Wenn es in Herrsching einen Mann gibt, auf den sich alle einigen können, dann ist es – Hansgeorg Vetter. Bei einer CSU-Veranstaltung mit Bürgermeister und Landrat kam aus der Bürgerschaft die Frage nach dem Bahnhof. Der Bürgermeister zählte auf, was der grundsanierte und renovierte Bahnhof alles haben und können muss. Unvermeidlicherweise fiel dann der Name des Service-Schalters von Hansgeorg Vetter, und sofort brandete Beifall auf.
Auf vieles könnten die Herrschingerinnen und Herrschinger verzichten, nicht aber auf den Bahnservice, den „Herr Vetter“ bietet. Bei einer Umfrage der Bürgergemeinschaft Herrsching (BGH) sagten nahezu 100 Prozent: „Herr Vetter muss bleiben“. herrsching.online hatte einen Artikel über den Herrschinger Mr. Bahn mit einem Witz eingeleitet: „Kommt ein Mann an einen Fahrkartenschalter und will ein Ticket nach Peking kaufen. Fragt der Bahnmann: Wo liegt denn das? Der Mann kommt trotzdem nach Peking. Vor der Heimreise bestellt er in Peking am Schalter eine Fahrkarte nach Haching. Fragt der chinesische Schalterbeamte: „Untel- odel Obelhaching?“ Unseren Bahn-Repräsentanten in Herrsching hätte die Fahrkarte nach Peking nicht in Verlegenheit gebracht: Hansgeorg Vetter, 51.
Im Interview musste Vetter auch sein Verhältnis zu seinem Vertragspartner Bahn erklären:
herrsching.online: Welche persönliche Beziehung haben Sie zur Bahn?
Vetter: Ich war früher bei der Bahn angestellt. Ich habe dann im September 2000 Herrsching übernommen. Und jetzt bin ich seit 22 Jahren hier am See.
herrsching.online: Wieviele Tickets haben Sie schätzungsweise schon verkauft, Millionen?
Vetter: Millionen (lacht). Nein, im Ernst, hab ich nicht gezählt.
herrsching.online: Haben Sie viele ältere Kunden, die ihre Fahrkarte nicht übers Internet kaufen wollen?
Vetter: Auch wenn viele ältere Kunden sagen: Schön, dass Sie da sind – es kommen auch ganz viele junge Leute, weil sie beraten werden wollen.
herrsching.online: Was war Ihr exotischste Ticket, das Sie verkauft haben?
Vetter: Ein Kunde wollte mit dem Zug nach Marokko fahren. Und Fahrkarten nach Moskau habe ich auch schon verkauft. Ein Kollege wurde einmal mit dem Wunsch konfrontiert, eine Fahrkarten nach Übersee auszustellen. Es stellte sich dann heraus, dass der Kunde nach Übersee am Chiemsee wollte. Das war dann kein Problem.
herrsching.online: Welche Kunden sind Ihnen am liebsten?
Vetter: Grundsätzlich alle. Manchmal habe ich ein Problem mit Touristen, die mich blöd anmachen, weil eine S-Bahn ausfällt. Die Leute am See wissen aber, dass ich nichts dafür kann, wenn eine S-Bahn ausfällt.
herrsching.online: Nun hat die Bahn nicht mehr das beste Image. Jeder, der pünktlich ankommt, setzt einen begeisterten Post ab. Leiden Sie unter dem Pünktlichkeits-Desaster?
Vetter: Grundsätzlich schon, wenn sich die Bahn nicht an den Plan hält, den ich ausdrucke. Aber ich kann ja nichts dafür. Da bin ich außen vor.
herrsching.online: Was sagen Sie den Leuten, wenn sie höhnen: Zu Ihrem Fahrplan-Vorschlag muss ich 2 Stunden draufschlagen?
Vetter: Nein, so schlimm ist es nicht.
herrsching.online: Aber grundsätzlich verkaufen Sie ja ein ökologisch wertvolles Produkt?
Vetter: Klar, und die Züge sind voll. Und deshalb gibt’s beim kleinsten Zwischenfall eben eine Kettenreaktion. Wenn jemand vor den Zug springt, kann die Bahn nichts dafür. Für eine Stellwerksstörung und andere Zwischenfälle ist natürlich die Bahn verantwortlich.
herrsching.online: Viele Leute aus dem Fünfseenland haben eine persönliche Beziehung zu Ihnen. Sie sind hier eine…
Vetter:…Institution. Aber nicht nur Herrschinger schätzen den Service. Es gibt viele Leute, die anrufen und um ein Ticket bitten, das ich denen mit der Post schicke, sei es nach Berlin, Hamburg oder sonst wo hin.
herrsching.online: Die Tarifstruktur der Bahn gilt als sehr kompliziert. Wie überblickt man das?
Vetter: Das ist mein Job. Aber es ist grundsätzlich schon einfacher geworden. Supersparpreis, Sparpreis, Flexpreis, Storno oder nicht. Das war früher alles komplizierter.
herrsching.online: Was war das teuerste Ticket, das Sie jemals verkauft haben?
Vetter: Zum Beispiel Gruppentickets zur Messe nach Hannover. Die können dann schon mal 10 000 Euro kosten.
herrsching.online: Da kann man abends auch mal eine Flasche Wein aufmachen?
Vetter. Ja, schon.
herrsching.online: Man kann von diesem Geschäft gut leben?
Vetter: Ich zahle ordentlich Steuern.



