Gleich zweimal verstieß dieser Autofahrer gegen die StVO: Er hielt in der Halteverbotszone an und stand auch noch teilweise auf dem Gehweg. Sollte man solche Autofahrer anzeigen?

Sollen Bürger Verkehrserzieher spielen?

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Herrschinger Autofahrer sind in der Regel seltene Kunden bei der Polizei. Oft halten sie einen Sicherheitsabstand zum erlaubten Tempo 50 ein, sie parken eher selten auf Gehwegen, und Radfahrer werden meist behandelt, als würden sie auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen. Seit in der Rieder Straße Fahrradschutzstreifen als Pedal-Biotope ausgewiesen wurden, sind auch die Laternen-Parker nahezu vollständig verschwunden. Private „Verkehrserzieher”, die mit Anzeigen die Polizei nerven, finden in der Seegemeinde wenig „Futter”.

Deshalb könnte sich hier kaum ereignen, was die Gemüter in München erhitzt hatte. Im Stadtteil Neuhausen war ein Familienvater von den Gehwehparkern so genervt, dass er Handyfotos an die Polizei schickte. Die aber, so berichtete die SZ, verschickte keine Bußgeldbescheide an die Falschparker, sondern zeigte ihn beim Landesamt für Datenschutzaufsicht wegen „Verstoßes gegen das Persönlichkeitsrecht” an. Die Datenschützer sagten Danke und belegten den genervten Anzeiger mit einem Bußgeld über 100 Euro. Inzwischen hat das Verwaltungsgericht Ansbach den Bußgeldbescheid aber als rechtswidrig kassiert.

Wie nun denkt die Herrschinger Polizei über „Bürger als Vekehrserzieher”? herrsching.online hat den stellvertretenden Leiter der Herrschinger Inspektion, Polizeihauptkommissar Christian Schäffler, dazu befragt:

herrsching.online: Wie denken Sie über Bürger, die Autofahrer anzeigen, weil sie falsch parken?

Schäffler: Zweischneidig. Jemand, der uns einen Falschparker nach dem anderen mitteilt von unterschiedlichen Örtlichkeiten, der offensichtlich den Verkehrserzieher spielen möchte, den sehen wir durchaus kritisch…

herrsching.online: … weil er ein Querulant ist oder Arbeit macht?

Schäffler: Weil er ein Querulant ist. Da fällt übrigens nicht viel Arbeit für die Polizei an. Wenn jemand einen anderen Autofahrer anzeigt und uns ein Foto schickt, benennen wir ihn als Zeugen, wenn der angezeigte Fahrer Einspruch einlegt und die Sache vor Gericht geht.

herrsching.online: In dem Fall, der vor dem Verwaltungsgericht landete, war der Anzeigende durchaus persönlich betroffen. Er hatte sich geärgert, dass sein Töchterchen auf dem Schulweg immer wieder mit dem Fahrrad auf die Straße ausweichen musste, weil die Rad- oder Gehwege zugeparkt waren. Sehen Sie diesen Fall anders?

Schäffler: In diesem Fall kann der Anzeiger durchaus die Verkehrssicherheit verbessern, weil die Polizei nicht überall sein kann. Wenn dort Gefährdungssituationen aufgetreten sind, verstehe ich die anzeigenden Bürger.

12 Comments

  1. Die Reaktionen der genannten polizeilichen Dienststellen auf Fotoanzeigen von Bürgern sind schon sehr interessant. Eigentlich gerät man da ja schnell in die Täterecke und wird so zum Querulanten. Fazit: lieber wegschauen, nicht fotografieren und hoffen, dass die Autofahrer endlich von den offiziellen Verkehrserziehern bzw. der Polizei, aufgeklärt werden. Falschparker sind auf Gehwegen und Fahrradwegen immer sehr ärgerlich und provozieren bei den Radfahrern gefährliche Ausweichaktionen, die auch zum Sturz führen können und dann muss der zuschauende, unbeteiligte Bürger doch noch den Zeugen machen.

    • Wer eine gute Erziehung genossen hat, hat gelehrnt nicht zu Petzen!
      Wie währe es , dem Falschparker eine “Freundliche Nachricht “an sein KFZ zu hängen.
      Damit hab ich sehr gute Erfolge.
      Ch.Schwarz

      • Hallo Herr Schwarz, was schreiben Sie denn so in Ihrer freundlichen Nachricht, damit das Erfolgsrezept nachgeahmt werden kann? Und woher wissen Sie, dass Ihre Nachricht ein Erfolg war? Schreiben Sie da Ihren Namen und die Telefonnummer darunter? Heidi Körner

  2. Hallo Fr.Koerner
    Ich habe sehr nette Beispiele im Internet gefunden.Zum Teil auch Lustige. Persönliche Ansprache war auch oft.Ehrlich gesagt muss ich auch ab und zu falsch Parken. Habe einen Getränkelieferdienst. Miteinander reden hat immer für Verständniss gesorgt.

    • Hallo Fr.Koerner Habe sehr nette Vorlagen im Internet gefunden.Persönliche Ansprache war aber das beste. Ich muss auch ab und zu falsch Parken. Lieferdienst Getränke. Miteinander Reden war zu 99% erfolgreich.

