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Sicherer Schulweg am Gymnasium: Eltern streiten mit dem Landrat

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Bedarfsampel, Zebrastreifen, Schülerlotsen: Was macht den Übergang zum Gymnasium sicherer? Heftige Diskussion im Förderverein/Landrat Frey verspricht Verbesserungen///

Eigentlich sollte es ein Heimspiel werden für Landrat und Bürgermeister, aber dann wurde es doch emotional unter den eigenen „Fans“: Die Verkehrsregelung am neuen Gymnasium missfällt vielen Eltern so sehr, dass sie in der Versammlung des Fördervereins die Rede von Landrat Frey unterbrochen haben. Ein ehemaliger Richter und Vater eines Schulkindes lieferte sich sogar ein Wortgefecht mit dem Landrat, ein anderer Vater platzte mit dem Zwischenruf in die Rede: „Da muss ich Ihnen widersprechen.“

Grund der Aufregung: Die Verkehrsregelung für die Straßenquerung an der Mühlfelder. Die Querungshilfe am Gymnasium gilt vielen Eltern nicht als sicher genug. Einige Mütter und Väter forderten Zebrastreifen an der Panoramastraße und an der Querungshilfe, einige Eltern halten eine Bedarfsampel für erforderlich.

Bürgermeister Schiller hält eine solche Ampel „nicht für ein Allheilmittel“. Im Gespräch mit herrsching.online berichtete er aber von Initiativen der Gemeinde, vorsorglich schon einmal Leitungen im Erdreich zu verlegen. Hier scheint das Geld eine entscheidende Rolle zu spielen. Das Landratsamt soll vorgeschlagen haben, die Kosten für die Bedarfsampel zu dritteln: Ein Drittel wollte der Kreis bezahlen, ein Drittel wohl das Straßenbauamt, ein Drittel sollte die Gemeinde Herrsching übernehmen – eine solche Druckampel, die nur bei Anforderung anspringt, kostet wohl bis zu 150 000 Euro. Herrsching scheint diese Kostenteilung abgelehnt zu haben, weil die Mühlfelder Kreisstraße ist und das Gymnasium nun mal die Baustelle des Landratsamtes. Der Landrat versprach aber in der Diskussion mit den Eltern, das Projekt Bedarfsampel weiter zu prüfen.

Dass die Verkehrsregelung im ersten Jahr der Schuleröffnung noch Defizite hat, ist bei einem solchen Mega-Projekt verständlich: 50 Baufirmen zu koordinieren, die Baukosten im Zaum zu halten und dazu noch mit vertragsbrüchigen Unternehmen zu prozessieren, kann ein Amt mit schlanken Strukturen schon einmal überfordern.

Die Schwachstellen des Schulwegs:

• 500 Schüler überqueren zur Zeit die Mühlfelder an der Querungshilfe. Das funktioniert meist gut, wie ein Schülersprecher in der Versammlung bestätigte: Die Autofahrer warten, bis die Schülerströme die Straße überquert haben – mehr oder weniger geduldig. Eine Mutter hatte allerdings berichtet, dass sich ein drängelnder LKW-Fahrer ruckartig bis auf einen Meter den Schülern genähert habe. Das sei, kommentierte Frey, ein klarer Verstoß gegen die Verkehrsregeln.

• Straßenübergang von der Panaramastraße auf den (westlich gelegenen) Fußweg zum Gymnasium. Schüler, die aus den östlichen Gemeindevierteln zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, müssen die Mühlfelder gleich zweimal überqueren. Für viele Eltern unverständlich, dass das Gymnasium kein zweites Zugangstor hangaufwärts an der Panoramastraße bekommen hat. Landrat Frey hatte dafür eine plausible Erklärung: Um den ohnehin aufgebrachten Nachbarn der Schule den Eltern-Zubringerverkehr zu ersparen, verbietet der Bebauungsplan einen östlichen Zugang. Das hänge auch mit dem Emissionsrecht zusammen, an das der Landkreis gebunden sei. „Wir können uns nicht über das Gesetz stellen.“ Wäre die Panoramastraße für Mama-Taxis gesperrt, würde dieser Grund entfallen. Ein Gehweg auf der östlichen Seite der Mühlfelder würde alle Probleme lösen, aber der Wunsch bleibt unerfüllt: Dem Landkreis gehören die Grundstücke nicht.

