Stehpaddeln und Surfen standen in der Projektwoche der CM-Schule auf dem Stundenplan

Golfen, Surfen, Baggern: Privater Verein macht Projektwoche an der Schule möglich

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Man muss keinen Porsche-Papa haben, um mal einen Golfschläger zu schwingen, und keine Millionärsmama, um Wassersport zu betreiben – man muss einfach nur Schülerin oder Schüler der Christian-Morgenstern-Schule in Herrsching sein. Der Förderverein der Schule hat eine bislang einmalige Projektwoche organisiert und auch voll durchfinanziert, die Schülerinnen und Schülern viele Einblicke in faszinierende Welten erlaubte. Die Vorsitzende des Fördervereins, Catharina Geiselhart, besorgte mit Crowd Funding über 2000 Euro, um die Kursleiter und Trainer zu bezahlen. Ziel der Projektwoche, so Geiselhart, war es, den Kinder wieder die Freude an der Bewegung zu geben. Jetzt hat sie nur noch einen Wunsch an Gemeinde und Schulleitung: Sie möchte einen Trinkbrunnen bauen lassen. „Das Geld dafür haben wir.”

Die Vorsitzende des Fördervereins, Catharina Geiselhart machte mit ihrem Planungsteam und 10 engagierten Lehrern die Projektwoche möglich

herrsching.online:  Golfen, SUP-Paddeln, Selbstverteidigung, Beachvolleyball – hört sich nach Luxusunterricht einer Walldorfschule an. Was steckt als pädagogische Idee dahinter?

Geiselhart: Weder Luxus noch Walldorf: Die Auswahl der über 40 Workshops und Sportangebote für 650 Schulerinnen und Schüler haben sich nach den Gegebenheiten in unserer Herrschinger Umgebung und unseren privaten Kontakten gerichtet. Der See bietet sich zum Sporteln an. Die Golfschnupperkurse kamen tatsächlich über private Möglichkeiten ins Spiel. Volleyballer in Bundesligaqualität und ein Beachvolleyball-Feld haben wir in Herrsching. Vereine und private Könner, wie zum Beispiel der bayerische Speedsurfer-Kini Andy Laufer, die Tanzschule Gilching, die Surf- und SUP Station Wikiwakiwu waren gerne bereit, sich einzubringen.

Als pädagogisch wertvoll hat sich in dieser Sommersportwoche das Gesamtpacket erwiesen. Vor allem aber ging es dem Planungsteam, das aus dem Vorstand des Fördervereins, der Jugendsozialarbeiterin Monique Nieuwenhuis und einer Arbeitsgruppe von 10 engagierten Lehrkräften bestand, darum, den Kindern Freude an der Bewegung, am körperlichen Ausprobieren zu vermitteln, Ängste zu nehmen. Und es ging um das Erfahren von Erfolgserlebnissen im Kleinen: Ich kann auf dem SUP stehen! Ich habe den Ball getroffen! Ich habe genug Selbstbewusstsein, um mich in der Gruppe zu finden! Und ganz wichtig neben der Stärkung des Ichs, das gemeinsame Wir: Die gesamte Schule hatte Projektwoche, und alle haben zum Abschluss diese einzigartige, unvergessliche Woche gemeinsam auf dem ersten Sommerfest nach zwei Jahren Corona-Pause gefeiert.

herrsching.online:  Sie haben als Vorsitzende des Fördervereins 2 000 Euro für die Finanzierung der Projektwoche aufgetrieben. Den Herrschingern ist ihre CM-Schule offensichtlich wichtig?

Geiselhart: Diese 2000 Euro wurden über die Crowdfunding-Plattform „Viele-schaffen-mehr“ der VR-Bank generiert. Das ist eine tolle Möglichkeit, um finanzielle Unterstützung für solche gemeinnützigen Projekte zu bekommen. Das Besondere an dieser Plattform ist, dass die VR-Bank die eingehenden Spendenbeträge verdoppelt.

Aktuell haben wir noch 7 Tage Zeit, um Gelder zu generieren und sind schon über die benötigten 2000 Euro hinausgekommen. 41 Personen haben uns bisher unterstützt, worüber wir uns sehr freuen und uns herzlich bei den Spenderinnen und Spendern bedanken. 

Die Christian-Morgenstern Schule ist weniger den Herrschingern allgemein, als viel mehr den Eltern der Schülerinnen und Schülern an der Schule wichtig. Und der Förderverein bietet eine Möglichkeit, sich an der Schule einzubringen.

herrsching.online:  Die Schule hat insgesamt 400 Grund- und 250 Mittelschüler. Wieviele Schüler haben an den Angeboten der Projektwoche teilgenommen?

