Janina Laszlo, 42, in ihrem besenreinen Atelier mit Kunstwerken. Als „Pinsel" dient ihr die KI, der schöpferische Akt steckt im„Prompt".

Künstliche Kunst

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Wer ist nun die Künstlerin – die Kreative an der Tastatur oder die anonyme Kollegin im Nervensystem eines Großrechners? Die Breitbrunner Berufsfotografin Janina Laszlo komponiert zusammen mit Künstlicher Intelligenz geheimnisvolle, fremde, mitunter befremdliche Bilder, die einen tiefen Einblick in die aktuelle Leistungsfähigkeit der Artificial Intelligence geben. Die studierte Fotografin gibt dem Programm einen detaillierten Auftrag für ein Bild. Und der oder die Rechner setzen dann um, was Laszlo vorher schon als Idee im Kopf hatte. Vielleicht kann man das mit den Großateliers der alten Meister vergleichen, die ihren Lohnmalern genau vorgeschrieben haben, wie das Bild auszusehen hatte. Die KI-Künstlerin Laszlo jedenfalls beansprucht den kreativen Teil für sich: Wenn du der KI Mist eingibst, kommt Mist raus. In der Fachsprache heißt das: „Garbage in, garbage out.“

Janina Laszlo hat an der Hochschule in München Fotografie studiert. Als sie ihr Bachelorstudium abschloss, begann die Hochschule gerade erst damit, digitale Fotografie stärker in die Lehre zu integrieren, sodass sie sowohl analoge als auch erste digitale Ausbildungsinhalte mitnehmen konnte.

Im Anschluss arbeitete sie für zahlreiche Magazine, die jedoch im Laufe der Zeit zunehmend vom Markt verschwanden. Heute ist sie hauptsächlich in der Werbefotografie tätig und realisiert Künstlerporträts, Reportagen und dokumentiert Veranstaltungen – sowohl fotografisch als auch filmisch.

Gelegentlich arbeitet sie weiterhin mit analogen Kameras, darunter Lomo- und Polaroidkameras. Gleichzeitig nutzt sie heute situativ auch das iPhone für Foto- und Filmaufträge, wenn es konzeptionell sinnvoll ist.

herrsching.online: Bevor Sie sich überhaupt mit der Technik auseinandersetzen, müssen Sie doch schon ein Bild im Kopf haben. Ist das der eigentliche kreative Akt Ihrer Kunst?

Laszlo: Bei der Arbeit mit KI ist die Idee tatsächlich der zentrale schöpferische Akt. In der Fotografie entsteht der kreative Prozess hingegen nicht nur im Konzept, sondern auch im Moment der Aufnahme und in der Nachbearbeitung.

herrsching.online: Können Sie uns mal schildern, wie dieses Bild entstanden ist?





Laszlo: Die ganze Serie heißt Unity – es geht um die Verbindung von Mensch, Natur und KI. Die Titel der Werke beziehen sich auf unterschiedliche Entwicklungsstufen innerhalb der Serie, also darauf, wie weit diese Verbindung bereits fortgeschritten ist. In manchen Bildern verschmelzen Elemente wie Haut und Blume nahezu miteinander. Gleichzeitig steigert sich die Serie in ihrer futuristischen Wirkung – ein Blütenstängel kann dann zum Beispiel auch als Kabel interpretiert werden.

herrsching.online: Wie sieht eine Handlungsanweisung an die KI, also der sogenannte „Prompt“ aus?

Laszlo: Zunächst die Farbwelt – Schwarz, Beige, dunkle Grüntöne oder helle, fast lichtartige Farben. Bei den meisten Arbeiten habe ich mich bewusst dafür entschieden, die Augen nicht sichtbar zu machen. Dadurch entsteht ein offener Raum für Interpretation. Die Betrachter entwickeln eigene Vorstellungen und emotionale Reaktionen. Es ist keine reale Person, sondern eine KI-generierte Erscheinung – und genau dieses Unklare ist gewollt.

herrsching.online: Wie komponieren Sie also das Bild, was geben Sie Ihrer elektronischen Kollegin vor?

Laszlo: Ich gebe die Farben vor, die Lichtführung – zum Beispiel von oben links –, die Kleidung, die Blickrichtung und den Bildausschnitt. Im Prompt wird das sehr detailliert ausgearbeitet. Es geht nicht nur um einzelne Stichpunkte, sondern um eine präzise Beschreibung vieler Details. Dazu gehört unter anderem die Vorgabe, dass eine Figur gestaltet werden soll, die zur Seite schaut und futuristisch gekleidet ist – das ist aber nur ein kleiner Teil des Prompts.

herrsching.online: Was ich in dieser Figur sehe, ist etwas Erhabenes, gleichzeitig aber auch etwas Sinnliches.