• Temporegelung an der Panoramastraße: Die Tempo-30-Zone endet kurz nach dem Schulgelände, schon vor dem Ortsschild erlaubt ein Schild wieder Tempo 50. Diesen Unfug, so versprach der Landrat, werde man abschaffen.

Viele Eltern versprechen sich von Zebrastreifen eine deutliche Verbesserung der Sicherheit. Doch Landrat Frey verweist auf Verkehrsexperten und Polizei, die behaupten: Ein Zebrastreifen ist eine Scheinlösung. Solche „Expertisen“ sind zwar weltfremd und widersprechen der Lebenserfahrung aller Fußgänger, aber Expertenmeinung ist in Deutschland heilig. Landrat Frey vertritt die Rechtsauffassung, dass auch ein Fußgänger an einem Zebrastreifen mit dem Autofahrer „kommunizieren“ muss.

Als dann noch ein Vater, nach eigener Aussage ehemaliger Richter und nun Anwalt, behauptete, dass bei Querungshilfen, also baulicher Verengung der Fahrbahn, die Verantwortung allein bei den Kindern liege, widersprach Landrat Frey heftig: „Das ist falsch. Ich bin auch Jurist.“ Es entspann sich ein strittiger Dialog, bei dem Frey darauf beharrte, dass die Verantwortung beim Autofahrer und nicht beim Fußgänger liege.

Eine Lösung, die allen gefallen würde, wäre eine Verkehrsregelung mit Schülerlotsen. Das sei zwar bei weiterführenden Schulen nicht üblich. Aber wenn die Eltern einen Lotsendienst organisieren würden, wäre allen geholfen. Eine Mutter hatte noch eine andere, originelle Idee: Man könnte doch an der Querungshilfe zwei „stumme Polizisten“ bauen – kleine Wellen, die man tunlichst nur mit geringer Geschwindigkeit passiert. Frey konnte sich mit dieser physikalischen Lösung nicht anfreunden: „Geschwindigkeit ist nicht das Problem, weil an der Querungshilfe langsam gefahren wird.“

14 Comments

  1. Ich bekomme bei dieser Verkehrsdiskussion Bauchschmerzen. Der Tod des 8 jährigen Jungen, der gestern an der Hanfelderstrasse in Starnberg durch einen Kipplaster verursacht wurde, sollte uns zeigen, dass Kinder im Straßenverkehr mit allen möglichen Maßnahmen geschützt werden müssen. Eine sichere Querungshilfe vor Schulen und Kindergärten sollte absolut vorrangig sein und die Verkehrserziehung durch Polizisten und Lehrer ergänzen. Auch finde ich es empathielos den Eltern erziehliche Vorwürfe zu machen, wenn ihr Kind sich im Verkehr falsch verhaelt. Übrigens habe ich an der Staatsstraße in Breitbrunn schon vielen Kindergartengruppen als Hilfsperson gedient, weil weder ein Zebrastreifen, noch eine Bedarfsampel im gesamten Ortsbereich eine halbwegs sichere Queerung ermöglicht. Wir haben in Breitbrunn bisher nur Glück gehabt, dass noch keine Behinderten im Rollstuhl oder Kinder mit Fahrrrad, von einem monströsen Lastwagen oder Traktor überrollt wurden.

