Catharina Geiselhart – wäre die was für den Gemeinderat? Die Kulturmanagerin und Vize-Chefin des Kulturvereins kandidiert auf der Liste der Grünen///
In loser Folge stellt herrsching.online Gemeinderatskandidatinnen und Kandidaten vor, die den Herrschinger Gemeinderat bereichern könnten.
Eigentlich ist sie keine Grüne, auch wenn sie auf der Liste der grünen Gemeinderatskandidaten steht: Catharina Geiselhart, 47, lebt seit über zehn Jahren mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Alter von 17, 15 und 8 Jahren in der Seegemeinde. Geiselhart hatte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Ethnologie an den Universitäten Tübingen und Heidelberg studiert und arbeitete viele Jahren als selbständige Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin. Seit 2021 organisiert sie als Vize-Chefin des Kulturvereins Ausstellungen, Lesungen, Kabarett und klassische Konzerte in Herrsching. Zur Zeit ist ein Projekt in Arbeit, das ein eigenes Veranstaltungslabel für Jugendliche und junge Erwachsene auf den Weg bringen soll. Konzerte von aufstrebenden Jugendbands, Poetry Slams oder Open Stage Events sollen dem künstlerischen Nachwuchs in Herrsching neue Bühnen eröffnen.
herrsching.online: Auf einer Wahlveranstaltung der Grünen hat doch tatsächlich eine Herrschingerin beklagt, dass die Seegemeinde zu wenig Kultur biete. Wie kann ein solcher Eindruck entstehen? Oder ist es Münchner Anspruchsdenken, das man dann auch in der neuen Heimat Herrsching pflegt?
Geiselhart: Man kann nicht immer nur bemängeln, dass es etwas nicht gibt. Frei nach dem Ausspruch von JF Kennedy: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann; frage, was du für dein Land tun kannst“ ist jede Bürgerin, jeder Bürger eingeladen, sich zu engagieren und damit genau das in die Gemeinde einzubringen, was ihrer beziehungsweise seiner Ansicht nach fehlt.
Unabhängig davon gibt es hier in Herrsching und im Landkreis Starnberg zahlreiche kulturelle Angebote aus der Region und auf qualitativ hohem Niveau für unsere Region. Sie ergänzen das Angebot der großen Münchner Kulturstätten und stehen nicht in Konkurrenz dazu. Vielleicht muss man sich aber im ländlichen Raum tatsächlich mehr darum bemühen, die passenden Angebote für sich selbst zu entdecken, als in der mit Werbung zugepflasterten Großstadt. Das bedeutet aber mit Sicherheit nicht, dass es zu wenig oder keine kulturellen Veranstaltungen in Herrsching gibt.
herrsching.online: Ist es besonders schwer, im Schatten der Kulturmetropole München kulturelle Pflänzlein hochzuziehen?
Geiselhart: Ich sehe das Kulturangebot in der Gemeinde Herrsching nicht in Konkurrenz zum Angebot der großen Opernhäuser, der Theater, der Ausstellungen und der Konzerthäuser in München. Die Veranstaltungen hier vor Ort in der Gemeinde ermöglichen auch älteren Menschen die Teilhabe am kulturellen Leben, die als Senioren die einstündige Anreise zu einer Abendveranstaltung nicht mehr auf sich nehmen können oder wollen. Die Angebote richten sich an Eltern, die im Notfall rasch daheim bei ihren Kindern sein müssen, oder an Schülerinnen und Schüler, die ein Konzert am Sonntagabend besuchen können, ohne dass sie zu spät ins Bett kommen, um den nächsten Schultag ausgeschlafen bestreiten zu können.
Aus meiner Erfahrung beim Kulturverein wird das hiesige Anbot genau deshalb geschätzt und wahrgenommen. Und mit kontinuierlicher Pflege. Der Kulturverein Herrsching organisiert nun schon seit 20 Jahren Veranstaltungen in Herrsching. Und so wächst und gedeiht das kulturelle Pflänzlein auch.
Sehr wünschenswert wäre meines Erachtens allerdings, die Kulturarbeit in der Gemeinde mit einem offiziellen Kulturamt zu verankern und nicht nur im Ehrenamt mit Kulturreferenten und Kulturverein zu besetzen. Das würde die Wertschätzung von Kultur in der Gemeinde um ein Vielfaches in der Wahrnehmung der Bürger steigern und die kontinuierliche Veranstaltungsarbeit sichern und sichtbarer machen.
herrsching.online: Sie sind ehrenamtliche Kulturmanagerin in Herrsching und streben in den Gemeinderat: Braucht die Kultur in der Gemeinde tatsächlich mehr Lobbyarbeit?
