• Vielleicht mal so berühmt wie Arabella Steinbacher? Die kleinen Geigerinnen waren eine wichtige Stimme im Orchestersound. Alle Fotos: Gerd Kloos
  • „Sieben großartige Cellisten und Cellistinnen", sagt Musikschulleiter Karl Rellensmann über seine kleinen Helden, die nicht viel größer sind als ihr Instrument.
  • Optische, literarische und musikalische Poesie mit Zeichnungen , Beschreibungen und Kompositionen: Junge Violonistinnen vor projizierten Kinderbildern.
  • Ein stolzer Vorstand Fritz Topitsch begrüßt ein begeisterungswilliges Publikum im Haus der Landwirtschaft.
  • Der Nachwuchs kommentiert die Musik mit rhythmischen Gesten.
  • Dirigent Florian Weinhart hat mit seinem 80-köpfigen Orchester in die Zaubertasche des guten Arrangeurs gegriffen.
  • Im Stück Patrona Bavaria, das der Mariensäule in Herrsching gewidmet war, durfte Anni Muskett mitdirigieren. Dirigent Weinhart wies daraufhin, dass an der Säule ein falscher Genetiv verwendet wurde.
  • Annabelle Thiery las die Texte vor, die sie und Felix Biebach zur Herrschinger Geschichte geschrieben hatten. Sie ließen sich von einem Falken und einem Schmetterling durch Herrsching begleiten.
  • Auch die Mutter aller Kinderinstrumente, die Flöte, war wunderbar vertreten.
  • Das Hackbrett, das bayerischste Instrument im Orchester, ließ sich mit zarten Saitenklängen vernehmen.

„Diese Musik ist einmalig, nie gehört, nie gesehen: so wie die Kinderbilder“

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„Diese Musik ist handgemacht, unvollkommen und hat gerade darin ihren besonderen Charme“, sagt der Leiter der Herrschinger Musiklehrer-Vereinigung, Karl Rellensmann, „sie ist einmalig, nie gehört, nie gesehen: so wie die Kinderbilder, die im Hintergrund überdimensional auf die Leinwand projiziert wurden.“ Wer das Jubiläumskonzert dieser Herrschinger Institution am Sonntagabend besuchte, wurde in eine riesige Songwerkstatt eingeladen. Es war ein rauschender Erfolg für 80 junge Musikerinnen und Musiker mit ihrem Dirigenten Florian Weinhart. Es war ein beschwingter Flug durch 1250 Jahre Herrschinger Geschichte mit Gitarren, Blockflöten, Klavier, Violinen, Bratsche, Celli, Schlagzeug, Trompete und Hackbretter. Zwischen den Stücken poetische Texte über das alte „Horscaningun“ am großen See, gelesen von Annabellle Thiery. Rauschender Beifall für das Orchester und seinen Dirigenten Florian Weinhart. Karl Rellensmann erklärt für herrsching.online-Leser dieses großformatige Musikexperiment.

Die Musik kam nicht von der Stange, sie wurde eigens für dieses Konzert komponiert und war damit auch Teil der musikalischen Erziehung. Keine schräge Klassik, keine Bildungsbürger-Versatzstücke, es war Pop im nichtkommerziellen Gewand. „Pop Musik“, sagt der Leiter der Musikschule, Karl Rellensmann, „ist ein sehr vager Begriff. Und passt zwar vom Stil her (populär, mit-sing-tauglich). Aber eben überhaupt nicht aus einer anderen doch sehr wesentlichen Pop-Perspektive: Es fehlt gänzlich der kommerzielle Aspekt. Eben weil doch die Komponisten selbst ihre (teilweise) Erstlingswerke präsentierten.

Diese Musik ist handgemacht sozusagen, unvollkommen und hat gerade darin ihren besonderen Charme. Weil sie eben einmalig ist, nie gehört, nie gesehen: so wie die Kinderbilder, die im Hintergrund überdimensional auf die Leinwand projiziert wurden.

Wer immer dieses Konzert besuchte, wurde in eine riesige Songwerkstatt eingeladen. Zwischen schier endlosen (und vorhersehbaren) Schleifen von vier, von fünf Akkorden, präsentiert in schwülstigen Dezimen, die man irgendwo schon einmal gehört zu haben meint, schillert plötzlich ein völlig unvorhersehbar flinker Hackbrett-Riff, eine schelmenhafter Einwurf der Blockflöten, eine unerwartete Wendung der sieben grossartigen Cellisten.

Mag sein dass der Coach all dieser Bands (Florian Weinhart), die hier zu einem Riesenorchester zusammenwuchsen, mag sein, dass dieser Coach und Dirigent hier und da in die Zaubertasche eines guten Arrangeurs gegriffen hat: hier und da kleine Sekundreibungen ins Vorhersehbare mischte, oder kleine Ausflüge ins Atonale. Aber wer weiß, vielleicht waren es ja die vielen kleinen Maler selbst, die bei den unzähligen Bandproben in ihre reichhaltigen Klangpaletten griffen, um für popunübliche Überraschungen zu sorgen, man wäre gerne dabei gewesen!

Und ist es doch immer wieder: Dieses Konzert -so fühlen wir – ist »Work in Progress« und damit genau das, was Popmusik eben von Natur aus nicht sein will. Ohrwurm schon, aber doch bitte keiner, der sich im kernigen Gehäuse versteckt. Wir wissen nicht, was dabei herauskommt. Vielleicht ein, zwei, drei großartige Musiker. Aber allem voran: Freude an der Musik. Und das ist nun ist das wesentlich Markenzeichen: »Spaßmusik«, eine Musik als Refugium in eine Zauberwelt, die uns heutzutage solche Orte des Rückzugs beständig vorenthält.“

 

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