Passt zum innovativen neuen Gymnasium in Herrsching: Landrat Stefan Frey gratuliert der neuen Schulleiterin Dr. Eva Weingandt zu einem der attraktivsten Posten, den das Kultusministerium zu vergeben hat. Foto: Landratsamt

Leiterin des neuen Gymnasiums bringt innovatives Schulkonzept mit: „Schüler sollen selbstorganisiert lernen”

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Kurz vor dem Richtfest für das neue Gymnasium in Herrsching ist eine wichtige Entscheidung gefallen. Das Kultusministerium hat Dr. Eva Weingandt als Schulleiterin bestellt. „Die Stelle der Schulleiterin am Gymnasium Herrsching stellt für mich die attraktivste Tätigkeit in ganz Bayern dar“, freut sich Weingandt auf die neue Aufgabe.

Gut ein Jahr ist es noch hin, bis nach heutigem Planungsstand das neue Gymnasium in Herrsching in Betrieb gehen soll. „Die frühe Bestellung der Schulleitung war schon immer der Wunsch des Landkreises, um gerade im letzten Jahr vor dem Start des Schulbetriebs grundlegende unterrichtsbezogene und betriebliche  Fragen eng miteinander abzustimmen“, sagte Landrat Stefan Frey zu der Ernennung.

Dr. Eva Weingandt ist derzeit stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium Gröbenzell. Dort engagiert sie sich aktuell auch in einem schulischen Arbeitskreis zum Thema „Neue Lehr-Lernkultur“ und entwickelt im Team innovative Unterrichtseinheiten, bei denen eine moderne Unterrichtsmethodik mit den Möglichkeiten der Digitalisierung verzahnt wird.

Die neue Leiterin des Herrschinger Gymnasiums blickt auf viele Jahre Unterrichtserfahrung in Sport und Wirtschaft/Recht zurück. „Durch meine vielperspektivische berufliche Tätigkeit hat sich bei mir eine klare Vorstellung von „guter Schule“ entwickelt“, erzählt Weingandt. „Darunter verstehe ich ein zielorientiertes Konzept, bei dem die Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts – nämlich Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken – im Mittelpunkt stehen.“ Dr. Eva Weingandt begeisterte Sportlerin und macht vor allem mit ihrem Mountainbike die Gegend und die Berge unsicher. Sie ist Mutter von zwei Kinder im Alter von 16 und 21 Jahren.

Am Freitag, 12. Juli, wird auf der Baustelle das Richtfest für das Gymnasiums Herrsching gefeiert. 

Nach aktuellem Planungsstand soll die naturwissenschaftlich-technisch und sprachlich ausgerichtete Schule zum Schuljahr 2025/2026 in Betrieb gehen und bis zu 1000 Schülerinnen und Schüler „beheimaten“.

„Ein Großteil der Kinder unseres ersten Abiturjahrgangs wird später in Berufen arbeiten, die wir heute gar nicht kennen”

Die Pressestelle des Landratsamtes veröffentlichte aus Anlass der Bestellung ein Interview mit der neuen Schulleiterin:

Sportlich ist sie. „In meiner Freizeit tanze ich gerne und mache mit dem Mountainbike die Berge unsicher“, erzählt Eva Weingandt. 1995 hat es die gebürtige Oberpfälzerin während ihrer Referendarzeit in München das erste Mal in den Landkreis Starnberg verschlagen. „Der Blick von Percha aus auf den See war so beeindruckend, ich wollte aus dieser Gegend nicht mehr weg“, erinnert sie sich. So wurde München ihre neue Heimat.

Sie ist Mutter von zwei Kindern im Alter von 16 und 21 Jahren und hat genügend Erfahrungen für ihren neuen, anspruchsvollen Job.

Frau Dr. Weingandt, seit etwa sechs Wochen wissen Sie, dass Sie Leiterin des Herrschinger Gymnasiums werden. Was überwiegt, Freude oder Aufregung?

Weingandt: Beides ist in großem Maße vorhanden (lacht). Mir wird auch so langsam bewusst, was da alles auf mich zukommt. Für das Allermeiste fühle ich mich sehr gut vorbereitet. Es gibt aber auch viele Dinge, die ich jetzt noch lernen muss. Ich sehe dem mit Vorfreude, aber auch mit Respekt entgegen.

