Den Heimgarten, vor kurzem noch eine toxische Problemzone, will der Breitbrunner Gartenbauverein zur ökologisch wertvollen Streuobstwiese machen.
Beste Stimmung, viele Ideen und noch mehr Initiativen: Von links Veronika Huberth, Petra Hautmann, Heidi Körner, Hilde Obermayer, Therese Schmautz, Andy Stiller und die Vorsitzende Nadine Mattern mit Sohn Leo, der sich künftig um die Website des Vereins kümmern will.

Gartenbauverein will Streuobstwiese anlegen

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Streuobstwiesen sind Lieblingsorte der Naturfreunde: Keine Dünung, seltenes Mähen, viele Nistplätze und ein reich gedeckter Tisch für Spitzmaus, Feldmaus, Igel, Hasen, Rehe und Vögel machen die Nutzbäume zu ökologischen Musterrevieren. Breitbrunn darf sich auf eine neue Streuobstwiese freuen, für die der Gartenbauverein die Patenschaft übernehmen will. Wie die Vorsitzende des Vereins, Nadine Mattern, bei der Jahreshauptversammlung mitteilte, will die Gemeinde den Heimgarten in Breitbrunn in eine Streuobstwiese verwandeln. Bürgermeister Schiller zeigte sich erfreut darüber, dass auf einer ehemaligen Müllkippe ein ökologisch wertvolles Stück Land entsteht.

Der Heimgarten in Breitbrunn, der zwischen Bucher Weg und Staatsstraße liegt, war nach dem Krieg weder heimelig noch ein Garten: Hier lagerte das Dorf alles ab, was nach Abfall aussah. Nach aufwendigen Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Gelände bis auf Methan-Absonderungen keine Giftgrube mehr ist – sogar das Obst der Bäume ist ohne Probleme genießbar.

Nadine Mattern versprach in ihrem Bericht, dass der Verein die Bäume für die neue Streuobstwiese spenden werde. Eine solche Wiese wäre auch für Schulklassen ein schöner Anschauungsunterricht für ökologische Landschaftsveränderungen.

Der Gartenbauverein zählt 147 Mitglieder, von solchen Zahlen träumen Parteien in der Seegemeinde. Besonders erfreulich, so Vorständin Hildegard Obermayer, sei, dass die Dreckspatzen inzwischen auf 18 Kinder angewachsen sind. Noch sei zwar Mehrzahl der Mitglieder über 50, aber allein im letzten Monat seien vier Erwachsende und 2 Kinder zum Verein dazugestoßen.

Den Kindern gilt die besondere Fürsorge des Breitbrunner Gartenbauvereins: Die „Dreckspatzen”, von der ehemaligen Vorsitzenden Heidi Körner besonders liebevoll betreut, sind ein wertvolles Projekt für naturnahe Erziehung. Mattern hat diese Aufgabe gerne übernommen und führt sie mit neuen Ideen fort. Ein schönes Beispiel war zum Beispiel das Kräuterseifen-Machen. Die Blumenkinder sammelten im Klostergarten des Dominikus-Ringeisen-Werkes in Breitbrunn Kräuter, bestimmten die Pflanzen und machten dann gemeinsam wunderschöne Seifenherzen daraus. Die Kinder bekamen mit dieser spielerischen Art des Lernens zudem einen Anreiz fürs Händewaschen zu Hause.

In einem 20-Tage-Versuch hatte die Kindergruppe des Gartenbauvereins 14 Schmetterlinge von der Raupe bis zum flugbereiten Distelfalter hochgegepäppelt. Nadine Mattern, 42, konnte bis zu 16 Kinder im Alter zwischen 3 und 12 Jahren für das Experiment begeistern. „Jeder frischgeschlüpfte Schmetterling hat sogar einen Namen bekommen”, strahlt sie im Interview mit herrsching.online.

Heidi Körner, nun Beisitzerin im Vorstand, referierte über die Initiative „Zertifizierter Naturgarten”, die möglichst viele Gartenbesitzer zu einer ökologischen Gestaltung ihrer grünen Scholle bewegen soll. In Breitbrunn gibt es mehrere Gärten mit der Auszeichnung der „Landesvereinigung Gartenbau”. Wer ein solches Schild am Gartenzaun hat, zeigt damit, dass hier

• auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet wurde;

• kein Torf verwendet wird;

• eine hohe ökologische Vielfalt herrscht: Verschiedene Lebensbereiche wie Trockenmauern, Stein- und Holzhaufen, Feuchtbiotope, Blumenwiesen, Hecken mit Säumen, Sonnen -und Schattenplätze, Fassaden- und Dachbegrünung sollen Vögeln, Schmetterlingen, Bienen, Igeln, Libellen oder Eidechsen Lebensräume bieten;

• der garteneigene Kompost zur Düngung verwendet wird.

Heidi Körner räumte in ihrem Vortrag mit einem alten Vorurteil auf, dass Naturgärten Grünbrachen seien: „Naturgärten dürfen gerne auch gepflegt aussehen.”

Wer seinen Garten mit einem Schild veredeln will, zahlt 80 Euro für die Prüfung durch gestrenge Fachfrauen, Mitglieder des Gartenbauvereins bekommen den ökologischen „Adelstitel” subventioniert.

Der Verein kann sich solche Ausgaben leisten, Richard Schmautz verlas für seine Frau den Kassenbericht, der sehr optimistisch ausfiel. Die Veranstaltungen für diesen Sommer werden also nicht am Gelde scheitern:

• Das Frühlingsfest im Klostergarten steigt am 17. Mai. Auf einer Pflanzentauschbörse kann man seine Zucchini gegen Radieschen eintauschen.

• Eine originelle Idee ist der Tag der offenen Gartentür am 29. Juni. Die Mitglieder laden neugierige Gartenfreunde ein, im fremden Garten Anregungen zu holen.

• Eine Ausflugsfahrt ins Kleinwalsertal findet am 10. August statt.

• Im Advent gibt’s Gehaltvolles in hübscher Weihnachtsdeko bei der Adventaktion des Gartenbauvereins.

Auch die Dreckspatzen werden in diesem Sommer noch schlauer: Sie gehen mit großen Augen durch den Jexhof, bestimmen Knospen, ziehen Setzlinge und ziehen Marienkäfer auf. Auch das Basteln mit Naturmaterialien steht auf dem Programm. Die Begeisterung der Dreckspatzen für die Natur sollte, so der Plan von Nadine Mattern, auch auf die Eltern überspringen.

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