Feldkreuze sind öffentliche Zeichen der Volksfrömmgkeit. Und mit vielen dieser Kreuze sind wundersame, oft schräge Ereignisse verknüpft. Der Schlagenhofener Heimatforscher und Buchautor Robert Volkmann hat eine dieser Geschichten über die Wiederauferstehung eines Feldkreuzes miterlebt und aufgeschrieben. Dabei geht’s weniger um Volksfrömmigkeit, sondern eher um Neid, Missgunst, Machtmissbrauch, aber auch um den wundersamen, selbstlosen Bürgersinn eines Bürgermeisters, eines Malers, eines Zimmermanns und einer Spenderin. Hier nun die wahre Geschichte über einen maroden, vergessenen Christuskorpus, eine offenkundig schwanger dargestellte Marienfigur und die wundersame Wiederauferstehung des Kreuzes auf dem Schlagenhofener Kreuzberg. Die Streithammel, die wegen eines Pfades zum alten Kreuz zu Feinden wurden, liegen nun friedlich vereint – nebeneinander auf dem Friedhof.
Eine wahre Geschichte von Robert Volkmann
Vor ein paar Jahren hat der Autor einmal zwei junge Famlien aus dem Dorf oben auf dem Kreuzberg getroffen. Gesprächsweise kam man auf die Ortsbezeichung, woher denn diese rühre. Ein namensgebendes Kreuz sei ja nicht zu sehen.
Tatsächlich war zu Beginn der 1980er Jahre das namensgebende Kreuz verschwunden. Den Erinnerungen nach soll es schon etwas heruntergekommen gewesen sein.
Spätere Recherchen aber haben ergeben, dass der damalige Bauer des Hofes, dem das Feldkreuz gehörte, das religioöse Symbol abgebaut hatte. Der schlichte Grund: Er hatte sich furchtbar darüber aufgeregt, dass ein anderer, also ein benachbarter Bauer aus dem Dorf, sein Austragshaus unmittelbar an den Weg hinauf zum Kreuzberg gebaut hatte – und vor allem regte er sich darüber auf, dass er ein Garagengebäude auf diesen Weg gesetzt hatte. Allgemeine Empörung im Dorf, allein die Sache war insofern rechtens, weil der Weg eben kein öffentlicher Pfad war, obwohl er schon sehr sehr lange von den Dörflern benutzt worden war. Die Dörfler hatten daraus ein Gewohnheitsrecht gemacht, aber die Strecke ging halt über ein privates Grundstück, und Grund geht halt über Gewohnheitsrecht. Formal also zulässig, was mancher im Dorf halt nicht wahrhaben wollte. Kurzum: Das Klima war vergiftet. Hinzu kam, dass der Austragsbauer früher schon einen „alten“ Friedhofweg, der über sein Hofgrundstück führte, gesperrt hat, was im Dorf ebenfalls schlecht ankam.
Der Abbau des Kreuzes war nun wohl eine Art von Protestakt. Im Lauf der Jahrzehnte geriet die Angelegenheit aber immer mehr in Vergessenheit, Bittgänge zu Feldkreuzen fanden ja seit langem nicht mehr statt. Mehrfach stieß der Schreiber dieser Zeilen bei Spaziergängen oben auf dem Kreuzberg auf etwas jüngere Einheimische, die verständlicherweise nichts mehr mit der Flurbezeichnung „Kreuzberg“ anfangen konnten. Und dass dort jemals ein Flurkreuz gestanden ist, davon wussten sie auch nichts. Der Schreiber fand das bedauerlich und machte sich auf die Suche nach dem verschwundenen Kruzifix, Es stellte sich dann heraus, dass es sich auf dem Heuboden des Bauernanwesens befand, dem es gehörte. Gefunden wurden noch ein Christuskorpus und eine Muttergottes-Statue, beide restaurierungsbedürftig. Der Rost hatte dem Gusseisen schon deutlich zugesetzt. Das Material ließ darauf schließen, dass die Figuren noch keine 150 Jahre alt waren.
Es war nicht mehr weit zur Idee, das Kreuz wieder dort aufzubauen, wo es hingehörte – auf den Kreuzberg. Dazu sollte es noch eine Sitzgelegenheit geben. Der Platz bietet ja schließlich auch was fürs Auge. Geredet, im Wortsinn kurze Wege, und bald auch getan. Das Feldkreuz steht im neuen Glanz wieder da, wo es dem Berg seinen Namen gab.

