Lohnt sich eine PV-Anlage noch, wenn die Einspeisevergütung wegfällt?

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Der ehemalige Vorstandschef der Energiegenossenschaft Fünfseenland und Grünen-Gemeinderat. Gerd Mulert beschäftigt sich schon lange mit dem Strom, der vom Himmel kommt. Immer wieder wird er mit populären Vorurteilen gegen Fotovoltaik-Anlagen konfrontiert. Auf herrsching.online stellt er die 13 größten Irrtümer richtig. Und er antwortet auf die aktuelle Frage: Lohnt sich eine PV-Anlage noch, wenn die Einspeisevergütung ganz wegfällt. 

1. Ganz aktuell gefragt: Lohnt sich eine PV-Anlage noch, wenn die Einspeisevergütung wegfällt? Das möchte ja unsere Bundesregierung in 2027 umsetzen.

Mulert: Die Planung einer neuen PV-Anlage wird anspruchsvoller. Mit Wärmepumpe und/oder E-Auto sind Fragen nach der Wirtschaftlichkeit überflüssig, da sich die PV-Anlage sicher rechnet. Allerdings wird es bei allen anderen Vorhaben anspruchsvoller. Ich muss dann sicherstellen, dass mit Batteriespeichern genug Sonnenstrom von mir selbst verbraucht wird. Die Folge sind höhere Investitionen. Hoffen wir, dass sich noch Vernunft durchsetzt, denn wir brauchen den Sonnenstrom. Bis dahin gilt es, die Anlagen so bald wie möglich umsetzen, die Einspeisevergütung über 20 Jahre sichern und auch von dem Wegfall der Mehrwertsteuer profitieren. 

2. Balkonkraftwerke machen nicht nur Strom, sondern auch Ärger mit dem Vermieter

Mulert: Es gibt nun weniger Bürokratie, und der Mieter bekommt deutlich mehr Rechte gegenüber seinem Vermieter, der es dann nicht mehr grundsätzlich verbieten kann. Will er das, muss er sehr gute Gründe dafür haben. Das wird den kleinen Kraftmaschinen auf den Balkonen noch einmal einen riesigen Schub geben. Man stelle sich vor: Mit einer 800 Watt-Solarleistung des Balkonkraftwerkes kann ich ungefähr 800 Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Man wird davon nicht alles verbrauchen können, weil man ja auch mal unterwegs ist oder kein größerer Stromverbraucher läuft, dann spart man sich vielleicht 500 Kilowattstunden Strom im Jahr, und bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowatt hätte ich im Jahr 150 Euro gespart. Damit ist ein Balkonkraftwerk in 5, 6 Jahren amortisiert. Man braucht nur eine Steckdose in der Nähe des Balkons, und schon fließt der kostenlose Strom. Und wenn man den Strom im Haus nicht selber verbraucht, fließt er ins allgemeine Netz – als milde Gabe. Denn dafür gibt’s keine Vergütung.

3. PV lohnt sich nur bei Dächern, die nach Süden ausgerichtet sind

Mulert: Das stimmt schon längst nicht mehr. Ein Ost-West-Dach ist sogar sehr vorteilhaft, weil man am Vor- und am Nachmittag Sonne bekommt. Inzwischen fängt man sogar an, auf Norddächern PV-Anlagen zu installieren. Die Effektivität der Module ist deutlich besser als in der Vergangenheit. Sie arbeiten auch mit weniger Licht oder sogar im Schattenbereich. Gegenüber einer älteren Anlage ist die Effizienz um das Mehrfache höher.

4. Deutsche Wertarbeit auf dem Dach ist besser als chinesische Ware

Mulert: Flapsig gesagt: Die Chinesen sind so gut wie die Deutschen, weil sie die Module auf deutschen Maschinen herstellen. Natürlich passiert die Wertschöpfung bei der Herstellung nicht in Deutschland, chinesische Module bringen dem deutschen Fiskus nichts. Aber noch einmal: Die Qualität aus China ist O.K.

5. Es gibt zur Zeit überhaupt keine Handwerker für die Installation einer PV-Anlage, die Wartezeiten sind extrem lang 

Mulert: Auch das stimmt glücklicherweise nicht mehr, seit 2023 hat sich viel getan. Es gibt inzwischen sogar wieder Wettbewerb unter den Handwerkern. Die Situation war schlimm, inzwischen haben sich viele Betriebe auf diesen Geschäftszweig eingestellt. Allerdings gibt es auch viele schwarze Schafe in der Branche. Ich rate von einer Bestellung am Telefon oder im Internet ab. Wichtig ist eine gute Beratung vor Ort und ein Handwerker aus der Umgebung. 