Wie wird man eigentlich Schulleiterin? Muss man sich da bewerben?

Weingandt: Ja, natürlich muss man das kultusministerielle Bewerbungsverfahren durchlaufen und damit seinen Hut in den Ring werfen. Und, es schadet auch nicht, wenn man sein Profil über Jahre aufbaut und bewusst gestaltet.

Hatten Sie Herrsching schon länger im Auge? Immerhin läuft das Bauprojekt ja schon einige Jahre.

Weingandt: Das erste Mal hörte ich vom Projekt Gymnasium Herrsching, als ich 2016 am Christoph-Probst-Gymnasium als Mitarbeiterin der Schulleitung im Büro saß. Wow, dachte ich, dort würde ich gerne all das einbringen, was ich über die Jahre gelernt habe. Natürlich habe ich die Entwicklung seitdem verfolgt.

Am 1. August 2024 übernehmen Sie offiziell die neue Tätigkeit. Bis zum Start des Schulbetriebes ist noch ein gutes Jahr hin. Wie können Sie sich in das laufende Projekt einbringen?

Weingandt: Für die Mitarbeit im Projekt bin ich von meiner aktuellen Tätigkeit als stellvertretende Schulleitung in Gröbenzell teilweise freigestellt. Gerade bin ich auf Kennenlerntour. Vergangene Woche war ich bei Landrat Stefan Frey, bei den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Landratsamt und auch bei Bürgermeister Christian Schiller.

Als nächstes steht ein Austausch mit dem Förderverein auf dem Programm. Eine gute Zusammenarbeit mit allen am Projekt Beteiligten ist mir wichtig. Von Seiten der Ministerialbeauftragten-Dienststelle Oberbayern West, vertreten durch Frau Grams-Loibl, werde ich dankenswerterweise sehr gut unterstützt.

Einbringen kann ich mich sehr vielfältig. Genau das ist der Reiz an meiner neuen Tätigkeit. Kernpunkt ist die Entwicklung des pädagogischen Konzeptes der Schule und deren organisatorische Umsetzung. Und natürlich suche ich gerne die digitale Ausstattung der Schule, Möbel und Farben selbst aus (lacht).

Das bauliche und pädagogische Konzept der neuen Schule mit offenen Lernhäusern ist ja hierzulande völliges Neuland. Wie finden Sie diesen Ansatz? 

Weingandt: Ein Großteil der Kinder unseres ersten Abiturjahrgangs wird später in Berufen arbeiten, die wir heute gar nicht kennen. Unsere Umwelt ändert sich wegen fortschreitender Digitalisierung rasant. Daher ist es notwendig, die Selbstlernkompetenz unserer Kinder zu stärken. Das Gymnasium Herrsching bietet den Kindern und Jugendlichen einen Lern- und Lebensraum, wo es möglich ist, auf Basis von gesteckten Zielen selbstorganisiert zu lernen und sich wohlzufühlen. Bei einer Lernkultur, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts Rechnung trägt, werden Instruktionsphasen durch unterschiedliche Lernarrangements und Methoden ergänzt.  Das zukunftsweisende Design unserer Schule bedingt und fördert eben diese Art des Arbeitens, worauf ich mich sehr freue.

Was wird dadurch anders sein?

Weingandt: Teamarbeit auf allen Ebenen bildet die Basis von Weiterentwicklung unseres Gymnasiums. Kollaboratives Arbeiten unter Nutzung digitaler Möglichkeiten hat in den Lerndesigns der Schülerinnen und Schüler einen festen Stellenwert. Genauso wichtig ist die Teamorganisation der Lehrkräfte bei der Ausarbeitung von innovativen  Lernarrangements und Leistungsmessungskonzepten. Ich wünsche mir, dass die neuen Lehrerinnen und Lehrer am Gymnasium Herrsching richtig Lust auf Teamarbeit, kreatives neues Denken und Ausprobieren mitbringen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist es zu ermöglichen, dass Beziehungen gestärkt werden. Sie sind eine elementare Bedingung von Wohlbefinden. Dies wiederum ist Grundlage von Leistung. Die Stärkung von Beziehungen ergibt sich einerseits aus den Möglichkeiten des Raumkonzepts, vorrangig aber durch eine Weiterentwicklung der Rolle der Lehrkräfte als Lernbegleiter. Die Bezeichnung der Schülerinnen und Schüler als „Lernpartner“ gefällt mir in diesem Zusammenhang übrigens sehr gut. Die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams, zum Beispiel mit dem Ganztagsteam und der Schulsozialarbeit, wird am Gymnasium Herrsching eine tragende Säule sein.

