• Carmen Wegge, 34, muss Familie und Politik unter einen Hut bringen. Für ihre Tochter ist sie immer noch „Mama", nicht die Tante aus Berlin. Fotos: Gerd Kloos

„Mein Mann hat immer ein Mitspracherecht – und manchmal auch ein Vetorecht”

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Ihre Tochter ist 3 Jahre alt und sieht Mama 21 Wochen im Jahr nicht. Mama ist nämlich Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Starnberg-Landsberg und macht in Berlin Rechtspolitik, stimmt über die Cannabis-Legalisierung ab, denkt über ein neues Waffenrecht nach und setzt sich für Frauenrechte ein. herrsching.online hat die 34-jährige Juristin vor dem Rewe-Markt in der Gewerbestraße getroffen. Wer glaubt, die Politik habe ihr die gute Laune verdorben, der verschätzt sich gewaltig. Wegge ist glänzend gelaunt, verteilt Ostereier („Von den Genossen in Andechs eigenhändig bemalt”) – und lobt als Frauenrechtlerin 2 Männer: Ihren Mann („Hat immer ein Mitspracherecht”) und „Karl” Lauterbach, der lange liegengebliebene Reformen anpacke.

herrsching.online: Im letzten Bundestagswahlkampf war Ihre Tochter noch kein Jahr alt. Lassen sich die Rollen als Bundestagsabgeordnete und als fürsorgliche Mutter miteinander vereinbaren?

WEGGE: Das klappt ganz wunderbar. Ich hab ne tolle Tochter und einen tollen Mann. Und zusammen kriegen wir tatsächlich alles hin. Sie ist jetzt 3 Jahre alt, und ich hab ihr versprechen, dass ich ihr die Osterhasen, die von dieser Aktion hier übrig bleiben, mitbringe.

herrsching.online: Wenn Sie nach Hause kommen von einer langen Sitzungswoche in Berlin, werden Sie als Mama begrüßt oder als die Tante aus Berlin?

WEGGE: Sie weiß, wer ich bin. Wenn ich zu Hause bin und im Wahlkreis arbeite, bringe ich sie morgens in die Kita und hole sie auch wieder ab. Zur Regel habe ich mir auch gemacht, dass ich unter der Woche nicht mehr als 3 Abendtermine wahrnehme.

herrsching.online: Wie oft sind Sie denn zu Hause?

WEGGE: Wir haben 21 Sitzungswochen in Berlin. Am Montagfrüh fahr ich nach Berlin, am Freitagnachmittag komm ich zurück. Den Rest des Jahres bin ich hier im Wahlkreis unterwegs.

herrsching.online: Wie fühlt sich nun der Politikbetrieb in Berlin an – wurden Ihre Erwartungen über- oder untertroffen?

WEGGE: Übertroffen. Mir macht die Arbeit viel Spaß. Der Ruf unserer Regierung ist viel schlechter als die Arbeit der Regierung. Wir haben in Berlin schon richtig viel bewegt, und ich kann wirklich was verändern im Bundestag.

herrsching.online: Wie war Ihre Jungfernrede im Bundestag?

WEGGE: Die ist schon lange her. Ich war ziemlich aufgeregt, es ging um Gleichstellungspolitik. Die Rede hat gut funktioniert, seither halte ich eine Rede nach der anderen. Ich glaube, ich hab’s inzwischen auf 30 Reden gebracht.

herrsching.online: Schreiben Ihre Mitarbeiter die Texte, oder setzen Sie sich da selber dran?

WEGGE: Die besonders wichtigen Reden schreibe ich selber, bei den anderen dürfen die Mitarbeitenden gerne einen Entwurf schreiben, aber das letzte Wort habe ich.

herrsching.online: Wieviele Leute arbeiten Ihnen denn zu?

WEGGE: Insgesamt habe ich 7 Mitarbeitende, 3 in Berlin, 3 im Wahlkreis, dazu kommt noch eine Praktikantin.

herrsching.online: Wie gehen Sie mit den Kollegen von ganz rechts im Bundestag um?

WEGGE: Ich geh gar nicht mit denen um. Ich begrüße in den Reden immer nur die demokratischen Fraktionen, und eine Fraktion fühlt sich dann nicht angesprochen, ich weiß gar nicht, warum… Ich wähle AfD-Leute auch nicht in Ämter. Ich bin übrigens auch stellvertretende Sprecherin in des Arbeitskreises „Strategien gegen Rechtsextremismus”. Und da setze ich mich auch mit Artikel 21 Grundgesetz auseinander, nämlich einem Verbotsverfahren.

herrsching.online: In welchen Ausschüssen sitzen Sie?

WEGGE: Ich bin im Rechts- und im Innenausschuss, und da mache ich Gleichstellungspolitik, beschäftige mich mit dem Waffenrecht, Datenschutz und der Cannabis-Legalisierung.

herrsching.online: Am Ostermontag wird offiziell gekifft…

WEGGE: Zum 1. April tritt das Gesetz in Kraft, und es ist ein guter Tag, weil wir endlich eine gute Drogenpolitik machen.

herrsching.online: Wie erleben Sie Ihren Fraktionskollegen Karl Lauterbach?

WEGGE: Karl traut sich, die Reformen anzupacken, die wir brauchen. Im Gesundheitssystem ist in den letzten Jahren soviel liegengeblieben, da braucht es Mut, das jetzt anzupacken. Manchmal ruckelt’s ein bisschen, aber ich bin froh, dass wir Karl haben.

herrsching.online: Wie lange wird’s die Regierung noch geben?

WEGGE: Na, ich hoffe, über die nächste Legislaturperiode hinaus. Mit der Union möchte ich nicht zusammen regieren.

herrsching.online: Apropos regieren – hat Ihr Mann eigentlich ein Veto-Recht, wenn’s um Ihre Karriere geht?

WEGGE: Das Wichtigste für mich ist, auch wieder glücklich verheiratet aus dem Bundestag herauszukommen. Deshalb hat mein Mann immer ein Mitspracherecht, und manchmal auch ein Vetorecht.

2 Comments

  1. Eine wesentliche Frage fehlt: welchen dringenden Veränderungsbedarf sehen Sie in der Gemeindepolitik der Herrschinger SPD?

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