Fast ein SPD-Klischee: Andy Weger kann zupacken – an der Segelnähmaschine und an der Pinne. Auch im Gemeinderat würde er gerne einige Kursänderungen voranbringen. Foto: Gerd Kloos

„Ich würde keinem empfehlen, der Gemeinde etwas zu vererben“

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Andy Weger – wär‘ der was für den Gemeinderat? Der Bootsbauer, Segelmacher und Unternehmer strebt auf der SPD-Liste in den Gemeinderat. Sein besonderes Anliegen: Aufs Geld schauen.///

Man muss ihn lange suchen auf der SPD-Liste: Andy Weger, 61, wartet auf Platz 22, dass ihn viele Herrschingerinnen und Breitbrunner nach vorne häufeln. Denn er will – im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten – tatsächlich an den Ratstisch. Dort würde er mit seiner tiefen Stimme, die auch wunderbar zu einem raubeinigen Westernhelden passen würde, gerne auf die Finanzen der Gemeinde gucken. Weger ist gelernter Bootsbauer und Segelmacher und im Winter „Herbergsvater“ von vielen Yachten. Er selbst segelt mit acht Mann seine Tohuwabohu, die er mit einem Freund aus einer Konkursmasse heraus gekauft hatte. Kurshalten gehört also zur Kernkompetenz, und Gewinnen ist seine Leidenschaft – auf der Regattabahn. Vielleicht segelt er auch am Sonntag an vielen Konkurrenten vorbei und schafft es in den Gemeinderat?

Ganz hinten, wo die Entscheidungen getroffen werden, sitzt Andy Weger auf seiner Tohuwabohu. Foto: Gerd Kloos

herrsching.online: Haben Sie eine originelle Idee, wie man bezahlbaren Wohnraum schaffen kann?

Weger: Wir könnten unser Ostufer von Stegen bis Wartaweil zupflastern, und es wäre trotzdem nicht günstiger. Zumindest mal nicht, solange es in München so teuer ist. Die Wohnungspreise bilden sich auch für uns am See in München. Herrsching ist das Überlaufbecken von München, eigentlich der gesamte S-Bahnbereich. Solange in München viel zu wenig gebaut wird, wird es auch bei uns teuer bleiben.

herrsching.online: In Herrsching wird ja gebaut: Seestraße, Fischergasse, Kienbachtal und vielleicht demnächst sogar in Breitbrunn auf der Klosterwiese. Aber es wird halt das Falsche gebaut oder es wird für die Falschen gebaut. Die Grundstückspreise sind zu teuer, das Bauen ist zu teuer … Immerhin wird am Mitterweg ja für Leute gebaut, die jetzt nicht zu den Besserverdienenden gehören.

Weger: Ich war kein Freund des Projekts am Mitterweg, ich bin für den klassischen sozialen Wohnungsbau. 60 Prozent der Wohnungen sind für Menschen vorgesehen, die zur sogenannten Daseinsvorsorge beitragen. Und dazu gehören Handwerker im klassischen Sinne nicht. Wenn zwei Männer am selben Rohr arbeiten, der eine von einer Baufirma, der andere von der AWA, dann kommt der Mann von der öffentlichen Wasserversorgung zum Zug.

herrsching.online: „Hart arbeitende Leute“, wie unser Finanzminister sagt, werden in Herrsching Ihrer Meinung nach schwer eine bezahlbare Wohnung finden?

Weger: Viele Beschäftigte, die zum Beispiel in den Supermärkten arbeiten oder handwerklichen Tätigkeiten in Herrsching nachgehen, wohnen Richtung Buchloe oder Richtung Weilheim. Und Eigentum in Herrsching zu kaufen, geht ohne Erbe auch nicht mehr. Wie kann man in Herrsching Geld auf die Seite legen, wenn man schon 50 Prozent für die Miete ausgeben muss?

herrsching.online: Bei einigen neuen Bauvorhaben geraten die Bäume unter die Räder. Schadet der Trend zu mehr Kubatur der Natur – gibt es eine Konkurrenz von Bau und Baum?

