Kreis- und Bezirksrätin Martina Neubauer (Starnberg) hat Verständnis für die Klimaaktivisten, verteidigt aber den Braunkohle-Kompromiss. Fotos: Gerd Kloos

„Die Bilder bedrücken mich”

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„Wir sind alle unglaublich wütend und enttäuscht über diese Entscheidung und vor allem, was viel, viel schlimmer ist, ist sich hinzustellen und zu sagen: Hallo, das war ein guter Deal”, sagte Carla Reemtsma in einem aktuellen Spiegel-Streitgespräch mit Jürgen Trittin. Wie gehen die Grünen in Herrsching und im Kreis Starnberg mit dem Thema Lützerath und Kohleabbau um?

Die ehemalige Bundestagskandidatin und Kreis- und Bezirksrätin für die Grünen,

Martina Neubauer

hat herrsching.online dazu gesagt:

„Die Proteste haben mein Verständnis”

“Die Bilder aus Lützerath bedrücken mich. Ich verstehe die vielen Menschen, die mit der letztinstandlichen Gerichtsentscheidung zum Kohleabbau im Rheinischen Revier nicht einverstanden sind. Gerade wir Grüne haben immer gegen die Verfeuerung von Braunkohle gekämpft. Ich will betonen: Demokratie lebt von der Diskussion, vom konstruktiven Dialog. Daher sind die Proteste legitim und haben mein Verständnis. 

Ich will darauf hinweisen, dass die Bundesregierung mit Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck und die Regierung von NRW mit Wirtschaftsministerin Mona Neubaur es geschafft haben, dass der Kohleausstieg statt 2038 bereits 2030 erfolgt, fünf bewohnte Dörfer und drei Höfe gerettet werden konnten und dass 280 Mio. Tonnen Braunkohle im Boden gesichert bleiben. 

Wir wären schon viel weiter, wenn die Vorgängerregierungen nicht so schwerwiegende energiepolitische Fehler gemacht hätten. Unsere Abhängigkeit von Staaten wie Russland rächt sich nun doppelt. 

Mit uns Grünen gibt es nun aber die richtigen Weichenstellungen für den endgültigen Ausstieg aus den fossilen Energien.”

Dr. Regine Böckelmann, Herrsching

„Fatal, wenn die Grünen die Zustimmung der Jugend verlieren würden”

„Grün“ ist bei vielen ein anderes Wort geworden für pflichtvergessenes Kompromisslertum in Regierungsämtern“, heißt es in einem Kommentar in der SZ vom Montag. Und weiter: „Der klimabewegte Nachwuchs ….. droht der Ökopartei die Gefolgschaft zu kündigen. Den grünen Obleuten in Berlin sollte das zu denken geben.“ Verlieren die Grünen die Zustimmung der Jugend? Das wäre fatal. 
Ich finde es richtig, dass die Aktivisten an ihren Zielen festhalten. Auf diese Weise ist seinerzeit auch die Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte atomare Brennstäbe in Wackersdorf verhindert worden. 
Der Druck, der mit diesen Demonstrationen auf die Regierung ausgeübt wird, lässt hoffen, dass trotz der Energiekrise die Bekämpfung des Klimawandels wieder mehr in den Vordergrund rückt.”

Der Vorsitzende Herrschinger Ortsgrünen,

Willi Meyerhöfer

Der Herrschinger Ortschef der Grünen, Willi Meyerhöfer, glaubt, dass die Klimaaktivisten Sympathien verspielen

sagte herrsching.online:

„Die Klimaaktivisten verlieren Sympathien”

„Ich bin der Meinung, dass man mit Demos wie in Lützerath und mit den Klebe-Aktionen dem Klimaschutz keinen guten Dienst erweist. Wir sind wirklich in einer extremen Zwangslage, weil wir jetzt auch noch mal auf die Braunkohle zurückgreifen müssen. Wird es die Grünen deshalb zerreißen? Wir mussten mit dem Krieg in der Ukraine Positionen räumen, die wir Jahrzehntelang verteidigt haben. Und wir müssen jetzt plötzlich Gas akzeptieren, das aus dem schmutzigen Fracking gewonnen wird. Aber was wäre die Alternative? Alle haben Angst vor dem Blackout, der uns drohen könnte, wenn wir keine alternative Energie besorgen. Zugegeben, Braunkohle ist das letzte Dreckszeug, das ist grauenhaft. Aber die Klimaaktivisten laufen hinter Utopien her, und sie verlieren Sympathien beim normalen Bürger.

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