Geiselhart: Alle Schülerinnen und Schüler, denen es gesundheitlich möglich war, haben an der Projektwoche teilgenommen. Von der 1. bis zur 10. Klasse!

herrsching.online:  Eltern-Engagement für die Schule der Kinder wird immer wichtiger. Füllen die Eltern nur die Defizite auf, die vom Staat hinterlassen wurden, oder wollen die Eltern und Schüler soviel Unterrichts- und Lebensqualität in der Schule, dass private Initiativen unumgänglich sind?

Geiselhart: Staatliche Defizite finanzieller oder organisatorischer Art an der Schule auszugleichen, sehe ich weder als Aufgabe an, noch im Handlungsspielraum der Eltern angesiedelt. Das Engagement der Eltern sollte immer ein zusätzliches Schmankerl, nie die Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Schulalltag sein. Deshalb hat sich der Förderverein auch bei der Debatte um die Anschaffung von Raumbelüftungs- und filteranlagen herausgenommen. Das ist unserer Ansicht nach ein technischer Aspekt, der eine Grundvoraussetzung für den Unterricht und die Lebensqualität an der Schule darstellt und von gemeindlicher bzw. staatlicher Seite zur Gänze getragen und organisiert werden muss.

herrsching.online:  Solche Projektwochen kommen auch Schülern zugute, deren Eltern sich so anspruchsvolle Sportarten nicht leisten können. Sind solche Projektwochen auch ausdrücklich als Angebote für sozial benachteiligte Schüler gedacht, deren Eltern sich diese Sportarten nicht leisten können?

Geiselhart: Diese Projektwoche sollte „ausdrücklich“ allen Schülerinnen und Schülern zugutekommen, ganz unabhängig von der finanziellen Situation im Elternhaus. Der Förderverein hat schon bei der Planung der Woche das Budget so berechnet, dass bedürftige Kinder, die sich die Eigenbeteiligung nicht leisten können, vom Verein getragen werden und somit auf jeden Fall dabei sind. Dabei hatten wir vor allem auch an die ukrainischen Kinder gedacht.

herrsching.online:  Eltern engagieren sich natürlich nur solange, wie ihre Kinder diese Schule besuchen. Brechen da immer wieder Strukturen zusammen, weil sich engagierte Eltern verabschieden?

Geiselhart: Tatsächlich ist das ein wunder Punkt bei dem Verein der Freunde und  Förderer der Grund- und Mittelschule. Schon nach 4 Jahren Grundschule findet häufig ein Wechsel statt, weil das eigene Kind auf eine weiterführende Schule geht. Auch ich hätte den Vorstandsposten, den ich seit 2018 inne habe, letztes Jahr im Sommer gerne abgegeben, da mein zweites Kind die Schule im September 2021 verlassen hat. Allerdings gestaltete sich die Suche für eine Nachfolge sehr schwierig. Wegen Corona konnten keine Veranstaltungen stattfinden, bei denen der persönliche Kontakt zu Eltern möglich gewesen wäre, um sie für das Ehrenamt zu begeistern.

Letztlich habe ich aus zwei Gründen beschlossen, das Amt fortzuführen. Einerseits um zu verhindern, dass der 2003 gegründete Förderverein nach so vielen Jahren aufgelöst werden muss, nur weil sich keine Nachfolge für den Vorstand findet. Dabei galt es, Kontinuität zu schaffen und zu verhindern, dass etablierte Strukturen, angesammeltes Wissen und vor allem Gelder für die Kinder an der Schule verloren gehen. Andererseits wird unser jüngstes Kind 2023 an der Christian-Morgenstern Schule eingeschult, so dass ich quasi nur die Zeit überbrücke, bis ich wieder ein wirklich „involviertes“ Elternteil sein werde. Es bleibt zu hoffen, dass sich bis 2026 dann jemand findet, der oder die das Potenzial des Fördervereins schätzt und sich gerne dafür einsetzt, dass an der Schule mehr als nur das Notwendige realisiert werden kann.

herrsching.online:  Sie haben sicher einen Wunschzettel an das Kultusministerium. Wie lang ist der, und was steht als wichtigster Wunsch ganz vorne?

Geiselhart: Einen Wunschzettel an das Kultusministerium zu richten empfinde ich von meiner Seite als vermessen. Viel lieber wende ich mich an die direkte Umgebung, um etwas im kleineren Rahmen unmittelbar bewirken zu können. Mein Wunsch wäre, endlich den Trinkbrunnen für die Schülerinnen und Schüler realisieren zu können. Ein klares „Ja“ von der Gemeinde und der Schulleitung zum Standort, und wir legen los. Die Gelder dafür sind vorhanden.

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