Auf dem Holzweg: Sogar Verkehrsschilder im Fünfseenland sind vor den Verschwörungsphantasien nicht sicher

Anti-Zeugen Coronas

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Der Deutsche, sagte Lenin, würde eine Bahnsteigkarte lösen, bevor er bei einer Revolution einen Bahnhof stürmen würde. Und der brave Corona-Demonstrant wartet an der roten Fußgängerampel aufs grüne Männchen, bevor er eine Straße überquert: In einer Mischung aus Belustigung und diffuser Sorge verfolgen Polizei und Landratsamt die sogenannten Spaziergänge der Coronaleugner im Kreis Starnberg. „Das sind Leute”, sagt die Landratsamtssprecherin Barbara Beck, „die sich rechtlich beraten ließen.”

Schon am 6. Dezember standen sie wie Anti-Zeugen Coronas vor dem Herrschinger Rathaus, hatten Kerzen in der Hand und beklagten die einseitiges Berichterstattung der „Mainstream-Medien”. Dabei lieferten sie keinerlei Anlass zu polizeilichem Eingreifen. Sie waren fast so schüchtern wie „Wachturm”-Verkäufer. Masken allerdings trugen die Teilnehmer nicht – sie fühlten sich vermutlich durch die brennenden Kerzen geschützt.

Inzwischen aber haben die Spaziergänger mehr Zulauf – im Wortsinn: Am Montag zählte die Polizei bis zu 60 Virus-Flanierer in Herrsching. Gründe für polizeiliche Maßnahmen, so die Stellungnahme der Herrschinger Polizeiinspektion, gab es nicht. Ob es sich bei den Anti-Viren-Wanderungen um Versammlungen im rechtlichen Sinn handelt, ist juristisch umstritten.

Der bayerische Innenminster Joachim Herrmann ließ bekanntgeben, er habe alle Polizeipräsidien angewiesen, bei entsprechenden Einsätzen die Anzahl der Polizeikräfte massiv zu erhöhen. Die Gemeinden könnten mit einer Allgemeinverfügung Beschränkungen festlegen, wie etwa eine Maskenpflicht oder den Einsatz von Ordnern», sagte Herrmann.

Die Versammlungen im Kreis Starnberg waren aber nicht angemeldet, teilte das Landratsamt mit. Und wenn es keinen rechtlich verantwortlichen Versammlungsleiter gebe, könne man niemanden zur Verantwortung ziehen. „Sollte aber erkennbar sein, dass jemand eine Marschrichtung vorgibt oder anderweitig eine Rolle spielt, könnte er als Versammlungsleiter identifiziert werden,” sagte die Sprecherin des Landratsamtes, Barbara Beck, zu herrsching.online. Nach Angaben von Barbara Beck habe der Landrat aber wenig Verständnis für die Spaziergänger. Die Leute ließen sich instrumentalisieren von Leuten, die „die ihr politisches Süppchen kochen”.

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