Baut bald nur noch die Öffentliche Hand? Am künftigen Kinderhaus am Fendlbach investiert die Gemeinde rund 10 Millionen Euro. Dass die Baupreise trotz Konjunkturflaute deutlich fallen, glauben Experten nicht.

Haben die Herrschinger keinen Bock auf Bauen?

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Die Bauanträge von heute sind die Baustellen von morgen. Wenn das so ist, wird’s im nächsten Jahr still in Herrsching: In der letzten Bauausschuss-Sitzung saßen die Gemeinderäte nur über Bebauungsplänen, Bauanträge gab’s keine. In der vorletzten Sitzung zog ein Bauinteressent seinen Antrag 10 Minuten vor Beginn der Beratungen zurück. Auch in der Statistik des Bauamtes schlägt sich die Baumüdigkeit nieder: Schon im letzten Jahr gingen die Bauanträge um 27 Prozent, die Vorbescheidsanträge um 41 Prozent zurück. Auch deutschlandweit ist dieser Trend zu beobachten. Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ging um 25 Prozent zurück.

Der Bauinteressent wollte am Winkelweg in Breitbrunn 5 Einfamilienhäuser bauen. Allerdings standen dem Vorhaben 3 Bäume im Weg – 2 Stieleichen und eine Rotbuche. Die beiden Eichen sind als Naturdenkmal geschützt. Die in der Mitte stehende Buche wurde im vorletzten Jahr aus der Liste der Naturdenkmäler genommen, weil sie von einem Brandkrustenpilz befallen war.

Warum der Antrag zurückgezogen wurde, blieb in der Sitzung ungeklärt, zumal die Gemeinde signalisiert hatte, dass „sich die Gebäude in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen”. An den beiden Bäumen jedenfalls lag’s nicht: Die Terrassen sollten aufgeständert werden, damit das Wurzelwerk der Bäume nicht beschädigt wird. Außerdem boten die Antragsteller an, für die Bäume eine Grunddienstbarkeit zugunsten des Freistaates einzutragen. Mit diesem Eintrag im Grundbuch könnte der Baumbestand ohne Zustimmung des Freistaates nicht entfernt, zerstört oder verändert werden.

Der Bauunternehmer Richard Kaindl aus Breitbrunn sagt im Interview mit herrsching.online: „Wir merken schon, dass inzwischen weniger Anfragen reinkommen. Aber bis jetzt sind wir noch gut ausgelastet. Für dieses Jahr mach ich mir keine Sorgen.” Die Anfragen von privaten Bauinteressenten seien weniger geworden.

Deutschlandweit wurden im ersten Quartal 23 rund 68 000 Wohnungsbauten genehmigt. Das seien, so meldet der Spiegel, 25,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Unter den erteilten Genehmigungen brach die Zahl der Bauzusagen für Einfamilienhäuser im März überdurchschnittlich stark ein – und zwar um 31,1 Prozent auf 14.300, heißt es in der Meldung weiter. Bei den Zweifamilienhäusern gab es einen noch größeren Rückgang von 51,9 Prozent auf 4100. »Auch bei der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, den Mehrfamilienhäusern, verringerte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich«, schreiben die Statistiker. Hier gab es ein Minus von 25,2 Prozent auf 37.200.

Die Immobilienbranche sieht die kurzfristige Lösung im Engagement der öffentlichen Hand. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) trittt für ein Kreditprogramm vom Bund mit zwei Prozent Zinsen ein. „Wenn die Wohnungsbaurenditen bei zwei bis drei Prozent stehen, die Kreditzinsen aber bei vier Prozent, kann niemand bauen”«”, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner.

2 Comments

  1. Schade, dass das nicht für Neuwiddersberg zutrifft. In der kleinen Hangsiedlung, mitten im geschützten Wald, folgt eine bombastische Maximalbebauung der nächsten. Ohne Rücksicht auf die Gegebenheiten, die Anwohner und ohne Erbarmen für die alten Bäume.
    Nun hat die Gemeinde einen positiven Vorbescheid erlassen, in dem sie dem Bauantrag eines Unternehmers aus Breitbrunn für ein großes dreistöckiges Einfamilienhaus mit Doppelgaragen, Vorplatz und Terrasse zustimmt. Wieder eine Vollversiegelung am Hang. Wieder ohne Rücksicht auf die Anwohner und Nachbarn. Wieder fallende Bäume. Wieder Jahre langer LKW-Terror auf der Pilsenseestraße und vor allem in dem kleinen einspurigen Seemoosweg. Nur diesmal soll im geschützten Außenbereich gebaut werden.
    Das setzt allem die Krone auf, weil gegen das Gesetz. Die Begründungen sind nicht nachvollziehbar. Die Lage ist eindeutig.
    Wohin soll das führen? Zu einem voll bebauten und zubetonierten Hang über dem Pilsensee? Der Auflösung des Landschaftsschutzgebietes, einzig für die Gewinne der Spekulanten? Zum Hangrutsch, wie jüngst über dem Wolfgangsee in Österreich? Neuwiddersberg-hat-genug.de

  2. Ich denke, dass in Herrsching kein Platz mehr zum Bauen ist und den Bürgern das jetzt bewußt wird. Auch ist der Baugrund auch für die Hochverdiener schon an der Oberkante. Es ist doch gut, wenn jetzt entweder anders gebaut wird, also platzsparend, oder eben in anderen Regionen in den Nachbarlandkreisen mit Brachland.

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