Die Sonne schickt keine Rechnung, die PV-Firma aber schon: 180 Module auf den Wohnblöcken kosten rund 134 000 Euro. Grafik: Gemeinde Herrsching

Wärme aus der Luft oder aus dem Erdreich?

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Gemeinderat diskutiert über die Heizungen für das Projekt Bezahlbares Wohnen/Erdwärme ist wohl die favorisierte Lösung/Bei Wasser-Wasser-Wärmepumpen gibt es eine Variante „für die nächsten 100 Jahre”///

Fast ein Seminar für Häuslebauer: Das Projekt Bezahlbares Wohnen an der Nikolauskirche (Mitterweg) bietet Bürgern und Bauinteressenten viel Knowhow. In der letzten Gemeinderatssitzung ging’s um 180 Photovoltaik-Module und die perfekte Heizung für die 3 gemeindeeigenen Wohnblöcke. Um Kosten, Arbeit und Ärger zu sparen, beschloss der Rat, die Dachflächen an einen PV-Investor zu vermieten. Die Wohnungsmieter bekommen den Strom mit 10 Prozent Rabatt geliefert. Bei der Wahl der Heizung gab’s Diskussionen. Das Planungsbüro muss nun noch einmal Fakten sammeln, ob Standard-Wärmepumpen, die den „Rohstoff” Wärme aus der Luft beziehen, oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die Wärme aus dem Erdreich holen, die richtige Wahl sind.

Als es um das Dachkraftwerk auf den 3 Blöcken ging, stellte der ehemalige Chef der Energiegenossenschaft, Gerd Mulert, die Weichen auf die Vertragspartner-Lösung (neudeutsch: Contracter). Wenn man die Dachflächen an einen Investor vermiete, erspare sich die Gemeinde hohe Anschaffungskosten (rund 134 000 Euro für 180 Module) und Verwaltungsaufwand. Außerdem sei bei der Vermietung der Flächen noch mehr Geld rauszuholen, als das Planungsbüro veranschlagt hatte. Diese Lösung gefiel dem Gemeinderat am besten, weil sie auch die Gesamtkosten für das Objekt reduziert. Das bietet – unausgesprochener Subtext – auch einen politischen Vorteil.

In dem Plan der Architekten Thomas Glogger und Hubert Blasi (3+-Büro) sind 3 Wohngebäude vorgesehen. Am unteren Bildrand liegt die Nikolauskirche, oben stehen die bereits existierenden Wohngebäude

Auf die 3 Blöcke, die 26 Wohnungen bieten, montiert der PV-Vertragspartner nun 180 PV-Module, die 74 Kilowatt Spitzenleistung bringen und voraussichtlich 3322 Euro Stromertrag erwirtschaften. Die Mieter in den Wohnungen erhalten, kleines Zuckerl, 10 Prozent Rabatt auf ihre Stromrechnung. Das könnte sich lohnen, denn die Bewohner müssen ihr Warmwasser selbst erzeugen, in den Wohnungen werden Durchlauferhitzer montiert. Diese Lösung erspart dem Bauherrn, also der Gemeinde, eine zentrale Warmwasseraufbereitung.

Warmwasser – die ideale Überleitung zur Heizung für die 3 Blöcke. Die eleganteste Lösung – dicke Röhren mit warmem Wasser aus der Geothermie oder aus einem Seewärme-Pumpwerk (wie es Tutzing anstrebt) – ist für Herrsching noch eine ferne Vision, man könnte sie auch Fata Morgana nennen. Der Bürgermeister bemerkte dazu, dass man auf die Geothermie schon 16 Jahre lang warte. Das Ingenieurbüro stellte 2 realistische Varianten vor – unterschlug allerdings eine technische Lösung, die den Fachleuten im Gemeinderat offensichtlich gut gefiel.

• Die Wärmepumpe, wie sie heute schon vor Hunderttausenden von Häusern läuft. Die Anlagen für die 3 Häuser würden 108 000 Euro kosten. Das würde im Jahr etwa 28 000 Euro an Zinsen und Tilgung verschlingen.

• Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe, die das Grundwasser anzapft und ihm die Wärme entzieht. Diese Variante würde 122 510 Euro kosten und eine jährliche Zins- und Tilgungsleistung von 33 342 Euro bedeuten. Wer Grundwasser anzapft und an die Oberfläche befördert, braucht übrigens eine Genehmigung der Fachbehörden.

Nicht berücksichtigt, vergessen oder als unrealistisch betrachtet wurde von dem Büro die

• Sole-Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Bei dieser kostspieligen Wärmegewinnung werden Rohre im Untergrund verlegt, in denen eine wärmespeichernde Flüssigkeit in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert. Das Grundwasser wird also nicht angezapft, sondern „tauscht” die Wärme mit dem flüssigen Transportmittel. Diese Lösung, wie sie wohl beim unmittelbaren Nachbarn, dem Wasserversorger AWA, verwirklicht wird, verschlingt allerdings Bohrkosten von mindestens 100 000 Euro, „läuft aber die nächsten 100 Jahre” störungsfrei – sofern sich das Grundwasser nicht irgendwann einmal einen anderen Weg sucht und die Rohre nicht mehr umfließt. Vor allem die Gemeinderäte Thomas Bader und Roland Lübeck gaben dem Ingenieursbüro zu verstehen, dass es sich noch einmal über das Projekt beugen müsse. Es sollten auch die Planungen und Erfahrungen der AWA berücksichtigt werden. Das Thema Heizung kommt also in den Ordner „Wiedervorlage”.

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