6. Was kostet die Kilowatt-Leistung heute?

Mulert: Bei einem Reihenhaus kann man von 5 Kilowatt Peak an Solarleistung auf dem Dach ausgehen. Diese Anlage kostet heute weniger als 2000 Euro pro Kilowatt Peak. Man muss also mit Kosten unter 10.000 zwischen 8000 und 12 000xxx Euro rechnen. Je nachdem, wie kompliziert das Dach ist. Eine 5-Kilowatt-Anlage produziert um die 5000 Kilowattstunden Sonnenstrom im Jahr. Von diesen 5000 Kilowattstunden wird man etwa ein Drittel im Hause verwerten, den Überschuss wird man verkaufen. Mit einem Batteriespeicher wird es natürlich teurer, und auch nicht zwingend wirtschaftlicher. 

7. Weil die Vergütung für den eingespeisten Strom so gering geworden ist, lohnt sich eine PV-Anlage nicht mehr.

Mulert: Eine PV-Anlage ist in der Regel sehr wirtschaftlich. Ich erziele damit Renditen, die ich bei keiner Geldanlage auf der Bank bekomme. Es gibt natürlich Konstellationen, bei denen eine Anlage unwirtschaftlich ist. Man stelle sich vor, das Haus liegt im Wald. Oder anderes Szenario: Ich habe praktisch keinen eigenen Stromverbrauch, ich muss den ganzen Ertrag ins Netz einspeisen. Das sind aber Extrembeispiele. Im Regelfall, wir sprechen da von 60 bis 80 Prozent aller Dächer, ist eine PV-Anlage sehr wirtschaftlich. Sie hat sich in 14, 15 oder 16 Jahren amortisiert. Es gibt auch Fälle, in denen sich eine Anlage schon nach 10 Jahren abbezahlt hat. Und die hocheffizienten Balkonkraftwerke lohnen sich oft schon nach 5 Jahren.

8. PV-Anlagen haben eine zu kurze Lebensdauer 

Mulert: 25 Jahre sind inzwischen kein Thema mehr. Nach dem Jahr 2000 wurde viele Anlagen installiert – und sie laufen alle noch. Und der Leistungsabfall im Laufe der Betriebsdauer ist auch viel geringer, als man damals angenommen hat.

9. Es gibt immer mehr Konkurrenz zwischen Bäumen und PV-Anlagen. Wie viel Schatten durch nahe Bäume vertragen PV-Anlagen, ohne dass ihre Leistung auf ein wirtschaftlich nicht mehr sinnvolles Niveau schrumpft?

Mulert: Klar: Wegen einer PV-Anlage sollte man keine Bäume fällen. Ein Baum tut fürs Klima mehr als eine PV-Anlage. Also: Der Baum hat Vorrang. Aber: Die Anlagen vertragen heute auch partielle Schattenzeiten. Heute baut man sogenannte Optimierer ein, so dass ein Modul auch für sich alleine arbeiten kann. Zum anderen sind die Module sehr viel lichtintensiver geworden. Man kann auch durchaus mit diffusem Licht, also mit Licht im Schattenbereich, Energie vom Dach holen. Da hat sich die Technik stark weiterentwickelt. Ein Baum, der mal einen Schatten wirft, ist heute kein Thema mehr.

10. Die Sonne hat zwei große Feinde – die Wolken und die Erddrehung. Arbeitet die PV-Anlage auch in meteorologisch ungünstigen Monaten noch vernünftig?

Mulert: Wenn’s Nacht ist, ist Schicht im Schacht. Aber wenn wir Vollmond bei wolkenlosem Himmel haben, kann eine Solaranlage schon mal anspringen. Deshalb ist ja auch die Ost-West-Ausrichtung so interessant, weil die Anlage schon beim ersten Licht aus dem Osten anspringt. Klar, dass die maximale Leistung erst dann erzielt wird, wenn die Sonnenstrahlen im perfekten Winkel auf die Module treffen. Also: Auch nach Sonnenaufgang und in der beginnenden Dämmerung gibt es Strom vom Dach.

11. Mit einer PV-Anlage habe ich im Lauf der Zeit erhebliche Wartungskosten

Mulert: Die Wartungskosten sind nicht relevant. Es kann gut sein, dass eine Anlage 10 Jahre durchläuft, und man hat keinen Euro ausgegeben. Es kann sein, dass der Wechselrichter nach 10, 12 Jahren defekt ist. Dann muss man 1000 Euro in die Hand nehmen. Aber auch die Wechselrichter arbeiten meist 20 Jahre und länger. Man kann die Anlage auch extra versichern, muss man aber nicht.

12. Wenn’s mal brennt, hat die Feuerwehr ein Problem 

Mulert: Das war schon immer ein Gerücht und hat sich komplett erledigt. Jede Feuerwehr kann den Dachstuhl löschen, wenn eine PV-Anlage installiert ist.

13. Der bürokratische Aufwand eines PV -Anlagebetreibers war früher absurd hoch. Da braucht man einen Steuerberater, um die Einnahmen korrekt zu deklarieren

Mulert: Für die Einnahmen durch die Einspeisung hatte sich das Finanzamt interessiert. Und das ist glücklicherweise abgeräumt. Alle Einnahmen durch Einspeisungen von privaten Dächern sind steuerbefreit. Man muss also auch kein Gewerbe anmelden, sondern freut sich an dem Ertrag.

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