächst kontinuierlich an, die Wärmekosten pro Haus würden keinesfalls 4000 Euro betragen, wie die Gemeindewerke Gilching herrsching.online sagten. Hier Schillers Argumentation zusammengefasst:
• Die Untere Naturschutzbehörde und das Kreisbauamt hätten massive Probleme mit dem Bohrplatz hinter dem Herrschinger Gewerbegebiet. Das lässt sich aus deren Stellungnahmen entnehmen. Schiller erwähnte fairerweise aber auch, dass die Genehmigungsbehörde, nämlich das Bergamt, diese Probleme nicht teilt.
• Die Erschließung führt auch über Gemeindegrund. Hier seien noch nicht alle Alternativen und Varianten geprüft worden. Die Betreiberin der Geothermie in Herrsching, die Erdwärme Herrsching, sagt dazu: „Die nun geplante Umsetzung der alternativen Erschließung, kommend von der Seefelder Straße auf den Bohrplatz, entspricht der seinerzeit abgestimmten Wegeführung mit Herrn Schiller und wurde daraufhin vom Projektträger über Monate hinweg bis zur Umsetzungsreife vorbereitet.”
• Die größte Frage aber, so Schiller, sei, ob ein Investor bereit sei, für 25 Millionen eine drei Kilometer tiefe Doublette zu bohren und dabei „auf warmes Wasser zu stoßen“. Die EWH GmbH sagt dazu, dass die Finanzierungskonzepte für das „Tiefengeothermieprojekt als auch für das Nahwärmenetz in Herrsching stehen“. Sie seien solide strukturiert und wirtschaftlich tragfähig. Für die Realisierung der Bohrungen, wie auch des Nahwärmenetzes, sei weder eine finanzielle Beteiligung durch die Gemeinde noch durch die Herrschinger Bürger notwendig.
• Nahwärmenetz: Wie kommt das warme Wasser in die Haushalte? fragte Schiller. Und welche Haushalte könnten überhaupt angeschlossen werden? „Welche Haushalte wollen überhaupt angeschlossen werden?“ Die Gilchinger, so Schiller weiter, hätten eine alte Bohrung aus den Siebziger Jahren gehabt, wo nach Erdgas oder Erdöl gebohrt wurde und hätten warmes Wasser gefunden. „Und sie haben einen Investor gefunden, der bohren wollte. Die haben dann einen Vorvertrag gemacht. Seit knapp zehn Jahren buddeln die Gemeindewerke Gilching Wärmeleitungen in die Straßen in Gilching. Und sie haben tatsächlich 800 Haushalte angeschlossen. Dann gab’s Verzögerungen mit der Bohrung, Letztes Jahr kam das Aus für Geothermie in Gilching. Weil es wirtschaftlich nicht darstellbar war.“
Die Gemeinde Gilching buttere Millionen in die Gemeindewerke, um die Wärmeleitungen in die Straßen von Gilching reinbringen. „Trotzdem haben sie es wirtschaftlich nicht geschafft, die Wärme so anzubieten, damit die Gilchinger die Wärme zahlen können. Wir Herrschinger sind heute weit davon entfernt zu wissen, was die Kilowattstunde Wärme für Herrschinger kostet. Weil wir gar nicht wissen: Wer ist denn bereit, das Herrschinger Wärmenetz zu bezahlen?“

Tatsächlich baut Gilching das Nahwärmenetz kontinuierlich aus (der Meter Rohrleitung mit einem Durchmesser zwischen 2,5 und 30 Millimetern kostet rund 1600 Euro). Und dabei gilt: Je mehr Hausbesitzer sich beteiligen, desto billiger wird’s. Die Gemeindewerke versprechen den Gilchingern: „Melden Sie uns bitte unverbindlich Ihr Interesse, damit können Sie Einfluss auf den weiteren Ausbau nehmen. Nach der Vorauswahl wird das Interesse in Vorverträgen festgehalten. Sobald eine ausreichende Wärmeabnahme gesichert ist, beginnen wir mit Planung und Bau der Wärmeleitungen.“
Bürgermeister Schiller beziffert die Kosten für ein Wärmenetz in Herrsching auf 90 Millionen Euro. „Bis zu 60 Prozent werden gefördert, wunderbar“, sagt Schiller, „aber da bleiben halt immer noch 34 Millionen Euro übrig. Dann ist das Thema, wenn in Gilching es bei dopppelter Haushaltszahl wirtschaftlich nicht möglich ist, dann hege ich berechtigte Zweifel, ob das wirtschaftlich für Herrsching darstellbar ist.“ Wahr ist natürlich auch, dass in einer Gemeinde nicht über alle Flächen hinweg und schon gar nicht zeitnah Leitungen gelegt werden müssen, eine Finanzierung vollzieht sich also in Etappen.
