Worst-Case-Szenario bei einem längeren Stromausfall in Herrsching: Die Nikolaushalle (Foto) könnte als Notunterkunft dienen. Beheizt würde die Halle dann durch eine mobile Heizanlage. Die Gemeinde prüft zur Zeit, ob sie eine solche Anlage anschaffen soll

40 000 Euro gegen einen Blackout

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Müssen Herrschinger einen Energie-Blackout fürchten, passt ein Christkindlmarkt in die Zeit, würden die Bürger in schweren Zeiten auf eine Weihnachtsbeleuchtung verzichten? Bürgermeister Christian Schiller malte am Schluss der Gemeinderatssitzung gestern Abend schwarz: Sollen wir uns in Herrsching auf einen Blackout vorbereiten? Immer mehr besorgte Bürger fragten im Rathaus nach, wie sich die Gemeinde auf einen möglichen Stromausfall einstelle. Als Fachmann für Katastrophen hatte er den Feuerwehrkommandanten Daniel Pleyer eingeladen.

Pleyer berichtete ganz unaufgeregt, was eine Gemeinde als Katastrophen-Maßnahmen planen könne. Von der AWA Ammersee, die für unser Trinkwasser und das Abwasser zuständig ist, gibt es vorsichtige Entwarnung: Der Verband könne dank mächtiger Notstromaggregate 3 Tage lang die Wasserversorgung sicher stellen. Diese Stromerzeuger für den Blackout benötigten allerdings 10 000 Liter Sprit – pro Tag. Diese Angabe allerdings beinhaltet den gesamten Dieselverbrauch, nach AWA-Angaben brauchen die Pumpen nur 7 000 Liter pro Tag.

Wenn Bürger durch einen flächendeckenden Stromausfall ihr Haus nicht mehr bewohnen können, würde sich die Nikolaushalle als Notquartier anbieten. Die Gemeinde habe 10 000 Liter Diesel für den Notfall gebunkert. Allerdings, das machte Pleyer unmissverständlich klar, könne die Feuerwehr Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen nicht am Laufen halten. Diese Einrichtungen müssten schon selbst für den Notfall vorsorgen. Auf jeden Fall müssen die Feuerwehren in Herrsching und Breitbrunn so ausgestattet sein, dass sie bei einem Stromausfall handlungsfähig sind. Die Feuerwehr in Herrsching verfügt über 2 mächtige Stromaggregate auf Anhängern. Diese Stromerzeuger mit 60 KVA (Kilovolt-Ampere) leisten bis zu 60 000 Watt und stehen sowohl den Wehren in Herrsching als auch in Breitbrunn zur Verfügung.

Für eine Umwidmung der Nikolaushalle in eine Notunterkunft müsste eine gewaltige Anlage Strom und Wärme einspeisen. Ein Fachplaner wurde bereits konsultiert, um die Voraussetzungen für eine „Energie-Infusion” zu schaffen.

Bürgermeister Schiller informierte den Gemeinderat, dass man für die Notfall-Investitionen in Notheizungen und Notstromaggregate 40 000 Euro bereitstellen wolle. Die Verwaltung werde im Haushalt „Umschichtungen” vornehmen. Der Gemeinderat nahm das wohlwollend zur Kenntnis. „Wir stehen nicht blank da”, versicherte das Gemeindeoberhaupt.

Ob es einen Christkindlmarkt und eine Weihnachtsbeleuchtung in diesem Jahr geben werde, werde der Bauausschuss diskutieren. Die Gemeinde habe jedenfalls schon auf Stromsparen umgeschaltet, den Brunnen abgestellt, die Beleuchtung am Kurparkschlösschen abgestellt und Heizungen heruntergedreht.

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