• Auch um ihre Zukunft ging es bei der Demonstration gegen Rechts in Seefeld: Zainab soll einmal mal die Chance haben, in Deutschland „President" zu werden. herrsching.online berichtet am Sonntag ausführlich über die Kundgebung. Foto: Gerd Kloos
  • „Nazis? Hatten wir schon. War Kacke". Die prägnanteste Botschaft der Demo in Seefeld.
  • „Aus Protest die AfD zu wählen, ist wie aus dem Klo trinken, weil gerade das Bier nicht schmeckt", sagt Bernd.
  • Reim und Botschaft perfekt: Ob Ost ob West, nieder mit der Nazipest.
  • Sie gaben den Takt an: Die Sambavaria-Trommeln aus Seefeld.
  • Die grüne Landtagskandidatin Andrea Schulte-Krauss bot Nachhilfeunterricht an.
  • Friedlich wie auf einer Friedensdemo: Die Veranstalter auf dem Weg zum Seefelder Marienplatz.
  • Heuchlerische Erste Welt: Der Künstler Thomas Barnstein hielt uns einen Spiegel vor.
  • Auch Rainer Bock, der in über 110 Film- und Fernsehproduktionen mitspielte, war bei der Demokratie-Demo dabei.

„Wir wollen eure Bodenschätze, eure Arbeit und eure Fußballer, eure Flüchtlinge aber nicht?”

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• 1000 Bürger aus dem Fünfseenland demonstrieren in Seefeld gegen Hass und Hetze

• Polizeibeamter über die Demo: „Alles war tipptopp”

„Don’t Nazi, be happy”: Besonders prägnante Plakate wurden prämiert

„Wer jetzt nicht aufsteht, der hat nichts verstanden”, zitierte der Schauspieler Johannes Steck den Freiburger Fußballtrainer Christian Streich. Aufgestanden sind mindestens 1000 Menschen aus dem Fünfseenland für eine mächtige Kundgebung in Seefeld gegen Hass und Hetze. Constanze Gentz vom Bund Naturschutz in Seefeld freute sich hörbar, als sie die Menschenmenge am Seefelder Schloss begrüßte. Als Unterstützer traten zum Beispiel der Bürgerverein Seefeld, der Deutsche Alpenverein, die Bürgerinitiative Eichenallee, der Fischereiverein Pilsen oder der Bund Naturschutz und fast alle demokratischen Parteien in Erscheinung. Sogar der örtliche Getränkemarkt stellte Schilder auf mit dem Motto: Nie wieder ist jetzt. Organisiert wurde die Kundgebung von Dr. Oswald Gasser, Constanze Gentz und Detlev Huß. Die Polizei war mit dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden. Ein Polizist wörtlich: „Alles war tipptopp.”

„Geschichte wiederholt sich nicht”, sagte Dr. Josef Hofmann vom Seefelder Kulturverein Räsonanz, „gleiches führt aber zu Gleichem. Und wir sehen Ähnlichkeiten zu schlimmen Zeiten. Wir sehen Hass auf politisch Andersdenkende…wir sehen, dass Arme gegen Ärmere in Stellung gebracht werden.” Johannes Steck, der die Kaltenberger Ritterspiele leitet, zitierte einen, der von Berufs wegen an starken Rechtsverteidigern interessiert sein müsste und trotzdem gegen Rechts austeilt: Freiburgs SC-Trainer Christian Streich: „Es ist 5 Minuten vor 12. Und es soll keiner rumjammern hinterher, wenn er von einer autoritären, rechtsnationalistischen Gruppierung regiert wird.”

