So ähnlich könnten die 3 Toilettenkabinen am Herrschinger Bahnhof aussehen. Sie sollen in diesem Jahr noch in Betrieb gehen.

Erleichterung für 50 Cent

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„Ich gratuliere Ihnen zur erfolgreichen Konfiguration einer öffentlichen Toilette.” Hörte sich leicht ironisch an, was der Mann für Gemeinde-Liegenschaften, Schmidt, den Gemeinderäten im Bauausschuss zurief. War aber ernst gemeint: Noch in diesem Jahr gibt es am Herrschinger Bahnhof piekfeine, hygienisch auf Höchststandard arbeitende Toilettenkabinen. Gute Nachrichten für S-Bahnkunden, schlechte für alle Passanten, die kein Fuffzgerl oder keine Karte zur Hand haben. Die Benutzung der 200 000 Euro teuren High-Tech-Schüsseln kostet einen halben Euro. Hilfsweise kann man sich reinschmuggeln, wenn ein „erleichterter” WC-Gast die Kabine verlässt.

Das 75 Kubikmeter große Häuschen beinhaltet 2 normale Toiletten mit Urinal und ein Behinderten-WC. Die Glasfassade wird, so beschlossen es die Räte am Montagabend, in prächtigem „Herrsching-Blau” leuchten und Graffity-sicher werden: Die Schmierereien, die vermutlich nicht zu vermeiden sind, kann man mit dem Hochdruck-Reiniger wegkärchern. Damit die „Kunden” ungestört sind, verriegelt sich die Tür magnetisch auf Knopfdruck. Falls es jemandem so gut gefällt, dass er fürs Fuffzgerl länger bleiben will – keine Chance: Nach 15 Minuten geht der Alarm los, die Sitzung ist amtlich beendet. Hightech auch für Spülverweigerer: Wenn der Kunde seine Hinterlassenschaften nicht verschwinden lässt, wird bei der nächsten Türöffnung die Zwangsspülung aktiviert. Und wenn sich jemand im Innenraum kunstmäßig verewigen will, sorgt ein Anti-Graffity-Belag dafür, dass der Kärcher leichtes Spiel hat.

Erleichterungen kosten in allen Lebensbereichen Geld – so auch für „kleine und große Geschäfte”. 50 Cent wird das Beseitigen von Stoffwechsel-Ergebnissen kosten, die Hälfte der Sanifair-Nepp-Gebühren. Für eine Kabine gibt es einen Kartenleser, der Bargeld und Plastik akzeptiert. Das kostet die Gemeinde zwar jedes Mal 4 Prozent vom „Umsatz”, aber junge Leute, so Rainer Guggenberger, haben heute kein Bargeld mehr dabei. Und die sollten auch ihre Andechser Maß geordnet entsorgen dürfen. Auf Intervention der Mütter im Bauausschuss, Christiane Gruber und Anke Rasmussen, beschloss der Rat die Installation von Wickeltischen. Die halten 80 Kilo aus, sind also auch für Vierlinge geeignet.

Die 3 Kabinen stehen links neben den Fahrradständern, liegen also verkehrsgünstig und verlangen keine großen Bauauarbeiten, weil sie schlüsselfertig angeliefert werden: Eine Betonbodenplatte, Elektroanschluss, Wasser- und Abwasseranschluss – fertig ist Herrschings weitgehend geruchsfreies Edelstahl-Entsorgungs-Etablissement. Fein gemacht.

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