Laszlo: Ja, das Geheimnisvolle habe ich bewusst gewählt. Die Bilder sollen nicht sofort eindeutig sein, sondern dazu führen, dass man länger hinschaut und sich damit beschäftigt.

herrsching.online: Wie war denn die Reaktion der Betrachter in der Ausstellung?

Laszlo: Es sind viele Gespräche entstanden. Die Besucher haben gezielt nachgefragt und sich intensiv mit dem Thema KI und Kunst auseinandergesetzt. Das Interesse war durchgehend hoch, und ich konnte mit vielen Besuchern sehr differenziert über die Arbeiten und die zugrunde liegenden Prozesse sprechen.

herrsching.online: Wer hat nun die größere kreative Leistung vollbracht – Sie oder Ihre unsichtbare Kollegin?

Laszlo: Ich (lacht). Für KI gilt: „Garbage in, garbage out.“ Wenn der Input nicht präzise ist, wird auch das Ergebnis nicht gut. Man muss lernen, wie man mit einer KI spricht. Wenn das Ergebnis nicht funktioniert, liegt es meistens daran, dass die eigene Vorstellung oder die Formulierung nicht klar genug war.

herrsching.online: Wie lange ist eigentlich ein Prompt für ein solches Bild?

Laszlo: Wenn man es auf eine analoge Form übertragen würde, dann entspricht ein Prompt ungefähr einer A4-Seite. Wobei ich hinterher in vielen weiteren Schritten die Bilder so lange umgestaltet habe, bis es letztendlich gepasst hat.

herrsching.online: Und wie oft muss man eingreifen und Dinge korrigieren?

Laszlo: Sehr oft. Man tastet sich an die richtigen Formulierungen heran. Es gibt viele Zwischenschritte, die erstmal nicht funktionieren, bevor man zu einem guten Ergebnis kommt.

herrsching.online: Welche technische Ausstattung steht Ihnen zur Verfügung?

Laszlo: Eine stabile Internetverbindung ist auf jeden Fall von Vorteil – das kann bei uns in Breitbrunn schon mal zum Problem werden.

herrsching.online: Weil wir bei der Technik sind – KI verbraucht angeblich unvorstellbare Mengen an Energie.

Laszlo: Klar ist der Energieverbrauch ein Thema, das man ständig im Hinterkopf behalten sollte. Nachdem sich alles in Richtung KI wandelt, muss langfristig daran gearbeitet werden, die Nutzung von KI nachhaltiger zu gestalten.

herrsching.online: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kunst mit der Tastatur zu machen?

Laszlo: Vor etwa drei Jahren, als die ersten KI-Bildgenerierungstools aufkamen, habe ich mich sofort dran gesetzt und damit zu arbeiten gelernt . Man muss sich mit dem Fortschritt weiter entwickeln.

herrsching.online: Wie steil ist eigentlich die Lernkurve der KI-Programme?

Laszlo: Die Entwicklung ist extrem schnell. Jede Woche gibt es neue Möglichkeiten, Aufgaben an KI abzugeben. Dadurch wird sich langfristig unser Alltag ändern.

herrsching.online: Arbeitet die KI zu perfektionistisch?

Laszlo: Ich habe bewusst kleine Unstimmigkeiten eingebaut. Mir war wichtig, dass man erkennt, dass es sich nicht um ein klassisch fotografiertes Bild handelt. Ich finde es problematisch, wenn man nicht mehr nachvollziehen kann, wie ein Bild entstanden ist oder wer dahintersteht.

herrsching.online: Die Arbeiten sind also eine Art Zeitkritik, aber auch eine Hommage an die moderne Technologie – sie sind philosophisch und zugleich alltagsnah?

Laszlo: Die Arbeiten haben auf jeden Fall einen philosophischen Hintergrund, sowohl in der Idee als auch in der Entscheidung für das Medium KI. Aber am Ende ist es auch ganz einfach: Wenn man sich ein Bild an die Wand hängt und es jeden Tag sieht, dann muss es einem gefallen.

herrsching.online: Ist die KI eigentlich Ihre Freundin?

Laszlo: Auf jeden Fall. Ich liebe die Möglichkeiten, die KI bietet und nutze sie ständig beruflich und im Alltag. Wir leben in einer Zeit, in der man viele neue Chancen bekommt, Abläufe neu und einfacher zu gestalten.


Die Ausstellung der Unity-Serie ist noch bei REMAX Collections in Starnberg zu sehen. Die Finissage findet in Kürze statt. Im Anschluss werden die Arbeiten über den Sommer in den Räumlichkeiten von REMAX in Landsberg gezeigt.

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