Ein Luftfiltergerät für die Schulen sollte einen H13-oder H14-Filter haben und DIN-geprüft sein. Bild: OurAir

„Das Konzept des Umweltamtes ist Quatsch”

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Inning gibt 400 000 Euro für Luftfilter-Anlagen in Schulklassen und Kitas aus, in Berg laufen 14 Geräte in der Grundschule – und Herrsching setzt auf offene Fenster. Der bayerische Ministerrat hatte letzte Woche für Luftfiltergeräte in 60 000 Klassenzimmer und 50 000 Kita-Räume 190 Millionen genehmigt. Der Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller hält diese Maßnahme für einen Schnellschuss in Richtung Wahlkampf. Dabei sind Fachleute inzwischen überzeugt davon, dass die Luftfilter die Schulöffner in einer vierten Welle sein könnten.

Bürgermeister Schiller kritisiert bei den Luftfilteranlagen den Stromverbrauch und die Wartungskosten. Der Aerosol-Forscher Christian Kähler beruhigt: Luftfilteranlagen kosten nicht mehr Strom als die Beleuchtung

„Wenn man will, dass die Schulen offen bleiben, muss man sich um technische Mittel kümmern”, sagt der Aerosol-Forscher Christian Kähler im Starnberger Merkur, „leistungsstarke Luftreiniger sind mit Abstand die sicherste Methode, um Schüler und Lehrer vor Ansteckung in Innenräumen zu schützen.” Der Professor an der Bundeswehr-Uni in Neubiberg ist sich sicher: „Ein Luftreiniger, der pro Stunde mindestens das Sechsfache des Raumvolumens filtern kann, macht absolut Sinn.”

Der Gemeinderat von Herrsching hatte sich im Februar auch auf das Gutachten des Bundesumweltamtes bezogen. Dort wird viel vom Lüften geredet, Technik spielt dabei eine nachgeordnete Rolle. Der Professor geht mit den amtlichen Technik-Skeptikern hart ins Gericht: „Das Konzept des Umweltbundesamtes ist vollkommener Quatsch.” Der Aerosol-Experte räumt zudem mit dem Stromfresser- und Wartungsargument auf: „Die Geräte haben eine Leistung von 150 bis 350 Watt. Das ist weniger als die Beleuchtung in einem Klassenraum. Und ein Filter, der ausgetauscht werden muss, ist weniger gefährlich als ein Staubsauberbeutel und damit kein Sondermüll.” Auch die Geräuschkulisse, die ein Gerät entwickelt, lässt er als Gegenargument nicht gelten: „Es gibt zahlreiche Geräte, die bei 1200 Kubikmeter Austausch pro Stunde nicht lauter als 52 Dezibel sind – oft sogar leiser.”

Das Thema Luftfilter für Herrschinger Schulen steht allerdings nicht einmal auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung im Juli. Möglicherweise wird sich ein Mitglied des Gemeinderats in einer Anfrage doch des Themas annehmen.

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