  3. Ja, das verstehe ich, dass sie als Berufsfahrer im Auslieferungsdienst oft mal falsch parken mussten, oder eher mal schnell halten. Fakt ist, dass der Staat Falschparker mit Gefährdung aber nicht toleriert und der Polizist vor Ort, da auch nicht mit sich reden lassen wird. Der Autofahrer kann bis zu 70 Euro zahlen müssen und bekommt vielleicht auch einen Punkt. So gesehen erzieht uns die Polizei nicht, sondern sie bestraft die Ordnungswidrigkeit per Strafe, festgelegt vom Gesetzgeber. Herr Hauptkommisar Schaeffer handelt im Auftrag des Staates, er erzieht nicht, wenn er eine Anzeige macht. Auch ein anzeigender Bürger will nicht erziehen, er will nur der Polizei zuarbeiten, was so mancher als “Petzen😕” deutet. Da ich seit den letzten zwei Jahren auch in München mit dem Rad fahre, kann ich die Anzeige verstehen. Bei uns am Ammersee ist es schon angenehmer zu radeln und in Breitbrunn nur im Ortsinnern etwas problematisch.

  4. „In der Seegemeinde wenig ‚Futter‘?“ Im Umfeld der Einmündung Zum Ladungssteg in die Seestraße quietschen nicht nur täglich die Reifen, wie herrsching.online unlängst berichtet hat, sondern wird auch beherzt im absoluten Halteverbot – und auch teilweise auf dem Gehsteig geparkt. Man könnte ja sonst 50 Meter mehr laufen müssen, wenn man bei Nefis, Kasprowicz & Co. nur „kurz“ etwas besorgen möchte. Auch Bierfahrer, die zur Belieferung im absoluten Halteverbot parken und dann dort noch direkt ihre Pause anschließen, weil sie sonst „eine Lenkzeitüberschreitung hätten“, kann man beobachten. Erstaunlich, dass in Herrsching offensichtlich gilt: absolut ist relativ!

    • Ich finde, dass die steigende Zahl von Radfahrern im Straßenverkehr vielfache Veränderungen im Miteinander der Verkehrsteilnehmer in den nächsten Jahren bringen wird. Je klarer die Trennung der Wegebereiche und Regeln des Fahrens und Parken, desto weniger Missverständnisse und Unfälle im Verkehr! Hoffentlich denken die Planer in den Kommunen bei ihrer Umgestaltung daran, dass der Fußgänger einen Fußweg, der Radfahrer einen Radweg und das Auto eine Fahrspur braucht. Die Wegebenutzung zu vermischen ist immer riskant und unpraktisch in der Realität. Das haltende oder stehende Auto scheint mir dabei am meisten zu stören und den Verkehr zu blockieren. Aber vielleicht macht man in Herrsching ja erst den Anfang und wir müssen noch ein bißchen warten, bis das Gesamtkonzept dann jeder von uns Laien erfasst hat. Die Ortspolizei Herrsching wird sicher meistens rechtzeitig vor Ort sein, wenn es dann doch kracht und hoffentlich kein Personenschaden entstanden ist.

  5. Die Einstellung der Polizei zu sogenannten “Querulanten” ist leider sehr bedauerlich, zumal hier der Schwächere Verkehrsteilnehmer (Fussgänger und Radfahrer) nur diese eine Möglichkeit hat, sich zu wehren. Ein Freund und Helfer sollte anders reagieren.

  6. Mir persönlich wäre es sehr viel lieber, wenn man davon absieht Mitbürger bei Behörden anzuzeigen. Das persönliche Gespräch oder in dem Fall, wenn ein Fahrzeug wirklich störend parkt, könnte eine freundliche Nachricht vielleicht mehr bewirken.
    Ein gutes Miteinander in unserer Gemeinde wird mit einer Anzeige eher nicht erreicht.

    • Liebe Frohmut, ich erinnere mich, dass wir in Breitbrunn im Juli in den letzten Jahrzehnten immer viele Falschparker an der Badewiese am Dampfersteg hatten. Diese ganze Reihe von Badegästen störte nicht nur, sondern diese Zeitgenossen wollten auch nicht freundlich angesprochen werden, wenn ich mit meinem Surfbrett zu Fuß vorbei gehen wollte. Nun, seit wenigen Jahren rufen jetzt manmal auch andere Breitbrunner bei der Polizei an und bitten um eine kurze Kontrolle. Das hat bewirkt, dass jetzt seit 3 Jahren keiner mehr im Halteverbot steht. Ich denke, wir können das Miteinander sich und sich an Regeln halten, nur gemeinsam mit der Polizei schaffen. Wer Regeln ueber tritt ärgert sich aus menschlichen Gründen gerne ueber Zeitgenossen die ihn auf ein Fehlverhalten hinweisen. Da müsste man sich schon persönlich kennen und respektieren, wenn das gelingen könnte. Heidi

    • Als Exekutive obliegt es Polizei und Gemeinde (Verkehrsüberwachung), das Recht der Bürger zu wahren und die Schwächeren zu schützen. Täglich Dutzende solch -sinnloser- Gespräche zu führen ist als Betroffener weder möglich, noch zielführend. Standardantwort in den meisten Fällen: “Was geht Dich das an?” Schuldgefühle, oder Einsichtigkeit: Fehlanzeige.

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