Was Bürgermeister Schiller auch nicht erwähnte, ist der Temperaturunterschied des Gilchinger und des Herrschinger Tiefenwassers: In Gilching, so Projektleiter Haas zu herrsching.online, betrage die Wassertemperatur aus der Tiefe 90 Grad, in Herrsching versprechen Geologen 118 Grad – für mindestens 50 Jahre. Und mit diesem kochenden Tiefenschatz kann man auch Strom erzeugen. Das ist in Gilching nicht möglich.
Nach dem Vortrag des Bürgermeister, der mit Beifall aufgenommen worden war, meldete sich der Herrschinger Bürger Markus Auer, der über jahrzehntelange Erfahrung als Geothermie-Projektleiter verfügt: „Ich will jetzt mal eine Lanze für die Geothermie brechen.“ Herrsching habe beste Voraussetzungen für die Tiefengeothermie. Aus dem Wasser könne man, solange das Nahwärmenetz noch nicht ausgebaut sei, Strom erzeugen. Auer rechnet aber damit, dass in naher Zukunft ein kleines Netz für die Betriebe im Gewerbegebiet gelegt werden könne. Bohr- und Leitungskosten müsse man auf viele Jahre umlegen, schließlich werde die Energiequelle für die nächsten 100 Jahre reichen.
Markus Auer ist sich da offensichtlich mit den Planern der Herrschinger kommunalen Wärmeplanung einig: „Geothermie ist eine wunderbare Energiequelle. Gemeinden, die eine Geothermie-Quelle haben, sind gesegnet.“ Mit diesem Statement beseitigte der Wärmeplaner Florian Heindl von Max Solar alle Zweifel, welcher Wärmetechnologie die Zukunft gehört.




Für das Seewärmenetz in Breitbrunn (10,8 km Leitungen) sind keine spezifischen Kostenangaben verfügbar. Es wir lediglich erwähnt, dass die Wärmeleitungskosten zwischen 100.000 € und 300,000 € je km liegen sollen und die Vorstellung der Kosten für die Gesamtgemeinde bei ca. 90 Mio € liegen sollen.
Meine Frage: Wie würden sich die Kosten verhalten, wenn ich statt der Wärmeleitung mit Wärmeübergabestationen nur eine simple Seewasserleitung anbieten würde, und die zugehörige Wärmepumpen in den Häusern stehen würden. Der Anteil der öffentlichen Investition würde sich auf die Seewasserleitungen und die Wasserpumpstation reduzieren während die Haushalte auf eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe zurückgreifen könnten, die ja viel effektiver und betriebssicherer ist als Wasser -Luft Ausgabe. Ich gehe sogar davon aus, dass der Stromverbrauch dieser Hauspumpen äquivalent zur Seewasserwärmegroßpumpe sein könnte. Beim Seewassernetz könnte man leichter alle Haushalte berücksichtigen.
Ich denke es ist gut, dass Frau Schmid uns daran erinnert, dass es vor einigen Monaten eine repräsentative Umfrage zu einem Ja oder nein einer Baumschutzverordnung gab. Diese Abstimmung war tatsächlich repräsentativ, weil rein rechnerisch genügend Buerger sich daran beteiligt haben. Also keine Meinung, sondern ein Fakt.
