Feuerwerk überm Ammersee: So etwa stellt sich ein Bürger ein kommunales Feuerwerk mitten auf dem See vor. Zur Kasse könne man dann auch das Ammersee-Westufer bitten. Foto: Gerd Kloos

Bürgeridee: Statt privater Silvester-Knallerei öffentliches Feuerwehr in der Seemitte

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Der Gemeinderat wirkte in seiner „alten“ Zusammensetzung ein bisschen wie ein Präsident im letzten Amtsjahr: Lame Duck nennt man das: Es wird nur noch Kleinkram verhandelt, das aber in aller Breite. Hier ein Überblick über die Themen///

Öffentlich-rechtliches Feuerwerk – wer soll das bezahlen?

Das Silvesterfeuerwerk gerät in Herrsching immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. herrsching.online-Leserin Evi Buschor brachte es auf den Punkt: „Wenn die Menschen nicht selber denken , sollte halt die Bunderegierung handeln und die privaten Feuerwerke verbieten.“ Einen echten Knaller zündete ein Herrschinger Bürger (oder eine Bürgerin) mit einem Antrag ans Rathaus „Alle Gemeinden rund um den See veranstalten ein gemeinsames Silvester-Böllern in der Mitte des Sees (Schiff oder Floß). Finanziert würde das Böllern von allen Gemeinden (freiwilliger Beitrag).“ Dieser famose Vorschlag, so die Bitte des Petenten/der Petentin, solle im Gemeinderat „konstruktiv“ erörtert werden.

Was möglicherweise als Silvesterscherz gedacht war, wurde dann tatsächlich im Gemeinderat ernsthaft diskutiert. Hauptsamtsleiter Guido Finster antwortete dem Bürger mit dem Hinweis, dass auch bei einem kollektiven Böllern private Krachmacher ihr Feuerwehr zünden. Außerdem wäre ein gemeinsames Feuerwehr auf dem See ein Riesenaufwand; immerhin könnte dann die zuständige See- und Schlösserverwaltung die Organisation übernehmen – ein Vorschlag, der wohl auch nicht ganz ernst gemeint war.

Bürgermeister Schiller arbeitete sich an dem Vorschlag ab, für die Silvesternacht böllerfreie Zonen einzurichten, wie es die Stadt München mit einigem Erfolg verfolgt. „Solche Verbotszonen muss man auch überwachen.“ Er glaube nicht, dass die Herrschinger Polizei in der Silvesternacht in der Lage wäre, in den Verbotszonen auf Streife zu gehen. Christiane Gruber (BGH) und Uli Sigl (SPD) erinnerten daran, dass der See im Winter einen besonderen Schutz genieße, um die Vögel zu schonen. Leserin Evi Buschor malte sich in ihrem Kommentar aus, wie Enten und Wasservögel beim ersten Knaller „schreiend auffliegen und herumirren“. Thomas Bader (CSU) reihte sich mit seinen privaten Erfahrungen in die Reihe der Kritiker ein: „Das Kloster veranstaltet an Silvester um 18 Uhr ein privates Feuerwehr, das jeder Bürger bewundern kann. Trotzdem haben nach meiner Beobachtung wieder viele Leute ihre eigenen Feuerwerke veranstaltet.“ Bader sprach sich strikt gegen von der Gemeinde organisierte Feuerwerke aus: „Jeder Euro wäre dafür zu schade.“ Gerd Mulert (Grüne) und Wolfgang Schneider regten statt Feuerwerken Laser- oder Drohnenshows an, die aber auch jemand bezahlen müsste. Mulert brachte als Finanzier den Verband LEADER ins Spiel.

Jedenfalls wurde der Antrag auf ein See-Feuerwehr mit einer Gegenstimme abgelehnt. Feuer frei für neue Kommentare.

Ein grünes Dach am Rathausplatz

Ein grünes Dach, so dicht und schön wie eine Wandelhalle. Hainbuchen lassen so was mit sich machen. Foto-Quelle: Gemeinde Herrsching

Gemeinderat Gerd Mulert stieß sich an den „Frisuren“ der Bäume am Rathaus-Vorplatz: „Sie wurden erneut kastenförmig zugeschnitten.“ Das sei wegen der immer heißeren Sommer nicht mehr zeitgemäß. Er stellte den Antrag, die Bäume in Zukunft so wachsen zu lassen, dass „nach und nach ein Baumdach entsteht“. Die Architektin Claudia Schreiber habe schon 2022 vorgeschlagen, die Kastenform so zu verändern, dass ein Baumdach entsteht. Dieser grüne Vorschlag jedenfalls fand das Wohlwollen des Gemeinderats und der Verwaltung. Wenn jetzt noch eine ambulante Eisdiele und ein Kiosk im Schatten der Hainbuchen auf erhitzte Gemüter warten, wird der Rathaus-Vorplatz zum Open-Air-Wohnzimmer Herrschings.

Gezänk um Wahl-Wall: Wer darf wo und wie oft?

Um Herrschings Aussehen in Wahlzeiten nicht mit Plakaten zu verunzieren, hat der Gemeinderat schon vor Jahren eine Verordnung erlassen. Kern der Satzung: Auch an privaten Zäunen, die an öffentlichen Straßen stehen, dürfen Parteien und Kandidaten keine Wahlplakate anbringen. Christina Reich (CSU) rügte in der Gemeinderatssitzung die Grünen, die für ihre Bürgermeister-Kandidatin geworben haben sollen. Gerügt wurde auch, dass auf den offiziellen Holztafeln in der Gemeinde zwei Plakate von Karin Casaretto plakatiert worden waren. Hauptamtsleiter Finster erinnerte daran, dass für jede Partei und Gruppierung ein Plakatplatz reserviert sei. Plakate, die Veranstaltungen bewerben, dürfen mit gemeindlichem Einverständnis aufgestellt werden – aber nur 20 Stück im Ort. Unvermeidlich, dass aus den Reihen der Bürgergemeinschaft Herrsching die Frage kam, ob das Riesenplakat an der Schindlbeck-Klinik rechtens sei. Der Abgebildete antwortete persönlich: Das ist eine gewerbliche Fläche, die von der Gemeindesatzung nicht berührt sei. Und schließlich, so Schiller leicht spitz, habe ja auch die Kandidatin Casaretto auf einem solchen gewerblichen Riesenplakat geworben.

Plakatwand zur Landtagswahl: Für jede Gruppierung und jede Partei, die zur Wahl antritt, gibt es ein markiertes Feld. Das muss allerdings öfter beklebt werden, weil viele Anders-„Denkende“ ihr Mütchen an den Plakaten auslassen.

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