  2. Es geht hier nicht um Grundschüler, sondern um Kinder und Jugendliche, die sich in ihrer Freizeit in Herrsching eigenverantwortlich bewegen – und das mit dem Einverständnis der Eltern. Warum verlangen diese Eltern jetzt eine weitere „Absicherung“ der Querungshilfe? Das ist doch ein Widerspruch in sich. Die Kinder, die zum bzw. vom Bahnhof laufen, haben den sichersten und schönsten Schulweg vor sich.

    Das Argument von Frau Casaretto, die Realschüler hätten einen Zeitverlust von fünf Minuten, wenn sie den Umweg über die Ampel wählen, ist lächerlich, nein, eigentlich ist das traurig. Dann sollte man diese fünf Minuten früher aus dem Haus gehen. Eine Ampel, die der Sicherheit der Schüler dient, kann und darf kein Umweg sein. Die Schüler laufen handygesteuert über die Riederstraße – und das hat nichts mit emotionaler Überforderung oder Erschöpfung vom Schulunterricht zu tun.

    • Vielleicht ist es nicht der Zeitverlust, sondern die Bequemlichkeit, die die Schüler den kürzeren Weg nehmen lässt.
      Wer ihnen das vorwirft, möge sich an seine eigene Jugendzeit erinnern.
      Dazu stellt sich für mich die Frage, wie Sie das ändern möchten?

      • Ich werfe den Schülern gar nichts vor. Was den Zeitverlust angeht, habe ich lediglich Frau Casaretto zitiert. Ich gebe Ihnen recht, es ist wahrscheinlich hauptsächlich Bequemlichkeit – und das wird sich nicht ändern. Ich stimme Ihnen auch zu, dass wir in unserer Jugendzeit nicht anders waren. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass die Ampel an der Realschule fast nicht genutzt wird.
        Wenn überhaupt eine weitere Sicherung gebaut werden soll, dann sollte ein Zebrastreifen reichen.

  3. Ich bin auch der Meinung, dass ein Kind das auf das Gymnasium geht, in der Lage sein sollte Verkehrssituationen zu bewerten. In Breitbrunn müssen die Kinder ebenfalls die Hauptstraße überqueren um zum Schulbus zu gehen. Es gibt keinen Schülerlotsen. Bei uns wird den Kindern noch beigebracht wie die sich im Straßenverkehr zu verhalten haben. Das Gejammer in Herrsching finde ich übertrieben.

  4. An der Hauptstraße unmittelbar vor dem Gymnasium Tutzing hat sich die Bedarfsampel seit Jahren bewährt. Die Ampel gewährleistet eine sichere Überquerung der vielbefahrene Straße, insbesondere für die Kinder, die von und zur S- Bahn müssen. Und die Schüler nutzen diese auch sehr diszipliniert. Warum sollten die Schüler in Herrsching dies nicht tun? Ein Autofahrer, der bei rot über die Ampel fährt, muss ein Fahrverbot befürchten. Ein Autofahrer, der bei einem Zebrastreifen nicht anhält, wenn sich ein Fussgänger diesem erkennbar nähert, muss 80 EUR Bußgeld und einen Punkt in Flensburg befürchten. Ein Autofahrer, der nicht anhält an der Querungshilfe vor drm Gym in Herrsching, obwohl ein Schüler am Straßenrand wartet und signalisiert, dass er rüber möchte, darf weiterfahren und hat keinerlei Konsequenzen zu befürchten. Denn er hat hier Vorrang und es ist sein gutes Recht. Der Schüler, als schwächerer und unerfahrener Verkehrsteilnehmer, hat keinen Vorrang, sondern die Pflicht zu warten. Warum hier eine solche Lösung bevorzugt bzw. als gute Lösung verteidigt wird, das kann ich leider nicht nachvollziehen. Bei vielen Autofahrern ist es längst ein Automatismus lieber einmal zu viel am Zebrastreifen anzuhalten als zu wenig und man zieht lieber nicht durch bei gelb an der Fußgängerampel. Wenn man aber im Berufsverkehr spät dran ist und nicht anhalten muss, dann lässt man die Kinder auch mal warten..
    Deshalb würde mir wünschen, wenn man weiter nach einer besseren Lösung als der Querungshilfe sucht, bei der die Kinder auch am Ende tatsächlich als Fußgänger Vorrang vor dem Autofahrer erhalten.

