Wer sich traut, braucht eine Braut – und viel Geduld. Zumindest in Herrsching. Diese Woche fragte ein hochzeitswilliger Herrschinger beim Standesamt in der Bahnhofstraße nach einem Trau-Termin im Kurparkschlösschen. War es Chuzpe, Humor oder Naivität, dass er um eine Feierstunde im Juli dieses Jahres bat? Die leicht verzweifelte Herrschinger Standesbeamtin blätterte in ihrem Terminkalender und konnte ihm eine Trauung – im Oktober versprechen. Auf die Frage, warum ein Trautermin sogar noch mehr Geduld erfordere als der Antrag eines Reisepasses, meinte sie entwaffnend: „Wir haben Personalnot.“
Und die Personalausstattung wird sich kaum verbessern. Die bisherige Standesbeamtin geht in Pension, am Montag bestellt der Gemeinderat eine neue Standesbeamtin „zur/zum leitenden Standesbeamten/in im Bezirk Herrsching“.
Um Trauungen vornehmen zu dürfen, muss ein Beamter
• die Qualifikationsprüfung für den Einstieg in der dritten Qualifikationsebene bestanden haben
• an einem Einführungslehrgang für Standesbeamte mit Erfolg teilgenommen haben und
• mindestens drei Monate bei einem Standesamt entweder als Sachbearbeiter oder Sachbearbeiterin oder zur Einweisung tätig gewesen ist.
Klingt es nicht nach unüberwindlichen Hürden auf dem Weg zum Trau(m)-Beruf.
Dass das Standesamt personell gut ausgelastet ist, verdankt es auch seiner eigenen Werbung: „Das stilvolle Trauzimmer der Gemeinde im Schössl ist der Anziehungspunkt für viele Hochzeitspaare aus nah und fern“ lockt die Gemeinde-eigene Website.
Wenn viele Nicht-Herrschinger das „stilvolle Trauzimmer“ im Schlössl blockieren, dann weichen wir halt aus, beschloss der Herrschinger Hochzeitswillige und klopfte in Andechs an. Dort stellte man ihm in größter Freundlichkeit einen Termin – im Juli in Aussicht. Dort könnte sich der Bräutigam, wenn er’s denn nötig hat, vorher noch etwas Mut antrinken im Kloster.



