Jetzt doch bald Mund- und Luftfilter in den Schulen? Landrat Frey will Geräte anschaffen

Landrat denkt um: Doch Luftfilter für die Schulen?

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So schnell weht der Wind aus einer anderen Richtung: Im nächsten Schuljahr könnte es doch Luftfilter in Schulklassen geben: In der nächsten Sitzung des Gemeinderats am kommenden Montag (19 Uhr in der Martinshalle) wird über Luftfilter-Anlagen in der Christian-Morgenstern-Schule diskutiert. Und aus Starnberg kommen verblüffende Nachrichten: Landrat Frey, bisher ein ausgewiesener Filter-Skeptiker, will dem Kreistag vorschlagen, für 46 Klassenräume in Starnberg und Tutzing die Virensammler anzuschaffen.

24 Klassenräume in der Fünfseenschule in Starnberg und 22 Räume im Tutzinger Gymnasium sollen Luftfilteranlagen erhalten. Diesen Vorschlag macht Frey dem Kreistag in der nächsten Sitzung am Montag. Die Anlagen, so Frey im Starnberger Merkur, sollen bis zu 200 000 Euro kosten. Gefiltert werden soll nach dem Willen des Landratsamtes nur in Klassenräumen für die Jahrgangsstufen fünf bis acht. An Fachoberschule und Berufsschule sind keine Filteranlagen vorgesehen. Hinter dieser Strategie steht die Überlegung des Landratsamtes, dass Kinder geschützt werden sollten, für die es noch kein Impfangebot gebe.

Landrat Frey ist nach der Meldung des Starnberger Merkur immer noch skeptisch, ob die Filteranlagen ausreichenden Schutz bieten. Dem politische Druck von Eltern, Eltern-Gremien und Kommunalpolitikern trage er aber Rechnung. In der Gemeinderatssitzung in Herrsching meinte Frey noch: „Die Staatsregierung hätte uns Landräte und Bürgermeister vorher fragen sollen, was wir von den Luftfiltern in den Klassenzimmern halten.” Er ließ durchblicken, dass die Skepsis auch Strategie sein könnte: „Wir hoffen, dass die Staatregierung noch mehr als 50 Prozent der Anschaffungskosten übernimmt.”

Der Herrschinger Gemeinderat hätte sich schon im Februar als Pionier auszeichnen können. Damals lag dem Gremium schon ein Antrag vor, für Klassenzimmer Luftfilter anzuschaffen. Die Abstimmung war ein donnerndes Votum gegen die Technik: 23 Räte stimmten dagegen, nur FDP-Gemeinderat Alexander Keim machte sich für die „Luft-Waschmaschinen” stark. Sein Argument, Lüften bringe gar nichts, wenn es kein Gefälle zwischen Außen- und Innentemperatur gebe, verhallte ungehört.

Dabei stützte sich der Gemeinderat auf ein Gutachten des Umweltbundesamtes, das Professor Christian Kähler, Experte für Strömungsmechanik an der Bundeswehr-Uni, wörtlich als „vollkommenen Quatsch” bezeichnete. Seine Empfehlung an die Gemeinderäte: „Seien Sie schnell, bevor der große Run ausbricht: Es wird nicht den Hersteller geben, der mal eben 100 000 Geräte liefern kann.”

Eine Arbeitsgruppe  der Frankfurter Goethe-Universität hatte herausgefunden, dass viele gefährliche Partikel  im Filter hängen bleiben. „Die Geräte setzten zusammen zwischen 760 und 1.460 Kubikmeter Luft pro Stunde um, was bedeutet, dass die Raumluft pro Stunde etwa 5,5 Mal in der Untersuchung gefiltert wurde. Dies hatte nach den Messungen einen kontinuierlichen Abfall der Aerosolkonzentration zur Folge. Sie fiel innerhalb von 37 Minuten um mehr als 90 Prozent gegenüber dem Beginn der Unterrichtsstunde”, heißt es in dem Bericht der Frankfurter Spezialisten. 

Herrsching hätte schnell sein können. Offensichtlich aber waren fiskalische Argumente wichtiger. Die Gemeinde hätte bis zu 1 750 Euro pro Raum vom Kultusministerium abgreifen können. Für die 50 Klassen- und Fachräume hätten die Aerosol-Schlucker 175 000 Euro gekostet – vom Staat wären immerhin 87 500 Euro geflossen. 

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