Auch richtet sich rückwirkend die Kritik an das Procedere der mehrmaligen Abstimmungen. 1Die Raete haben zum gleichen Sachverhalt innerhalb kurzer Zeit mit knapper Mehrheit 1mal dafür und dann wieder mit knapper dagegen gestimmt. Unabhängig von der inhaltlichen Diskussion zum Thema Baumschutz in der Ortsplanung, zeigte das schon Unsicherheiten innerhalb der Ratsmehrheit in der Sache und hat wohl mehr als einen Buerger abgestoßen. Es ist gut, dass wir jetzt einen neuen Gemeinderat wählen duerfen und vielleicht einige neue Raete eine bessere Performance und Standfestigkeit bei den Abstimmungen zeigen. Zivilcourage ist eine absolute Schluesselbegabung für die Herrschinger Gemeinderat und Herr Schiller hat in den letzten Jahren jeden einzelnen Rat immer konsequent gefordert. Er hat auch keine Wahlwiederholungen gescheut, wenn es um die in seinem Sinne richtigen Ergebnisse ging. Die Tendenz immer wieder Abstimmungen zum immer gleichen Thema zu provozieren war sein Markenzeichen in der vergangenen Periode. Gut für das Vertrauen in demokratische Prozesse ist das nicht.
Nur weil sich rein rechnerisch genug Bürger:innen daran beteiligt haben ist das noch lange kein Fakt. Wie genau lief denn diese Abstimmung ab, da ich es offensichtlich verpasst habe?
Ein Tipp, Frau Schmid, auf der Website von pro natur sind genaue Informationen, auch im Archiv des Starnberger Merkur und der Süddeutschen Zeitung finden sich sehr informative Artikel zu dieser Befragung. sie sind bisher die erste Person, die die Rechtmäßigkeit dier Befragung in der Öffentlichkeit anzweifelt. Es lohnt sich sicher für Sie sich da genauer zu informieren.
Sie haben es verpasst, weil Sie nicht teilgenommen haben. Gelegenheit hatten Sie, weil auch in Ihren Briefkasten eine Einladung zur Teilnahme gesteckt wurde.
Nachdem ich aufgrund des Influenza Virus Nr. 8 einen Kreislaufkollaps mit zwei nächtlichen Ohnmachtsstuerzen ohne Brüche und nur Prellungen und Platzwunde am Kopf fast ausgeheilt habe, nehme ich wieder gerne am Wahlkampf teil. Vorerst aber noch nicht in der realen Welt Herrschings, sondern notgedrungen in der virtuellen Welt des Internets.
Mein Vorschlag zur Energiediskussion wäre: Wahlkaempfer beschränken sich nicht ausschließlich auf Statements die negativ begründet werden. Ich meine damit, dass es zu wenig ist, den Buerger zu erklären was alles nicht geht, sondern was für die Zukunft Herrschings möglich ist. Die leidenschaftlichen Stellungnahmen gegen Erdwärme, das Befürworten von Machbarkeitsstudien zur Seewaerme in ferner Zukunft (Herr Schiller ist bis dahin vielleicht auch in Rente) und das Verharren auf Oel- und Gasheizungen betoniert einen Stillstand in Herrsching. Ich wuerde mir von beiden Buergermeisterkandidaten weiterhin ein positives und zukunftsorientiertes Problemlösen wünschen. Ein „weiter so“ in der Politik ist zu bequem und treibt die Buerger und die Gesellschaft in die Resignation.
mich erinnert das an die etwa sieben Jahre lang geführte Diskussion um mehr Baumschutz, nachdem die alte Bumschutzverordnumg 2018 vom Rathaus ersatzlos gestrichen worden war. Trotz mehrerer Anträge von Herrschinger Bürger*innen, mit hoher Zustimmung für eine neue Baumschutzverordnung, auch durch eine Umfrage von Pro Natur bestätigt, trotz der positiven Abstimmung im Gemeinderat und der Zusage, dass eine neue Baumschutzverordnung im Bau- Umwelt- und Infrastrukturausschuss erarbeitet wird, landete das ganze Vorhaben schliesslich doch endgültig in der Mülltonne. Grund? Christian Schiller war die ganze Zeit dagegen.
Ist es eigentlich demokratisch und üblich, dass Bürgermeister in einer Gemeinde so viel Macht haben? Obwohl es einen Gemeinderat gibt? Und dazu ja auch noch engagierte, mündige Bürger*innen?
