• Schauspieler Hannes Jaenicke („Amsterdam-Krimi") ist Grünen-Mitglied und „hat es nie bereut". Alle Fotos: Gerd Kloos
  • Gute Stimmung trotz politisch aufgeheizten Klimas: Von links Bundestagsabgeordneter Dieter Janecek, Schauspieler Hannes Jaenicke, Kreissprecherin Verena Machnik, Kreissprecher Florian Hönicke, die Fraktionsvorsitzende im Landtag, Katharina Schulze, Moderator Matthias Matuschik, die Bezirksvorsitzende Martina Neubauer und Bürgermeister Georg Scheitz.
  • Prominent besetztes Podium: Jaenicke, Moderator Matthias Matuschik und Katharina Schulze im Klostergasthof in Andechs. Gag am Rande: Hier lässt sich auch die CSU-Spitze gerne sehen.

Hannes Jaenicke ist gerne ein Grüner

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Schauspieler Hannes Jaenicke beim Frühjahrsempfang der Grünen in Andechs/MdL Katharina Schulze griff Söder und Aiwanger wegen des „enthemmten Wahlkampfs” scharf an//

Der Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke, 64, findet schwarz-grüne Koalitionen ganz erfolgreich und hat damit wohl auch seine grüne Gesprächspartnerin Katharina Schulze bei einem Podiumsgespräch in Andechs überrascht. Die beiden haben beim Frühjahrsempfang der Kreis-Grünen über „Heimat” zu diskutieren versucht. Jede schnulzige Definition von Heimat räumte Jaenicke mit der Bemerkung ab, dass für ihn Heimat dort sei, wo seine Liebsten seien. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, mit ihrem WpM-Wert (words per minute) weit vorne, griff Ministerpräsident Markus Söder scharf an und machte damit deutlich, dass Schwarz-Grün in Bayern wohl keine aktuelle Option ist. Zur Begeisterung des grünen Publikums gestand Jaenicke, dass er die Mitgliedschaft bei den Grünen „noch nie bereut hat”.

Die Grünen suchen neue Wählerpotenziale in Zukunft auch auf dem Land, das haben ihnen die letzten Wahlergebnisse und die Bauernproteste empfohlen. Und so begrüßte denn auch der Andechser Bürgermeister Georg Scheitz die Kreisgrünen in der „größten, kleinsten Gemeinde im Landkreis” (größte Fläche, am wenigsten Einwohner). Der Biobauer holte sich mit der Bemerkung Lacher und Beifall ab, er sei der grünste Schwarze im Kreis. Und dann gab Scheitz den grünen Mandatsträgern (zum Beispiel dem Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek) noch einen Herzenswunsch mit: Kämpfen Sie gegen die Gentechnik (starker Beifall im Klostergasthof). Auf das Thema des Frühjahrsempfangs „Heimat” spielte auch die Kreissprecherin Verena Machnik mit dem Hinweis auf ihr Dirndl an.

Die Herrschingerin Katharina Schulze, berühmt für ihre sendungsprengenden Statements und ihre gute Laune, erklärte ihre Fröhlichkeit mit der Lebensweisheit ihres Vaters: „Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht.” Dass ihr die gute Laune aber beim letzten Wahlkampf mitunter abhanden kam, darf als gesichert gelten. „Das war die absolute Enthemmung.” Und sie meinte damit nicht nur die Rechtsaußen und Rechtsdraußen, sondern auch Söder und Aiwanger (Schulze: „Der ist keinen Deut besser als die AfD”). Jaenicke, der sich auch mit schonungslosen Dokumentationen einen Namen gemacht hatte, zitierte einen Post als Folge seiner Enthüllungen über die Lachszucht in Norwegen: „Jetzt wird wohl eine gepanzerte Limousine nicht mehr reichen.”

Eine Diskussion entspann sich zwischen den beiden, ob man sich um die sogenannten „Hater”, die Hetzer, noch bemühen solle. Jaenicke meinte, das sei verlorene Zeit, Schulze dagegen empfahl, dass man sich sehr wohl um abgedriftete Freunde und Verwandte bemühen müsse. Wenn man jemanden zurückholen könne, dann am ehesten Kumpels und Familienangehörige.

Eine drastische Art, jemanden zu klimafreundlichem Verhalten zu bekehren, erlebte Jaenicke bei einem halblegalen Dreh in einem Stall mit Massentierhaltung. „All die abgebissenen Ohren, verunstalteten Schwänze, dieses Elend in den engen Boxen haben meinen Kameramann, der sehr gerne Fleisch aß, bekehrt. Wenn er nach diesem Dreh noch mal Lust auf Fleisch hatte, kaufte er bei einem Biohof mit tiergerechter Haltung.” Dokumentationsfilme, davon ist Jaenicke überzeugt, wirken. Und auch deshalb teilt er den Umwelt-Pessimismus vieler Zeitgenossen nicht: „Der Leidensdruck wird so groß werden, dass sich etwas verändert.”

Die Grünen warben ganz unaufdringlich auch um Spenden für die Jaenicke-Stiftung Pelorus Jack Foundation, die sich für Tierwohlprojekte – zum Beispiel für Schildkröten – einsetzt (Pelorus Jack Foundation Evangelische Bank eG. IBAN: DE 07 5206 0410 0005 0193 38 BIC: GENODEF1EK1).

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