Weil politische Wahrheiten meist nur pointiert auf ein Plakat passen, haben viele Teilnehmer aus dem Internet Hilfe geholt für ihre analogen Posts, oder sich selber angestrengt. Hier ein Best of: „Aus Protest die AfD zu wählen, ist wie aus dem Klo zu trinken, weil gerade das Bier ausgegangen ist.” Eine Dame sagte es noch drastischer: „Ob Ost ob West, nieder mit der Nazipest”. Und ein Teilnehmer zitierte Brecht: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber”. Sehr originell und selbstverständlich in Bio-Qualität verkündete die grüne Landtagskandidatin Andrea Schulter-Kraus: „Sogar Kartoffeln haben Migrationshintergrund.” Ildiko Gaal-Baier vom BN Seefeld fand einen ganz lokalen Bezug: „Die Eichenallee braucht Sonne und Demokratie, nicht die AfD”. Ein Teilnehmer hatte die Glücksformel gefunden: „Don’t Nazi be happy”. Eine junge Dame wußte: „RECHTS wird nur gestrickt”. Damit es jeder verstand, hat ein Teilnehmer einen braunen, dampfenden Haufen gezeichnet und dazu trocken kommentiert: „Nazis? Hatten wir schon. War Kacke”. Der Künstler Thomas Barnstein hat unseren heuchlerischen Umgang mit der Dritten Welt aufgelistet: „Wir wollen eure Bodenschätze, eure Arbeit und eure Fußballer, eure Flüchtlinge aber nicht?” Am Marienplatz in Seefeld wurden die populärsten Plakate besonders gewürdigt.

Bei der Demo gesehen wurden auch viele bekannte Gesichter aus Herrsching – so die Herrschinger Archivarin Dr. Friederike Hellerer, der Kulturvereins-Chef Heinz Hellerer, Grünen-Gemeinderat Gerd Mulert, viele Pro-Natur-Aktivistinnen und Aktivisten, den Seefelder Bürgermeister Klaus Kögel und bekannte Schauspieler.

Auch in Herrsching gab es einen zaghaften Ansatz zu einer Demo. Aber es fand sich dann niemand wie beispielsweise Constanze und Ortwin Gentz in Seefeld, der ein Megafon aufgetrieben hätte.

2 Comments

  1. Es machte Freude in der Gemeinschaft der “Mitlaeufer” für mehr Demokratie und gegen Rechtsradikalismus diszipliniert zu demonstrieren. Viele bunte Schilder mit sprachspielerischen Aufschriften machten die Veranstaltung bunt und fröhlich. Jung und Alt waren so politisch vereint. Vielen Dank an die vielen Gruppen der Unterstützer aus der Mitte unserer Gesellschaft.

  2. Leider konnte ich nicht kommen, da ich letzte Woche in Ruanda war. Man bekommt in diesem afrikanischen “Musterland” schnell einen Eindruck was es heißt von 1$ oder weniger am Tag zu leben. Und (fast noch schlimmer) zu sehen, was manche dafür schuften müssen.

    Aus meiner Sicht müssen wir in Deutschland aber noch viel mehr tun außer Solidarität zu bekunden und pauschal (nur) die AfD zu verteufeln.
    1. Fluchtursachen bekämpfen darf kein Lippenbekenntnis bleiben, die Länder brauchen nachhaltige Investitionen und weniger Waffen – China und die arabischen Länder machen es aktuell vor. Europa und Deutschland exportieren moralisierende Außenpolitik.
    2. Massiv in Bildung investieren – in Ruanda gibt es Apotheker, die nicht rechnen können. Wenn die ohne Ausbildung zu uns kommen, wird es schwer einen Job zu finden, um in der neuen Heimat eine Familie zu ernähren. Noch besser: Sie bekommen einen Microcredit und machen ein Geschäft in der Heimat auf. Noch sind viel zu viele im “informellen” Sektor tätig. Das ist in Ostafrika meistens die Landwirtschaft
    3. Schüleraustausch fördern – ich habe 45 Jahre gebraucht um mich nach Afrika zu “trauen” und ich war nur 1 Woche dort. Je früher Gleichaltrige miteinander in Kontakt treten, um so leichter wird es Toleranz für fremde Kulturen zu entwickeln, sich gegenseitig zu inspirieren und gezielt befreundete Familien zu fördern und über Jahre zu begleiten.
    4. Digitalisierung fördern – bei uns und in der dritten Welt. Es gibt in jedem Land viele Talent und Kreativität. Ein Fashion Designer oder ein Maler müssen aber heute nicht mir in London, München oder Paris zu Hause sein, um Schaffenswerk zu produzieren und zu vermarkten. Es braucht aber mehr als nur 5G Netzwerke und schicke Büros. Auch hier muss ausgebildet und gefördert werden.

    #ubumunto #amahoro #artforchange

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