Große Teile des Gemeinderates (die Farben sind ja bekannt) ziehen doch seit Jahren grundsätzlich mit Herrn Bürgermeister an einem Strang. Diese Teile des Gemeinderates waren es auch, die, Herrn Schiller folgend, das Thema Baumschutzverordnung mit undemokratischen taktischen Manövern beerdigten. Neben dem dringend gebotenen Wechsel an der Rathausspitze ist zu hoffen, dass sich auch die Verhältnisse im Gemeinderat ändern und Bürger*innen wieder mehr im Vordergrund stehen.
Der Bürgermeister von Herrsching scheint sich mit dem „Fachgutachten zur Kommunalen Wärmeplanung“ noch nicht wirklich auseinandergesetzt zu haben. Er hebt immer wieder die vermeintlichen Kosten von 90 Millionen Euro für ein Wärmenetz hervor, die jedoch nicht im Gutachten stehen. Diese Zahl stammt offenbar aus einer persönlichen Schätzung von Herrn Schiller. Das Gutachten selbst nennt als Ziel, 86% des Wärmebedarfs von 119 GWh über Wärmenetze zu decken und sieht Geothermie als wichtigen Bestandteil der zukünftigen Energieversorgung. Außerdem beinhaltet es eine Umsetzungsstrategie mit einer Machbarkeitsstudie und einer Interessenabfrage für einen Fernwärmeanschluss in einem ausgewählten Versorgungsgebiet. Am 20.08.2025 wurde das Gutachten veröffentlicht, das einen Fahrplan zur klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040 skizziert. Währenddessen präsentiert Herr Schiller im Wahlkampf alternative Konzepte wie „dezentrale Quartierlösungen durch den Zusammenschluss mehrerer Nachbarn“, ohne genauer zu erklären, wie diese umgesetzt werden sollen. Der strategische Fahrplan des Fachgutachtens scheint dabei für ihn nicht mehr von Bedeutung zu sein.
“Knapp zehn Minuten lang erläuterte er, warum er nicht an eine Zukunft für die Tiefenwärme glaubt.”
Das ist eine klare Aussage. Wer auf Geothermie setzen möchte, hat in Christian Schiller keinen Partner.
In Gilching war vorgesehen, das Projekt im Wesentlichen kommunal zu finanzieren. Letztlich ist es dort an Fragen der Wirtschaftlichkeit, sowie an nicht tragfähigen Vertragskonditionen mit verschiedenen beteiligten Firmen gescheitert.
In Herrsching hingegen steht ein privater Investor zur Verfügung, der sowohl die Bohrung, als auch den Aufbau und Betrieb des Wärmenetzes finanzieren würde und das entsprechende fachliche Know-how einbringt. Die wesentlichen Investitionsrisiken liegen damit nicht bei der Gemeinde, sondern beim Projektträger.
Zudem ist geplant, zunächst die Tiefenbohrung durchzuführen. Erst wenn die Fündigkeit tatsächlich nachgewiesen ist, soll schrittweise mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes begonnen werden. Dadurch wird vermieden, dass erhebliche Mittel in die Netzinfrastruktur investiert werden, bevor die Energiequelle gesichert ist.
Für den Fall dass wider Erwarten keine ausreichende Fündigkeit eintritt – was nach den bisherigen geologischen Untersuchungen als sehr unwahrscheinlich gilt – ist der Projektträger verpflichtet, hohe behördlich vorgeschriebene Sicherheitsleistungen zu hinterlegen. Diese stellen sicher, dass ein vollständiger Rückbau erfolgen und das Gelände in den ursprünglichen Zustand versetzt werden kann.
Unabhängig davon halte ich es für sinnvoll, dass die Gemeinde bei der Ausgestaltung des Projekts auf eine ausgewogene Finanzierungsstruktur achtet. Aus meiner Sicht sollte beim Ausbau des Wärmenetzes eine Kombination aus öffentlichen Fördermitteln, einer möglichen Beteiligung über eine Energiegenossenschaft, die langfristig durchaus Rendite verspricht, sowie dem privaten Investor geprüft werden. Ein solches Modell würde die finanzielle Basis verbreitern, die Bürgerbeteiligung ermöglichen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Gemeinde ihre strategische Steuerungs- und Einflussfunktion behält.
Gerade bei einer Infrastruktur von so langfristiger Bedeutung erscheint es mir wichtig, dass die kommunale Handlungsfähigkeit und Mitgestaltung dauerhaft gewährleistet bleiben.