Die Arbeiten am verbreiterten Gehweg an der Mühlfelder Straße waren fertig. Dann kam der Wunsch, den Bordstein durch einen barrierefreien Zugang zur Straße zu ersetzen.

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Ein guter Rat fürs Rathaus: Höre auf den Beirat: Auf besonderen Wunsch des Senioren- und des Inklusionsbeirats musste die Straßenbaufirma an der neu gestalteten Engstelle Mühlfelder Ecke Kienbachstraße noch einmal nacharbeiten. Der Bordstein an der „Thaimassage“ war den Beiräten zu hoch. Um auch Rollstuhl- und Rollatorfahrerinnen und -fahrern den Weg über die dort nur sieben Meter breite Mühlfelder zu ermöglichen, hat die Firma nun eine weiße, geriffelte schräge Ebene geschaffen. Der Bordstein war vorher genau zehn Zentimeter hoch, mutmaßlich also normgerecht. Bordsteine an der Kienbachstraße sind sogar 11 Zentimeter hoch.

Welcher Logik diese neue Bordsteinabsenkung folgt, erschließt sich dem technischen Laien nicht. Gehbehinderte Passanten könnten auch die Absenkung an der Einmündung der Kienbachstraße nutzen. Sie hätten dann zwar eine etwas längere Strecke auf die andere Straßenseite zurückzulegen. Trotzdem könnte die Überquerung hier sogar sicherer sein: Weil die Straße breiter ist, fahren die Autos an dieser Stelle nicht so knapp am Bordstein vorbei – immerhin eine kleine Sicherheitszone für Fußgänger. Passanten benötigen übrigens rund fünf Sekunden Zeit für die Überquerung der Mühlfelder.

Hier gab es nach der Neugestaltung des Gehwegs bereits eine Absenkung, die barrierefreie Querungen erlaubt.

An der Engstelle Mühlfelder, wo sich die zwei gegenüberliegenden Häuser ganz nahe kommen, schrammen die Autos dagegen ganz nah an den Bordsteinen vorbei – Platz für einen auf der Straße stehenden Passanten gibt es hier nicht – die Straße ist nur etwa sieben Meter breit – ein Achtzehn-Tonnen-Truck ist etwa 2,40 Meter breit, ein Pkw 1,80 Meter. Es wird also öfter knapp im Begegnungsverkehr.

Peanuts? In der letzten Gemeinderatssitzung gab der Bürgermeister zu Protokoll, dass der Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen sogar die Hundert-Euros -Scheine umgedreht habe. Möglicherweise muss sich die Verwaltung nun fragen lassen, warum dann solche verkehrskosmetischen Maßnahmen möglich sind.

6 Comments

  1. An dieser Stelle möchte ich auf einen zweiten Schildbürgerstreich des Gemeinderats aufmerksam machen. Der Kalender über die Geschichte Herrschings soll neu zusammengebastelt werden, da die Seiten über Fritz Reinhardt und die Reichsfinanzschule das historische Bild Herrschings im 1250. Jahr seines Daseins und vielleicht das festliche Vergnügen stören. Auch dies wird die Gemeinde nicht wenige Euros kosten.

  2. Ich kann nachvollziehen, dass eine schmale Stelle schneller überquerbar ist, als eine breite. Das kann für beeinträchtigte Menschen der Grund sein, an so einer schmalen Stelle die Fahrbahn zu überqueren.

    Allerdings muss man dem entgegenstellen, dass man zum Überqueren dieser Stelle – gerade als beeinträchtigter Mensch – einer erheblichen Gefahr ausgesetzt ist, die sich durch die oben beschriebene Verkehrssituation ergibt. Darum kann ich mir nicht vorstellen, dass beeinträchtigte Menschen hier auf eine Absenkung des Bordsteins gedrängt haben. Lebensmüde ist man ja hoffentlich nicht.

    Ich glaube, begriffstechnisch bewegen wir uns hier irgendwo zwischen „Schildbürgerstreich“ und Aktionismus. Im Aktionismus sind wir Deutschen ja geradezu legendär beschlagen: Genausowenig wie die Lösung der wirtschaftlichen Probleme darin besteht, statt in acht Arbeitsstunden jetzt in neun Arbeitsstunden unseren schlechten Arbeitsdurchsatz zu erbringen, ist die Lösung für beeinträchtigte Menschen, an einer solch katastrophalen Stelle die Straße überqueren zu wollen – bloß weil sie da „schmaler“ ist.

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