Christen lieben Gleichnisse, und Ulrich Haberl macht da keine Ausnahme. In seiner Faschingspredigt 2026 bemühte der evangelische Pfarrer in Herrsching einen satirischen Vergleich, um die Mafiamethoden eines blondierten Greises in Amerika zu geißeln.
„Tja, meinem Freund, dem Dekan Rapp/ geh’n heute ein paar Gläubige ab“, reimte Haberl am Sonntag, die Narrenkappe auf dem Kopf, „heut in dem schönen Gotteshaus dort drüben in St. Nikolaus. Sein Tempel dort/sieht man es recht/ gefällt mir gar nicht mal so schlecht/ St. Nikolaus ist deutlich größer als unsre schucklige Erlöserkirche.“ Herr Pfarrer, Neidattacke unterm Talar? „Auch würde es mich sehr reizen/ Die Hütte dort ist gut zu heizen.“ Und da erwacht die böse Habgier: „Felsenfest ist drum mein Entschluss, dass ich den Schuppen haben muss/Für Auftritte mit Narren-Witzen/muss ich St. Nikolaus besitzen/Ich werd‘ es mit dem Riesenhaufen/von Zolleinnahmen einfach kaufen/Mit mir als Pfaffen, alter Falter, beginnt dort ein gold‘nes Zeitalter/Ist das nicht toll, total gigantisch/Herrsching wird endlich protestantisch/Zur Warnung! – Sollte es so laufen/Ihr Kathos woll‘t gar nicht verkaufen …/Dann kann ich den Einsatz von fiesen Methoden nicht gänzlich ausschließen/Ich könnte die Konfis aufhetzen,
die dann Sankt Nikolaus besetzen/Ja, ihr hört recht: Tatsächlich droht/
ein Übernahme-Angebot/das Dekan Rapp, der gute Mann/auf keinen Fall ablehnen kann.“ Dann folgt die Auflösung des bösen Spiels: „Das klingt jetzt etwas mafiös/Aber ich meine es nicht bös/Ihr habt‘s bemerkt? Ich zeichne nur/als Narr eine Karikatur.“
Damit legitimiert ist, warum man in der Kirche auch mal lachen darf, hat Haberl theologisch schlüssig nachgewiesen, dass Gott tatsächlich Humor hat. Das wusste vor ihm aber schon Kurt Wilhelm („Brandner Kasper“); „D’Maria lacht immer no.“