  5. Ja, bei der Veranstaltung wurde argumentiert, eine Bedarfsampel sei überflüssig, da auch die Schülerinnen und Schüler der Realschule diese nicht nutzen, sondern die Straße direkt überqueren.
    Dieser Vergleich ist jedoch unzutreffend:

    Die Kinder der Realschule wählen den direkten Weg zwischen Schule und S-Bahn. Der Umweg über die Ampel an der Ecke Rieder Straße / Madeleine-Ruoff-Straße würde für sie einen Zeitverlust von etwa fünf Minuten bedeuten. Unabhängig davon ist die Verkehrssituation an der Realschule ebenfalls problematisch und sollte dringend angegangen werden.

    Die Bedarfsampel in der Mühlfelder Straße vor der Grund- und Mittelschule, die durch das engagierte Vorgehen der früheren Bürgermeisterin Hollacher realisiert wurde, hat sich seit über 20 Jahren hervorragend bewährt. Sie zeigt, dass eine Bedarfsampel ein sinnvoller und wirksamer erster Schritt zu einer verantwortungsvollen Verkehrslösung ist — auch vor dem Gymnasium.

    Wer sich selbst ein Bild machen möchte: freitags um 12:30 Uhr vor dem Gymnasium oder auf Instagram unter @karin.casaretto.

    • Von Gymnasiasten in entsprechendem Alter kann erwartet werden, dass sie sich entsprechend verhalten, wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen. Da sie allerdings allesamt lieber mit dem Handy spielen und blind auf die Straße laufen, bleibt den “lieben Autofahren” nichts anderes übrig, als auf die Bremse zu steigen und “vorbildlich und geduldig” zu warten, bis der letzte über die Straße gegangen ist. Dieses Verhalten lässt sich ebenfalls wunderbar zu Schulschluss beobachten. Da hilft auch kein reißerisches Video mit dramatischer Musik, um es gefährlicher darzustellen als es ist.

      Es wäre auch zu einfach, im Grundschulalter an der Verkehrserziehung teilzunehmen und das erlernte bis ins Gymnasium zu behalten.

      Was ebenfalls aktuell vergessen wird (bis zum 08.03. natürlich “ganz aus Versehen”) ist die Tatsache, dass sich die Schule noch immer in der finalen Bauphase befindet und die Busschleife, wie auch die Hol-& Bringzone am Kreisverkehr noch nicht endgültig fertig ist.
      Wie wäre es denn, wenn sich die Situation erst einmal einspielen kann, bevor “Verbesserungen” gefordert werden.

      • Das ist alles richtig! Genau wie man von einem Erwachsenen Autofahrer erwarten kann ein Tempo 30 Schild wahrzunehmen und seine Geschwindigkeit zu drosseln, genau wie man von einem Autofahrer erwarten kann einen Mindestabstand auf der Autobahn zu halten, genau wie man von einem Berufskraftfahrer erwarten kann seinen toten Winkel im Griff zu haben, genau wie man von einem Erwachsenen Autofahrer erwarten kann keinen Alkohol zu trinken wenn man fährt…. Die Realität ist, das ständig Fehler und Fehleinschätzungen passieren. Nicht nur den Schülern, sondern allen Verkehrtsteilnehmern. Die Realität ist jedoch auch, dass dem Autofahrer viel weniger passiert als dem Fussgänger. Dazu benötigt der Fussgänger den bestmöglichen Schutz. Interessant ist, dass die wenigsten Autofahrer (die wir fast alle sind, so wie wir nach dem Aussteigen alle Fussgänger sind…) ihr Auto erstmal ohne Airbag bestellen und schauen wie es sich so einspielt…

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