Auf einen Kaffee mit Alex Keim, FDP

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herrsching.online: Macht Ihnen Kommunalpolitik zur Zeit noch Spaß?

Gemeinderat Alex Keim hat’s nicht leicht im Gemeinderat. Der Mann liebt klare, mitunter auch scharfe Worte. Er sitzt – sozusagen zwischen allen Stühlen – neben der CSU- und der BGH-Fraktion. Foto: Gerd Kloos

Keim: Ja, auch wenn es manchmal mühsam ist. Mühsam ist es, weil es von außen oft nicht so wahrgenommen wird, wie es wirklich passiert. Aber seit die Corona-Maßnahmen aufgehoben wurden, erscheinen immer mehr Bürger im Sitzungssaal. Die Räte merken so, für wen sie arbeiten. Man bekommt auch wieder mehr Feedback, und wenn das auch noch positiv ausfällt, ist man wieder deutlich motivierter und gewinnt wieder den Spaß an der Politik zurück.

herrsching.online: Fühlen Sie sich als Einzelkämpfer im Gemeinderat?

Keim: Ja, schon wegen unserer Fraktionsgröße sind wir immer zuerst einmal in der Minderheit und müssen um Anerkennung und Zustimmung kämpfen.

herrsching.online: Was vermissen Sie an der Herrschinger Kommunalpolitik?

Keim:  Vielfalt, Offenheit, Innovationsfreude und manchmal auch Ehrlichkeit und Transparenz.

herrsching.online: Ist es Beharrlichkeit oder auch pure Ideologie, wenn Neuerungen abgeblockt werden?

Keim: Viele Besitzverhältnisse tragen zu einer gewissen Beharrlichkeit bei. Diese Verhältnisse stehen dann Neuerungen im Wege. Und manchmal fehlt auch der Verwaltung der Mut, sich Einzelinteressen in den Weg zu stellen. Oder man sperrt sich gegen neue Impulse, weil man in der Vergangenheit bereits schon einmal den Weg des geringeren Widerstandes gegangen ist. Ideologie hat Gott sein Dank noch nicht so großen Einfluss im Vergleich zur politischen Weltbühne.

herrsching.online: Wie fühlt man sich, wenn in Gemeinderatsdebatten alle über einen herfallen?

Keim: Ich fühle mich eigentlich sogar bestätigt in meinem Tun, weil ich das Gefühl habe, dass ich manche Menschen aus dem Tiefschlaf wecke und zum Nachdenken anrege. Und starke Emotionen sind oft der Beweis, dass man etwas „auf der Spur“ ist.

herrsching.online: Es gibt Leuchtturmgemeinden, die Vorbilder sind in der Energiewende, in neuen Verkehrskonzepten, in der Begrünung des öffentlichen Raums. Würden Sie lieber in so einer Gemeinde leben?

Keim: Ich wäre gerne in einer solchen Gemeinde zu Gast, um mich inspirieren zu lassen wie zum Beispiel in Fuchstal. Aber dann gäbe es ja nichts mehr zu tun für uns. Ich bin in Herrsching aktiv geworden, weil ich gemerkt habe, dass der Nach- und Aufholbedarf mit am größten ist im Landkreis und in Bayern. Gleichzeitig ist Herrsching einer der schönsten Fleckchen Erde, dem ich nicht so schnell den Rücken kehren werde.

herrsching.online: Was machen Sie nach einer Sitzung, die mal wieder nicht so toll lief, um Frust und Ärger abzubauen?

Keim: Die Sitzungen dauern oft bis 23 Uhr, und die Post schenkt um 22 Uhr das letzte Bier aus, da bleiben wenig Möglichkeiten. Aber vor der Sitzung und nach der Sitzung ist immer Zeit für eine Halbe. 

4 Comments

  1. Man kann Herrn Keim für sein Engagement nur danken. Es sollte Ansporn für so manchen anderen Gemeinderat sein, alles zu tun, damit die eklatanten Versäumnisse der Rathausleitung aus den vergangenen Jahren und der Gegenwart nachgeholt werden.

  2. Herr Keim ist sicher sehr bemüht, sein Mandat im GR ernst zu nehmen. Das finde toll. Was ich vermisse ist u.a. sein Interesse, wie es u.a. mit der Umsetzung des Herrschinger Verkehrskonzept steht. (Planungskonzept hat mal 350.000 € gekostet.) Es gäbe noch weitere interessante Themen. Gerhard Knülle, Herrsching

    • Wenn Sie mitbekommen würden, wie sich die Rathausleitung Herrn Keim gegenüber auch öffentlich verhält und wie schwer es Herr Keim den “Oberen” gegenüber immer wieder hat , hätten Sie sicher Verständnis dafür, dass Themen auch mal liegen bleiben.

    • Lieber Herr Knülle

      auch in unserer Minifraktion gibt es eine klare Arbeitsteilung. Herr Puntsch gehört dem Arbeitskreis Verkehr an. Wenn Sie konkrete Wünsche und Anregungen haben, können Sie sich gerne an ihn wenden.

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