Alle sind zur Zeit auf Speed, also auf Geschwindigkeit: die Regierung, die Verwaltung, ja sogar die Partnervermittler mit ihren Speeddatings. Eine gigantische Partnersuche passiert bei allen Wahlen: Kandidaten suchen Wähler, Wähler wollen Kandidaten kennenlernen. Die Herrschinger CSU hat daraus eine neue Form der Partnersuche gemacht: Die Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten suchten in einer Art Speeddating die Bürgerinnen und Bürgern an ihren Wirtshaustischen auf und wechselten – allerdings ohne Gong und Stoppuhr – zum nächsten Platz. So kam theoretisch jeder Besucher im Theatersaal des Andechser Hofes mit jedem Bewerber auf der CSU-Liste ins Gespräch. Eine erfrischende Art der Wahlwerbung – mit interessanten Dialogen ohne nervtötende Standardreden. So macht sogar Wahlkampf Spaß.
Der Saal war voll, und voller Neugierde auf das Wahlvolk war auch die Riege der Bewerberinnen und Bewerber. Christina Reich, seit 2008 im Gemeinderat, zeigte sich stolz auf die Liste, die nicht nur politische Zwölfender bietet, sondern viele junge Gesichter (Durchschnittsalter der Liste: 49 Jahre, ältester Bewerber: Friedrich Reich, 79).
So grüßt nun Sandro Pasalic,30, von den Plakaten, der Prokurist Bela Julian Anda steigt mit 35 in den Ring, der Polizist Philipp Streck, 30, will an den Ratstisch, der IT-Mann Christopher Bech, 34, ist neugierig auf analoge Politik, die Betriebswirtschaftlerin Veronika Bader, 31, stärkt die Frauenriege, Valentin Schiller, 25, hat schon sechs Jahre Kommunalpolitik gelernt in der grünen Fraktion. Der Herrschinger Ortsvorsitzende Roland Lübeck, ebenfalls ein „Altgedienter“ mit 18 Jahren Ratserfahrung, steht nur auf Platz 10 und ist sich sicher, dass er mindestens als Zehnter auf der Liste wieder einzieht (im jetzigen Gemeinderat ist die CSU mit acht Rätinnen und Räten vertreten). „Und wenn nicht, habe ich Platz gemacht für junge, frische Leute“, sagte er herrsching.online.
Tatsächlich scheint die CSU-Liste berufstechnisch ausbalanciert zu sein: Handwerker, im „alten“ Gemeinderat noch stark vertreten, und Bewerber, die mit der Tastatur arbeiten, halten sich fast die Waage, und das lehrende Gewerbe mit der Germanistin Dr. Kodisch-Kraft und der habilitierten Politikwissenschaftlerin Dr. May-Britt Stumbaum („Unsere Familie gibt’s in Herrsching schon seit 400 Jahren“) hat nun auch einen starken Auftritt in der christ-sozialen Phalanx.
Alle Kandidatinnen und Kandidaten geben artig Auskunft über ihren Familienstatus und die Kinderzahl – die CSU drückt ihre Präferenz für die traditionelle Familie auch durch ihre Kandidaten aus.
Der exotischste Bewerber war leider beruflich verhindert: Wilfried Martens, 66, ist Kapitän zur See und gerade auf den sieben Weltmeeren unterwegs. Wenn er nicht auf der Kommandobrücke steht, freut er sich in Herrsching über sein „kleines Meer“, den Ammersee.
Auch Bürgermeister Christian Schiller, parteifrei, aber auf der CSU-Liste für den Kreistag, wanderte durchs Publikum, und Landrat Stefan Frey gab sich ebenfalls die Ehre. „Die Kommunen“, meinte er mit Blick auf die Gemeindehaushalte, „haben alle Hände voll zu tun, den Laden zusammenzuhalten.“ Der kommunale Finanzausgleich, so Frey in Richtung Staatsregierung, sei nicht mehr zeitgemäß. Wer weiß das besser als er: Die Kreiskliniken seien eine Herkulesarbeit. „Wir müssen den Menschen viel erklären“, sagte Frey auch mit Blick auf das Millionenloch, das die Krankenhäuser in den Kreishaushalt reißen. Wer’s genauer wissen wollte, hatte beim Speeddating Gelegenheit nachzufragen. „Ich stehe für alle Fragen zur Verfügung.“









Im Rahmen des Wahlkampfs ist es entscheidend, dass Herr Schiller als Bürgermeister die Trennung zwischen seiner offiziellen Amtsausübung und seiner persönlichen politischen Überzeugung wahrt. Während er als Privatperson für die CSU werben kann, muss er sicherstellen, dass er nicht in seiner Funktion als Amtsträger auftritt. Die Verpflichtung zur parteipolitischen Neutralität ist hierbei von zentraler Bedeutung. Es ist unzulässig, wenn er seine Position nutzt, um Wähler zu beeinflussen, da dies die Integrität seines Amtes gefährdet. Ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs hebt hervor, dass die Grenze überschritten ist, wenn der private Charakter einer Veranstaltung hinter dem offiziellen Amtsauftritt zurücktritt. Daher ist es unerlässlich, dass Herr Schiller bei seinen politischen Aktivitäten klar erkennbar als Privatperson handelt, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden und das Vertrauen der Bürger in die Neutralität seines Amtes zu wahren.