Hier blüht nicht nur die Wiese, sondern sogar der Autofahrer auf: Blühstreifen am S-Bahn-Parkplatz.

Steht Herrsching bald in neuer Blüte?

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• Rasenflächen sollen in Blühwiesen verwandelt werden

• In der Bahnhofstraße sollen Baumscheiben vergrößert werden

• Konkurrenz von Bäumen und Autoparkplätzen?

• Sollen Baumscheiben zugunsten von Parkplätzen vergrößert werden?///

Auch wenn Herrsching schon grün ist, es geht noch grüner: Der Grünplaner Dietmar Narr hat im Gemeinderat seine Vision von Blühwiesen entworfen, die sogar vernetzt werden sollten. Statt englischem Rasen Paradiese für Insekten, statt mehrmaligem „Kurzhaarschnitt” eine zweischürige Rasenmahd.

Ein Lob als Einstand schafft vorauseilendes Wohlwollen: Landschaftsarchitekt Dietmar Narr vom Planungsbüro NRT bescheinigte den Herrschinger Grünflächen „ein gutes Niveau”, sieht aber trotzdem Verbesserungsbedarf.

Wichtig ist dem Landschaftsarchitekten, der auch an verschiedenen Hochschulen lehrt, die „Vernetzung” selbst kleinster Grünflächen. Die reinen Rasenflächen, mehrmals kurzgemäht wie ein Fußballfeld, werden mittelfristig in Herrsching wohl verschwinden – zumindesten auf öffentlichen Flächen. Sie machen Blühwiesen Platz. Dazu muss der Oberboden mit Bewuchs bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern entfernt werden. Dann kommen mineralisches Substrat und Kompost auf die Fläche. Schließlich pflanzen die Öko-Gärtner Initialstauden und säen eine spezielle Blumenmischung („Herrschinger Blühmischung”) aus. Die Ansaatfläche wird dann vorsichtig gerecht.

Ganz billig ist das Erblühen Herrschings nicht: Narr rechnet mit einem Quadratmeterpreis von 65 Euro. Wird die Wiesenfläche dagegen nur mit der Fräse bearbeitet, verschlingt der Quadratmeter nur 12 Euro. Übrigens sehr wichtig auch für private Blühwiesen-Planer: Das Mähgut darf man nicht liegen lassen, sonst wird der Boden zu fett. Grünplaner Narr, der auch in der Landeshauptstadt an Blühwiesenkonzepten arbeitet, berichtete stolz, dass München inzwischen auf „jährliche zweischürige Rasenmahd” umgestellt habe. Das freut nicht nur die Insekten, sondern auch die Steuerzahler.

Dann wurde es konkret: Narr zeigte Flächen auf, die künftig erblühen sollen:

• rund um das Rathaus soll ein Blühstreifen nahe des Feuerwehrhauses angelegt werden. Dazu schlägt er ein sogenanntes Insektenhotel vor.

• Auch am Bahnhof sollen Rasenflächen durch Blühwiesen ersetzt werden.

• Rieder Straße: Die großen Rasenflächen zwischen Akademischem Segelclub und Madelaine-Ruoff-Straße könnten als blühende Wiesen ein farbenfrohes „Foyer” der Gemeinde werden. Allerdings wünscht sich Narr nicht nur eine artenreiche Blumenvielfalt zwischen Rieder Straße und See, sondern auch „vertikale Strukturen”. Das ist eine fachliche Umschreibung für Bäume, die Blühwiesen einsäumen könnten. Narr deutete in seinem Vortrag an, dass es da noch Diskussionsbedarf mit der Gemeinde gibt. „Da sollte nachverhandelt werden.”

Solche Baumscheiben können mit den Bäumen wachsen. Wenn die Kronen größer werden, nimmt der Gärtner einfach einen Betonring raus. Foto: GDM.Nueva tree

Deutliche Kritik, wenngleich vorsichtig formuliert, übte Narr an den sogenannten Baumscheiben in der Bahnhofstraße. Die seien viel zu klein. Unter Gärtnern gilt folgende Faustformel: Ein Meter Kronendurchmesser des Baumes bedeutet, dass die Wurzeln 6 Meter Fläche bräuchten. Oder anders: ein Baumballen, der bei der Einpflanzung 60 Zentimeter Durchmesser hat, bräuchte eine Scheibe von 3,5 auf 3,5 Meter. Würde man aber die Baumscheiben in der Bahnhofstraße vergrößern, müssten einige Stellplätze in den Parkbuchten verschwinden – die Pflanzen als PS-Konkurrenten.

Dietmar Narr verlangt für die Bahnhofstraße, großspurig könnte man sagen: die Magistrale Herrschings, „mehr Vitalität”. Da müsse man den einen oder anderen Baum noch dazustellen. „Es gibt überall Möglichkeiten, Bäume nachzupflanzen.” In seiner Vision für Herrsching sieht er in den nächsten Jahren noch 50 oder gar 65 neue Bäume.

Ob er da nicht zu optimistisch denkt? Aus der CSU-Fraktion regte sich gleich Widerspruch, als Stellplätze zugunsten größerer Baumscheiben ins Gespräch kamen. Gemeinderat Roland Lübeck: „Wo sollen wir denn neue Parkplätze schaffen?” Die Geschäfte in Herrsching hätten es ohnehin nicht leicht. Auch der Bürgermeister teilt die Bedenken, zumal manche Stellplätze einzelnen Gebäuden zugeordnet seien.

BGH-Gemeinderätin Christiane Gruber wusste einen Ausweg: Man könne doch die Baumscheiben zur Straße hin erweitern. Das würde nicht nur den Pflanzen helfen, sondern auch den Verkehr beruhigen.

1 Comment

  1. Im Auftrag des Breitbrunner Gartenbauvereines habe ich aufmerksam dem Bericht des Gruenplaners Herrn Narr bei der Gemeinderatsversammlung gelauscht. Da unsere Vorstaendin Frau Mattern im jetzt aufgelösten AK Umwelt mitgearbeitet hat, werden wir unseren Mitgliedern in der Fruehjahrsveranstaltung berichten. Auch das Thema der Versiegelung von Flächen und Baumscheiben werden wir mit Merkblaettern des Landesverbandes ergänzend vorstellen.

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