Am nächsten Dienstag wird es eng im Sitzungssaal des Herrschinger Rathauses: Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim informiert ab 17 Uhr über die „umfangreichen Sanierungsmaßnahmen“ am Kienbach. „Alle von der Maßnahme Betroffenen und natürlich auch alle sonstigen interessierten Bürger“ werden über den aktuellen Planungsstand und das geplante weitere Vorgehen unterrichtet. Es dürfen auch Fragen zu den Sanierungen gestellt werden.
Die zuständigen Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes hatten im Februar schon im Gemeinderat über die Pläne informiert. Über alle Maßnahmen auf Gemeindegrund hatten die Gemeinderäte bereits abgestimmt. Hier noch einmal der Bericht von herrsching.online vom Februar:
Sanierungs(wasser)-Fall

Es könnte für Jahre Herrschings längste Baustelle werden: Für die Domestizierung des Kienbächleins muss der Steuerzahler tief in die Tasche greifen. Konkrete Zahlen hat das Wasserwirtschaftsamt in der Gemeinderatssitzung nicht genannt. Alle Umbauten, die der Bachsanierung dienen, zahlt der Freistaat. Aber die Gemeinde wird für einige Bauabschnitte 30 bis 50 Prozent der Kosten übernehmen müssen. Gemeinderätin Gruber nahm’s mit Humor: „Dann fangen wir schon mal an zu sparen.“ Projektleiter Johannes Haas brachte die Sanierungs-Aufgabe auf eine Art Formel: Jahrhunderthochwasser plus 15 Prozent Klimaveränderungszuschlag plus Freibord. Wenn man für diese Größten Anzunehmenden Wassermassen gerüstet sei (so eine Art „Gaw“), bekommen die Herrschinger Anlieger keine nassen Füße (und Keller). Auch wenn der Himmel alle Schleusen öffnet.
Das Planungswerk für den 1,5 Kilometer langen Bachverlauf durch Herrsching hat das Ingenieurbüro Kokai aus Weilheim erarbeitet. Geschäftsführer Max Weiß bringt beste Voraussetzungen für den Job mit – er ist in Herrsching aufgewachsen. Vorgestellt wurde der 71 Seiten umfassende „Befund“ des Patienten Kienbach von der Weiß-Kollegin Zingraff.
Das Wasserwirtschaftsamt mit Abteilungsleiterin Sigrun Frank hatte im Vorfeld der Planungsarbeiten eine wahre Kampagne veranstaltet, um Anwohner und Gemeinde über die Kienbachsanierung zu informieren – zum Beispiel im letzten Oktober und zu Beginn des Jahres vor den Schürfungen. Am 18. April werden die Anlieger auf den neuesten Stand gebracht.
Projektleiter Haas berichtete im Gemeinderat über die „Forschungsergebnisse“. Kein Zweifel: Das Bachbett ist ein glatter Sanierungsfall. Wäre der Bach ein Altbau, hieße der Rat wohl: abreißen. Da sich Wasser aber nicht abstellen lässt, gibt es 7 Sanierungs-Abschnitte für die nächsten Jahre. Durch die in Teilbereiche gegliederten Maßnahmen werden nicht alle Anwohner gleichzeitig mit Baulärm belästigt.
In 7 Bauabschnitte werden die Arbeiten gegliedert. Besonders dringend sind die Sanierungsmaßnahmen im Abschnitt BA6, BA1 und BA3. Im Mündungsgebiet (BA7) sind keine Bauarbeiten vorgesehen. Grafik: Ingenieurbüro Kokai im Auftrag WWA
Da Herrsching inzwischen viele, zum Teil radikale Baumfreunde hat, informierte Haas auch ausführlich über geplante Ersatzpflanzungen und Fledermaus-Kartierungen. Für jeden Stamm, der zu nah am Wasser und den Baumaschinen im Weg steht, wird ein neuer Baum gepflanzt. Das werde dann allerdings nicht immer in Bachnähe möglich sein. Haas forderte die Bürger auf, Angebote für neue Baumstandorte zu melden (das kann dann auch mal im privaten Garten sein).
Absturz oder Stromschnelle in der Nähe des Bahnhofs. Diese Treppen werden verschwinden, damit Fische ungehindert flussaufwärts schwimmen können.
Auch die Fische sind von den Bacharbeiten stark betroffen. Sie werden in jeweiligen Bauabschnitten eingesammelt und umgesiedelt. Aber auch hier gibt’s zur Schreckensmeldung gleich eine schöne Vision: Nach Abschluss der Arbeiten haben die Fische freies Wasser bis zur Brücke über die Mühlfelder Straße: Die Abstürze, volkstümlich Stromschnellen, werden zwischen Mündung und Mühlfelder verschwinden. Erst dort ist dann kein Durchkommen mehr für die geschuppten Mitbürger. Diese Sperre, so Haas, sei nötig, damit von der Krebspest infizierte Edelkrebse nicht weiter Richtung Andechs krabbeln.
Hier nun die geplanten Baumaßnahmen:
• Im Kienbachtal soll ein Schwemmholzrückhalt gebaut werden, der bei Hochwasser angeschwemmtes Holz aussiebt. Es wird sich dabei nicht um ein Mauerwerk, sondern eher um eine Art Rechen handeln.
• Zwischen Andechssstraße und Kientalstraße soll die Böschung gesichert und bei der Grundschwelle eine Rampe aufgeschüttet werden.
• An der Andechsstraße soll der Bach tiefergelegt werden. Außerdem sollen hier Stahlbetonwände die Ufer sichern. Die Birken, so heißt es in der Präsentation, könnten nicht erhalten werden.
• An der Steindlgasse-Brücke ist kein ausreichender Freibord vorhanden. Hier empfiehlt das Amt einen Neubau der Brücke mit tieferer Bachsohle.
• Im Bereich der Kienbachstraße sollen Wasserbausteine auf Schroppenlage geplant sein. Der Erhalt der Bäume sei nicht möglich.
• Im Abschnitt kurz vor der Touristinformation am Bahnhof werden ebenfalls Wasseraussteine auf beiden Uferseiten verbaut. So beschloss es der Gemeinderat.
• Der Bachabschnitt von der Brücke der Madeleine-Ruoff-Straße (am Kurpark) bis zur Mündung ist vorerst nicht Bestandteil der Planung. Hier handle es sich um einen seniblen Bereich mit Altbaumbestand.
Eine längere Diskussion gab’s bei der Gestaltung der Parkplätze an der Kientalstraße kurz vor der Brücke. Wenn die Böschung angeschrägt wird, um für Wasserbausteine Platz zu schaffen, müssen die Parkplätze auf eine Breite von 2 Meter zusammenschnurren. Aber auch das war für den Gemeinderat kein Problem.
Nach der langen Sitzung sah man dann zufriedene Gesichter – am Ratstisch und bei den meisten Zuhörern. Die 19 anwesenden Räte haben sich für eine (teure) Zukunftsvisionen zusammengerauft.
Hoffentlich doch!
Kleine Lateinkunde: ‚radix‘ ist die Wurzel eine Pflanze.
Etwas radikal zu verneinen, hat absolut nichts mit radikalen Methoden zu tun, sondern mit ‚ von Grund auf‘ und da hoffe ich doch, dass von diesem Anfangsgeist, nämlich sich von Grund auf für Baumschutz einzusetzen, bei Pronatur noch etwas übriggeblieben ist.