Einen riesengroßen Blumenstrauß zu gleich zwei Geburtstagen gab's für den Gründer der Musiklehrervereinigung Herrsching, Karl Rellensmann. Er durfte sich beim großen Jubiläumskonzert der Musikschule zum Siebzigsten und zum Dreißigsten gratulieren lassen. 70 wurde Rellensmann, 30 sein „Baby", die Musikschule Herrsching.

Emil Pfau fliegt – und der Saal tobt

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Das Jubiläumskonzert der Musiklehrervereinigung war ein grandioser Erfolg/Gründer Karl Rellensmann wird mit einem eigenen Geburtstagslied geehrt//

Von Carl Os///

Wer in den vergangenen 30 Jahren eines dieser fulminanten Frühlingskonzerte der Musiklehrervereinigung Herrsching (»Emil Pfau») besucht hat, kennt es schon: Man kommt in den riesigen Saal des Hauses der Bayerischen Landwirtschaft und denkt: Ja was ist denn hier los? Auf der Bühne wimmelt es. Die 20 kleinen und großen Gitarristen in der Mitte sind ja nur ein Fünftel des gewaltigen Ensembles. Der Saal ein Hexenkessel, und man weiß noch nicht, was da gebraut wird: Blockflöten, Celli, Keyboards, Saxophone, Querflöten, Pauken alles wuselt querbeet.

Die  junge Songwriter-Crew Anja Rozsnyai, Clara Weil, Amelie Bach und Stella Wetzig

Bis dann der Dirigent, Florian Weinhart, sich mit einer knappen Begrüßung vor die Bühne stellt und mit seltsamen Finger- und Handübungen das Mammutensemble synchronisiert. Die zweite Dirigentin Martina Cabell erscheint, hebt die Hände und plötzlich ist es still, mucksmäuschenstill. Und man spürt sofort, dass jetzt etwas Besonderes passiert. Die Bläser beginnen mit einem einzigen tiefen Ton, der Dampfer verläßt den Steg, die Gänsehaut beginnt in der Armbeuge. Mit einem perfekt getimten Pizzicato, die Kleinsten vorne mit Xylophonen immer im Offbeat, setzt sich der gewaltige orchestrale Koloss in Bewegung, mit einem Thema, das jeder kennt, aber noch niemand so gehört hat – mit Hackbrett Libretto und gegenläufigen Klarinetten: Die Halle des Bergkönigs öffnet sich mit dem weltbekannten Thema aus der Peer-Gynt-Suite, das wir in diesem außergewöhnlichen Konzert noch so oft zu hören bekommen werden, in allen möglichen Schattierungen. Und plötzlich ist wieder Stille, und eine sonore Stimme liest die skurille Geschichte von Emil Pfau, der – nein, eben nicht „Minecraft” – sondern den »Bergkönig« auf seinem Handy spielt, und plötzlich wird alles echt, so verdammt echt, dass er plötzlich fliehen muss, nein fliegen lernen muss, um den Zwergen zu entkommen – mit einem blinden Zwerg-Passagier unter seinen Pfauenfittchen: Gnom Sieben.

Dann setzt der Chor ein mit einem Revival aus der grandiosen „Hair”-Aufführung eben an diesem Ort vor einem Monat, und das Orchester kommt dazu und, die Geschichte spinnt einen roten Faden, der das Unmögliche genial verbindet, den Bergkönig mit „Good morning a Starshine”, „Fly like a butterfly” mit einem gewollt chaotischen Tohubawohu von sieben (!) Nationalhymnen, aus denen sich dann wie ein erlösender zweiter Schmetterling „Imagine” von John Lennon entpuppt.

Und spätestens jetzt sieht man, wie in den ersten Zuschauerreihen Taschentücher zu den Augenwinkeln geführt werden. Es ist einfach ergreifend, wie fünf Teenies mit ihren zarten Frühlingsstimmen diese zentrale Botschaft des Konzertes preisgeben, wie sie begleitet von den Seifenblasen der verzauberten Kinder aus der Orientierungsstufe eine Stimmung erzeugen, die wohl niemanden im Saal ungerührt läßt. Musik überschreitet alle Grenzen. Musik ist bunt. Johanna Langmann dirigiert. Ein Schwarm entsteht. Er summt: „Imagine there’s no countries / It isn’t hard to do / Nothing to kill or die for /And no religion, too”.

Der Bergkönig schließt den Kreis, tritt zurück, dankt ab, verbeugt sich. Klar, dass der Saal tobt. Erst recht nach der Zugabe, nach dem heimlichen Sommerhit 2024. „Fly like a butterfly, I try to be in the sky”. („Songgewritet” von Anja Rozsnyai, Clara Weil, Amelie Bach, unter der Regie von Florian Weinhart). Die Emil Pfau (MLV) also wird dreißig.

Im Anschluss wird der Gründer und Autor der Geschichte (Karl Rellensmann) zu seiner sichtbaren Überraschung mit einem runden Geburtstagslied geehrt. Viel Glück und viel Segen, für ihn, für die Musikschule: ja vor allem für den grandiosen Teamgeist in dieser außergewöhnlichen Musiklehrervereinigung (allein 15 Lehrer im Ensemble). Herzlichen Glückwunsch zu diesem mehr als gelungenen Konzert.

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