Elegische Klangbäder mit stark wechselnden Tempi, Rhythmen und Lautstärken erlebt die ehrwürdige Nikolauskirche auch nicht alle Tage. Das Konzert des Cantilena-Chors, der sich im Herbst 2024 von der Musiklehrervereinigung abgespalten hatte, versprach eine „Luminous Night“, und das Wunder wurde wahr: Die Kirchenbesucher erlebten eine leuchtende Nacht. Fast 50 Sängerinnen und Sänger waren durch das Werk des norwegisch-amerikanischen Komponisten Ola Gjeilo herausgefordert. Dazu musste Elisabeth Schmidt am Pult noch die Sopranstimme, die Adele Bassermann sang, ein Streichquartett, ein Klavier und die Posaune in das opulente Klanggebäude einbauen. „Sehr anspruchsvoll, aber auch sehr reizvoll“, kommentierte die Vorsitzende des Cantilena-Chors, Michaela Bandemer, die Aufgabe. Der stürmische Beifall aus dem vollen Kirchenschiff gab dann auch eine laute Antwort darauf, wie das durchaus riskante Programm angekommen ist.
Eigentlich war es ein doppeltes Jubiläumskonzert: Den Chor unter der Leitung von Elisabeth Schmidt gibt es seit 20 Jahren, den Cantilena e.V. seit dem 19. Dezember 2024. Zweck des Vereins, den Michaela Bandemer führt, ist „die Förderung des Chorgesangs und der Kunst und Kultur“. Finanziert werden die Auftritte durch die Mitgliedsbeiträge, Förderbeiträge (zum Beispiel von der Gemeinde Herrsching), und Spenden nach den Konzerten. Aber auch moderne Finanzierungskonzepte wie ein Crowdfunding mit der Volksbank zur Anschaffung von Bühnentechnik setzt der innovative Verein inzwischen um. Im letzten Dezember hatten sich sieben langjährige Chormitglieder zusammen gesetzt, um den Verein aus der Taufe zu heben. Michaela Bandemer firmiert als erste Vorsitzende, Michaela Wirries gibt die zweite Vorsitzende, Monika Sedlmaier ist Kassenwartin und Susanne Gevert Schriftführerin. Renate Koller, Ruth Merkhoffer und Alexander Hildebrandt haben die Glorreichen Sieben, wie sie das Vereinsrecht vorschreibt, voll gemacht.

Eröffnet hat Elisabeth Schmidt die „Erleuchtete Nacht“ mit der „Dark Night of the Soul“, einem Stück, „das schon mit den ersten Klängen spürbar macht, dass es nicht um äußere Dramatik geht, sondern um die innere Reise eines Menschen auf der Suche nach Gott“, sagte Pfarrer Simon Rapp in seiner Einführung. Ola Gjeilo sei bekannt für seine warmen, fließenden musikalischen Linien und seine Fähigkeit, kontemplative Tiefe mit klanglicher Leuchtkraft zu verbinden. Der Text dieses Stückes basiert auf dem berühmten mystischen Gedicht des spanischen Karmeliten Johannes vom Kreuz.

Im zweiten Stück des Abends, dem Ecce Novum („siehe, ich mache alles neu“), geht es, so Rapp, um die spirituelle Erneuerung, in dem Stück „The Rose“ um die Hoffnung. „Ubi Caritas et amor, Deus ibi est“, „Wo Güte und Liebe sind, dort ist auch Gott“ ist ein jahrhundertealter Gesang der Kirche, der verspricht, dass bei Mitgefühl, Dienst und Nähe die Präsenz Gottes spürbar sei. Das Stück „Luminous Night“, das dem Konzert seinen Namen gegeben hat, könnte in unseren finsteren Zeiten ein wertvoller Trost sein: „In den Momenten der Unsicherheit gibt es einen Schimmer von Hoffnung“, interpretierte Simon Rapp den Komponisten Ola Gjeilo. So war dieses großartige Konzert, das weit über die Möglichkeiten eines Laienchors hinausragte, auch eine Art rhythmisch geprägter Gottesdienst.
Man möchte nicht glauben, dass diese Performance auf dem einfachen Grundverständnis des Cantilena-Chors beruht: „Singen kann jeder.“ Und jeder, der sich ein Herz fasst, wird, so Michaela Bandemer, mit Glücksgefühlen belohnt, fördert die „neurola Vernetzung“ und bringt Menschen auf wunderbare Weise zusammen. Es sei, sagt Bandemer, wissenschaftlich erwiesen, dass Singen für Körper, Geist und Seel gesund sei. Und das gilt, der Autor dieser Zeile weiß es aus eigenem Erleben, nicht nur für die Chormitglieder, sondern auch für die Zuhörer.
Sopran: Adele Bassermann, Brigitte Scheidegger-Heigenhuber am Flügel, Birgit Henke an der Posaune; Streichorchester: Christiane Lukas, Annika Zolling, Katie Barritt und Bettina Kühner-Wehn, Leitung: Elisabeth Schmidt

Am Pult: Elisabeth Schmidt