Wenn die Schlagenhofener wieder „unser Kreuzbergkreuz“ haben , soll schon gesagt werden, dass es nicht einfach plötzlich wieder da war, sondern, dass da schon einige mitgewerkelt haben. Zwei der Beteiligten sollen deshalb beim Dank zuerst genannt sein:
Gut, dass der Bürgermeister mögliche Einwendungen wegen „Bauens im Außenbereich“ gleich abgebogen hat. Wenigstens gibt es jetzt schon länger nicht mehr die „Verordnung zur Gestattung einer gottesdienstlichen Veranstaltung im Freien“. Manchmal passiert tatsächlich Bürokratieabbau ganz im Stillen. Es soll aber, das sei zum Thema Bürokratie auch erwähnt, mindestens einen Landkreis in Oberbayern geben, in dem Feldkreuze mehr oder weniger regelmäßig auf ihre „Standsicherheit“ kontrolliert werden.
Dank auch insbesondere dem Bauhof und vor allem seinem Leiter, der ohne jede Bürokratie das Fundament betoniert und den Handlauf hinauf gebaut hat.
Maler Walter Werling aus Inning hat die doch etwas aufwendigen Arbeiten an den alten Figuren durchgeführt. „Schee sans wordn!“ , hat jemand die Figuren gelobt. Gezahlt wurden die künstlerischen Arbeiten von Martha Weindauer, geborene Scheidl.
Und damit schließt sich auch ein Familienkreis. Auf dem Friedhof liegen die beiden Hauptprotagonisten des alten Streits auch schon lange. In Gräbern nebeneinander. Und die Nachkommen haben den Streit auch längst begraben. Fast ein kleines Friedenssymbol, unser Kreuz hier. Gut so.
Er selbst würde es sicher ned öffentlich sagen, drum sag ich es, weil man das scho sagen sollte: Zimmerermeister Andreas Drexl hat seine Arbeiten auch kostenlos gemacht und gesagt, dass ihm dies „eine Ehre“ sei. Verwendet wurde übrigens Holz der Douglasie (und die hält länger als unsere heimischen Fichten). Das war nicht das erste Mal, dass er auf diesem Gebiet tätig war, das Familienfeldkreuz an der Straße nach Breitbrunn hat er auch gemacht.

Der Karfreitag wäre ein guter Tag, dem neuen Kreuz am Kreuzberg einen Besuch abzustatten.
„Ein Dach für den Herrn?“

Diese zunächst recht boshaft in der Bewertung von „Volksfrömmigkeit“ klingende Geschichte hat uns Georg Queri (1879 – 1919), Starnberger Lokaljournalist und nicht immer ganz unproblematischer Schriftsteller, in seinem Bändchen „Altbaierische Geschichten“ überliefert. Ausgegraben von Robert Volkmann
„Die ganz billigen Ammergauer Herrgöttle, die hängt der Bauer in den Stall. Die schützen das Viech und heißen die Stallherrle. Und die schönen und ganz großen, die werden auf die Feldkreuz aufgemacht, das sind die Feldherrle. Die schützen des Feld vor dem Hagel.
Denkt sich der Hainzenspepp: Vielleicht hätt mir der Schauer im fertigen Summer meinen Traid nit zusammengeschlagen, wenn ich ein Herrle gehabt hätt auf dem Feld? Und geht zum Herrn Pfarrer und fragt. „Meinst nit auch Herr Hochwürden?“ Sagt der Herr Pfarrer: “Kannst so unrecht nit ham, Hainzensepp; und hilft´s nit, so schadt´s auch nit.“
Kauf sich also der Hainzensepp ein großes Feldherrle und läßt sich vom Zimmermann ein großes Kreuz dazu machen. „Das Kreuz, das machen wir acht Schuh hoch“, sagt der Zimmermann, „und das Dach über dem Kreuz – das will ich mit Blech beschlagen wegen dem groben Wetter.“
„Was Dachl?“ zankt der Hainzensepp. „Nix Dachl! Das Herrle soll sich nur das Wetter für meinen Traid danach einrichten.“



