An der großen Politik geschnuppert: Die Herrschinger Co-Vorsitzende der Grünen, Charlotte Wehn, war als Delegierte des grünen Bundesparteitags in Hannover. Wer einen so erlebnisreichen Trip in die Spitzenpolitik macht, darf auch erzählen, wie’s denn war zwischen Banaszak und Brantner, Özdemir und Anton Hofreiter.
herrsching.online: Wie war die Stimmung im ersten Jahr der Opposition?
Wehn: Ich fand die Stimmung optimistisch und kämpferisch, insgesamt eher nach vorne gerichtet mit wenigen kritischen Rückblicken. Was mir besonders aufgefallen ist: Bei den Grünen dürfen bei so einer Gelegenheit ja nicht nur die bekannten Berufspolitiker sprechen, sondern zu jedem Thema werden auch viele normale Delegierte für kurze Reden ausgelost. Und auch diese Delegierten, die keine Berufspolitiker sind, sondern teilweise das erste Mal dabei waren, haben zum größten Teil beeindruckende Reden mit guten Argumenten gehalten.
herrsching.online: Da wurde doch auch ein Beschluss zum Mietendeckel gefasst. Hast Du dabei gedacht, das könnte auch Herrschinger Mieterinnen und Mietern helfen?
Wehn: Der Beschluss umfasst ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die Kommunen eine aktivere Boden- und Wohnraumpolitik ermöglichen sollen, unter anderem einen Mietendeckel vor allem für Großstädte und Umlandgemeinden. Es sollen aber auch das kommunale Planungsrecht gestärkt und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, um insbesondere innerhalb der bestehenden Siedlungen schneller neuen Wohnraum schaffen zu können. Da Herrsching Teil des sehr angespannten Münchner Mietmarkts ist, würde diese Kombination natürlich auch Herrschinger Mieter*innen helfen.
Ein wichtiger Beschluss war aber auch die Stärkung von Kommunen insbesonders bei den Finanzen. Der finanzielle Spielraum und damit auch die Handlungsfähigkeit von Kommunen muss dringend und dauerhaft verbessert werden. Sie dürfen für ihre Gestaltungsmöglichkeiten nicht nur von zeitlich begrenzten Förderprogrammen wie dem für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum abhängig sein, das Herrsching für die Wohnungen am Mitterweg noch gerade so vor der Abschaffung nutzen konnte.
herrsching.online: Werden die Mieten in Herrsching ein großes Wahlkampfthema werden?
Wehn: Ich denke, dass die hohen Mieten und der knappe Wohnraum in Herrsching für die Wähler*innen ein wichtiges Thema sind. Alle Parteien und Gruppierungen sollten dann auch Ideen dazu präsentieren, was hier auf kommunaler Ebene getan werden könnte.
Der neue Bau-Turbo der Bundesregierung ermöglicht es unter anderem, bestehende Wohngebäude leichter zu erweitern, aufzustocken und auch Gewerbeflächen und -gebäude in Wohnraum umzuwidmen. Das passt perfekt zu unseren Ideen, bezahlbare Wohnungen ohne weitere Versiegelung zu ermöglichen, zum Beispiel auf dem ehemaligen BoFrost-Gelände oder als Aufstockung im Gewerbegebiet.