Weger: Ich habe lustigerweise erlebt, dass sich Nachbarn beschweren, wenn nebenan Bäume gefällt werden. Das waren dann Leute, die auf ihrem eigenen Grundstück überhaupt keine Bäume hatten. Klar kostet die politisch gewollte Verdichtung Bäume und Sträucher, aber es wäre halt schön, wenn die Bäume auf der Grundstücksgrenze erhalten blieben und nicht dem Wunsch nach unverstellter Aussicht zum Opfer fallen würden. Aber es gilt: Ohne Bauen wird Wohnen niemals günstiger.

herrsching.online: Ein weiteres Großproblem ist der Bahnhof. Großinvestor oder Genossenschaft?

Weger: Wäre schön, wenn es einen reichen Herrschinger gäbe, der den Bahnhof saniert und gegen eine günstige Miete für soziale Zwecke zur Verfügung stellt. Aber den werden wir nicht finden. Also bleibt nur das Genossenschaftsmodell. Und ich meine immer noch, dass man von dem Grundstücksverkauf der Familie Oppelt in der Ploetzstraße etwas abzwacken könnte für den Bahnhof. Schließlich haben die Erblasser verfügt, dass der Grundstücksverkauf sozialen Zwecken zugutekommen soll. Mir wäre das Allerliebste, wenn die Gemeinde mit einer Million in eine Genossenschaft eintreten würde.

herrsching.online: Brisantes Thema. Ist es ein Taschenspielertrick, dass die Gemeinde den Erlös des Grundstücksverkaufs aus dem Erbe der Familie Oppelt für die Haushaltssanierung verwendet und dabei auf das soziale Projekt „Bezahlbares Wohnen am Mitterweg“ verweist?

Weger: Das ist ja kein Trick, das machen sie ganz offen. Das geht nicht. Nach diesem Erlebnis würde ich keinem empfehlen, irgendetwas für soziale Zwecke an die Gemeinde zu vererben. Es ist ganz klar, dass das Grundstück für ein Frauenhaus oder eine Tagespflegeeinrichtung verwendet werden muss. Dass man im Rathaus auf das Projekt „Bezahlbares Wohnen“ hinweist, ist ja nicht korrekt. Diese Wohnungen sind vom Land üppig gefördert worden: sechs Millionen Zuschuss und sechs Millionen Darlehen – das müsste doch reichen. So komme ich bei Mieten von 13 Euro auf 100.000 Euro Gewinn im Jahr. Ich weiß nun nicht, wie man da noch die soziale Bindung des Oppelt-Erbes hineinwurschteln will.

herrsching.online: Was hat Sie eigentlich geritten, mit 61 noch mal in die Politik zu gehen?

Weger: Ich bin von der SPD gefragt worden. Da hat es sich gut getroffen, dass ich jetzt ein bisschen Zeit habe. Ich war immer schon ein politischer Mensch, schon im Elternhaus wurde über Politik gesprochen.

herrsching.online: Und – eine Demo-Karriere durchlaufen?

Weger: Das Klassische halt: Wackersdorf, klar, und dann halt auf den größeren Demos, die wichtig waren.

herrsching.online: Nun ist Demonstrieren schön und gut. Aber warum, glauben Sie, braucht Sie der Gemeinderat?

Weger: Da wäre schon noch was zu tun: Mir fällt auf, dass es keinen Finanzausschuss im Gemeinderat gibt. Es ist halt sehr wichtig, dass man darauf schaut, ob unser Geld ordentlich ausgegeben wird.

herrsching.online: Sie kandidieren auf der SPD-Liste. Welche Ziele hat sich die Partei für die nächste Legislaturperiode vorgenommen?

Weger: Das Wichtigste steht wohl bei allen Parteien im Wahlprogramm: bezahlbarer Wohnraum. Aber wir sind halt leider kein Arbeiterdorf in Herrsching und Breitbrunn.

1 Comment

  1. Ich würde der Gemeinde auch nix vererben, selbst wenn ich es könnte.
    Zu ärgerlich, die Geschichte mit dem Oppelt-Grundstück.

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