Die digitale Transformation ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe für uns alle. Daher betrachte ich es als selbstverständlich, dass in unserer Schule alle zur Verfügung stehenden digitalen Möglichkeiten genutzt werden. Sie müssen dort eingesetzt werden, wo sie einen Mehrwert ergeben, wie etwa beim individualisierten Lernen, zur Nutzung neuer Technologien (z. B. Kommunikationsmöglichkeiten, Lernplattformen und KI) sowie bei der Vereinfachung und Rationalisierung von Abläufen.

»Team Herrsching« hat ein erstes Gesicht

Das klingt nach einer erfahrenen Schulleiterin. Was bringen Sie dafür mit? 

In der Schulleitungsarbeit, als Externe Evaluatorin und Ganztagskoordinatorin bringe ich jeweils mehr als zehn Jahre Berufserfahrung mit. Weil mir oberflächliches Wissen nicht reicht, habe ich einen Masterstudiengang „Schulmanagement“ „draufgesetzt“, der mir einen Blick über den bayerischen Tellerrand ermöglichte.  Mein Herz schlägt schon immer für die Sportwissenschaft. Dort habe ich zum Thema Qualitätsmanagement im Schulsport/Fitnesstraining an der Universität Bayreuth promoviert und lange im universitären Bereich und in der Lehrerfortbildung gearbeitet.

Diese multiperspektivischen Ansätze werden ergänzt durch den vielleicht wichtigsten Blick: Ich bin Mutter von zwei Kindern und kenne das bayerische Schulsystem sehr gut aus Elternsicht. Durch diese beruflichen und privaten Einblicke hat sich in meiner Vorstellung ein klares Bild von „guter Schule“ ergeben.

Meine Energie ziehe ich aus meinem sozialen Umfeld, aber auch aus regelmäßigem, intensiven Sport im Fitness- und Outdoorbereich. Außerdem bin ich großer Fan eines gesundheitsorientierten Lebensstils in Theorie und Praxis. Diese Dinge federn viel Stress ab.

Die Schule wird nicht nur eine der modernsten in Bayern. Der Bau wird auch begleitet durch Forschungsthemen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Wie wichtig ist dieses Thema für Sie?

Weingandt: Am Gymnasium Gröbenzell verfolgen wir aktuell das Ziel, Klimaschule zu werden. Unser Umweltteam leistet hier hervorragende Arbeit. Einen derartigen Ansatz kann ich mir auch am Gymnasium Herrsching sehr gut vorstellen.

Sie sagen, das ist Ihre Traumstelle. Was macht diesen Job zum Traumjob?

Weingandt: Ich gestalte sehr gerne und halte mich für einen kreativen Menschen. Malen kann ich zwar nur so mittelmäßig, über den bekannten Horizont hinauszudenken und neue Lösungswege zu finden, das betrachte ich als meine Stärke. Was kann es da Interessanteres geben, als eine Schule im Aufbau? Über die schöne Umgebung in Herrsching brauche ich Ihnen jetzt wahrscheinlich auch nichts erzählen? 

Auf was freuen Sie sich ganz besonders?

Weingandt: Auf jeden Fall auf den Moment, wenn wir die Tore öffnen und endlich die ersten Schülerinnen und Schüler ihr neues Gymnasium betreten. Und wenn dann die ersten Abiturientinnen und Abiturienten über unsere Schule sagen, dass es ein Ort sei, an dem sie gerne gelebt und gelernt haben und an dem wertvolle Beziehungen entstanden sind, dann hat das „Team Herrsching“ alles richtig gemacht.

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