Geiselhart: Auf jeden Fall. Kultur ist oft das Herz einer Gemeinde, aber sie braucht auch inhaltliche und finanzielle Unterstützung, um erfolgreich sein zu können. Mehr Lobbyarbeit könnte helfen, Ressourcen zu generieren und Aufmerksamkeit zu schaffen, damit Kulturprojekte und -initiativen ausgebaut werden können. Es geht darum, die Bedeutung von Kultur für die Gemeinschaft hervorzuheben und Entscheidungsträger, in dem Fall den Gemeinderat, davon zu überzeugen, dass es sich für die Gesellschaft lohnt, in Kultur zu investieren. Ein vielfältiges und gut organisiertes Kulturangebot ist immer auch ein großes Renommee für eine Gemeinde wie Herrsching mit touristischem Fokus.
herrsching.online: In Zeiten knapper Kassen sind viele Gemeinden schnell beim Kürzen des Kulturetats. Warum könnte das ein kapitaler Fehler sein für das Gemeinwesen?
Geiselhart: Knappe Kassen sind grundsätzlich schwierig für eine Gemeinde, nicht nur im Kulturbereich. Da wird leider immer zuerst bei den sozialen Projekten gekürzt, sei es die Unterstützung von Vereinen oder Familien und im Bildungsbereich.
Ich sehe Kultur als den Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Sie gibt uns Identität, fördert Verständnis und Toleranz und bringt Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Generationen zusammen. Durch Kultur können wir unsere Geschichte, Werte und Traditionen teilen und neue Perspektiven gewinnen. Kulturelle Veranstaltungen inspirieren, bilden und schaffen Gemeinschaft. Das ist der Stoff, aus dem eine starke Gesellschaft gemacht ist. Wenn also der Kulturetat gekürzt wird, geht ein wesentlicher Teil des gesellschaftlichen Miteinanders verloren, der langfristig gravierende Auswirkungen in einer Gemeinschaft haben kann. Ansatzweise war das in den durch Corona geprägten Jahren schon spürbar. „Ohne Kultur wird es still“ war damals ein verbreiteter Ausspruch. Still und einsam. Und in der Einsamkeit wächst nicht nur Positives, sondern es wachsen leider auch Hass, Fanatismus und Radikalisierung ohne Korrektiv.
herrsching.online: Welche Projekte im Kulturkalender sind besondere Highlights, auf die Sie sich freuen?
Geiselhart: Zwei mehrwöchige Ereignisse bestimmen den Herrschinger Kulturkalender dieses Jahr: Erstens die beiden Festwochen von 7. bis 21. Juni anlässlich der 1250 Jahrfeier Herrsching mit zahlreichen Konzerten und Veranstaltungen im Festzelt und einer zweiwöchigen kulturhistorischen Ausstellung im Kurparkschlösschen mit spannenden Objekten aus dem Herrschinger Gemeindearchiv, die die 1250-jährige Herrschinger Geschichte für die Besucher lebendig werden lässt.
Und zweitens, darauf freue ich mich als Kunsthistorikerin ganz besonders, präsentiert der Kulturverein Herrsching ab Mitte Oktober anlässlich seines 20. Jubiläums die Ausstellung „Unbekannte Werke Lenbachs“. Eine wirklich einmalige Gelegenheit, für drei Wochen einzigartige Werke aus einer Privatsammlung des bekannten Malers Franz von Lenbach im Kurparkschlösschen Herrsching einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
herrsching.online: Was hat Sie auf die Liste der Grünen geführt? Ideologische Nähe, ökologische Agenda oder die bessere Chance, als Frau einen vorderen Platz zu bekommen?
Geiselhart: Nachdem ich Ende September 2025 von mehreren parteilichen Seiten gefragt worden bin, ob ich mich nicht als Kandidatin für den Gemeinderat auf ihrer jeweiligen Liste aufstellen lassen wolle, habe ich offene Gespräche mit allen geführt.
Mir geht es darum, meine Kompetenzen für die Belange der Herrschinger Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinderat einzubringen, unabhängig und authentisch. Meine persönlichen Werte als parteifreie Kandidatin sind zukunftsgerichtete Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und kulturelle Vielfalt, und diese Werte konnte ich bei meiner Vorstellung an der Aufstellungsversammlung der Grünen darlegen und wurde auf den Listenplatz 5 gewählt.
herrsching.online: Man ahnt es schon, aber trotzdem die Frage: Warum wäre der Gemeinderat ohne Sie ärmer?
Geiselhart: Im Gemeinderat kann ich aus meinem ehrenamtlichen, beruflichen sowie familiären Erfahrungsspektrum heraus drei Themen kompetent vertreten: Kultur, Bildung und die Belange von Familien. Unsere Gemeinde braucht neben guten Schulen auch nachhaltig gestaltete Lebensräume und ein vielfältiges kulturelles Angebot für alle Generationen. Kultur verbindet, Bildung stärkt, soziale Gerechtigkeit hält unsere Gesellschaft zusammen.



