Der vorgesehene Bohrplatz wurde gutachterlich geprüft.

Geothermie: „Ein besserer Bohrplatz exisitiert nicht“

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Es gibt Politik-Nerds, die behauptet: Ein Wahlkampf verdient seinen Namen nur, wenn die Rechtsanwälte aufmarschieren. Bisher war das Werben um Wählerinnen und Wähler in Herrsching eher ein wohltemperiertes Kaffeekränzchen – doch plötzlich wird’s hitzig. Die Herausforderin Karin Casaretto hatte Bürgermeister Schiller bei einem Wahlkampfauftritt vorgeworfen, die in der Planung schon weit fortgeschrittene Tiefengeothermie werde in Herrsching seit Jahren „behindert“. Diesen Vorwurf wiederum ließ der Bürgermeister nicht auf sich sitzen und konterte im Fachmedium für technische Kompetenz und gepflegte Umgangsform, Instagram, mit einem „Wahlkampf-Faktencheck“.

Die Firma Erdwärme-Herrsching GmbH & Co mit Sitz in Herrsching hat Schiller daraufhin in einer Replik „geschäftsschädigende Inhalte und Falschaussagen“ vorgeworfen und ihn aufgefordert, den Post zu löschen. Außerdem kündigt die Firma rechtliche Schritte an.

herrsching.online hat die einzelnen Argumente von Schiller und dem Projektträger gegeneinander gestellt.

Erster Punkt: Schiller sagt: Erst im März 2025 ist der Hauptbetriebsplan vom Betreiber (von der Erdwärme-Herrsching GmbH & Co; Red) eingereicht worden. Seither wisse man, wo der Bohrplatz entstehen solle: „Wir befinden uns am Ende vom Mitterweg circa mitten im Herrschinger Moos 50 Meter vom Herrschinger Moor entfernt und cirka 50 Meter vom nächsten Biotop entfernt.“

Dazu hat uns die Managerin von Erdwärme-Herrsching, Sophie Birner, eine Stellungnahme geschickt:

„In seinem Video behauptet Bürgermeister Schiller, der Projektstandort befinde sich „mitten im Herrschinger Moos“ und sei lediglich 50 Metern zum Herrschinger Moor entfernt. Diese Darstellung ist falsch. Die geplanten Flächen liegen auf landwirtschaftlich genutztem Ackerland, außerhalb ausgewiesener Schutzgebiete und nicht im Naturschutzgebiet Herrschinger Moos. Sämtliche eingereichten Fachgutachten bestätigen die Einhaltung aller gesetzlichen Abstands- und Schutzvorgaben und sind in den Anlagen des veröffentlichten Hauptbetriebsplans öffentlich einsehbar. Eine Gefährdung von Flora, Fauna oder schützenswerten Lebensräumen besteht nicht.“

Nächster Vorwurf Schillers: „Auf dieser Fläche sollen 6000 Quadratmeter versiegelt werden und dann eben der Bohrplatz entstehen, aber auch die zukünftigen Kraftwerksgebäude sollen hier errichtet werden. Gleichzeitig braucht man eine Erschließung, die ein paar hundert Meter lang sein sein. Eine schwerlastfähige Straße soll hergebaut werden.“

Dazu die Erdwärme-Stellungnahme:

„Irritierend sind auch die Aussagen zur erwähnten Erschließung, kommend von der Seefelder Straße auf den Mitterweg. Das zugrunde liegende Erschließungskonzept wurde im Mai 2025 auf ausdrückliche Anforderung von Bürgermeister Schiller und der Gemeindeverwaltung in einem offiziellen Termin gemeinsam mit dem Projektträger erarbeitet. Die nun geplante Umsetzung der alternativen Erschließung, kommend von der Seefelder Straße auf den Bohrplatz, entspricht der seinerzeit abgestimmten Wegeführung mit Herrn Schiller und wurde daraufhin vom Projektträger über Monate hinweg bis zur Umsetzungsreife vorbereitet.”

Vorschlag Schiller: „Also ich bin der Meinung, da gibt es einen besseren Platz. Und viele befürchten auch negative Umwelteinflüsse. Und darüber sollten wir nochmal sprechen.“

Was sagt der Projektbetreiber dazu:

„Der vom Bürgermeister Schiller im Post genannte „bessere Platz“ existiert nicht. Die entsprechenden fachlichen Bewertungen liegen Herrn Schiller als Beteiligten des Verfahrens schriftlich vor. Ein Bohrstandort ist zwingend an die geologischen Gegebenheiten gebunden. Das im Kommentar von Herrn Schiller erwähnte Krankenhausareal steht laut Stellungnahmen des Landratsamts Starnberg nicht zur Verfügung. Auch die planungsrechtliche Sperrwirkung dieser Flächen für ein Tiefengeothermieprojekt (Sondergebiet Klinik gemäß geltendem Flächennutzungsplan) wurde von Herrn Schiller nicht erwähnt.“

Zusammenfassend schreibt die Firma: „Die Tiefengeothermie ist seit 2026 gesetzlich als Vorhaben von überragendem öffentlichen Interesse eingestuft, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zukünftig zu gewährleisten. Derzeit sind rund 85 Prozent der Herrschinger Haushalte weiterhin auf fossile Energieträger wie Gas und Öl angewiesen.

Das Gasnetz in Herrsching wird laut der kommunalen Wärmeplanung aus 2025 von der Energienetze Bayern betrieben. Jede weitere Verzögerung oder Blockade des Projekts zementiert diese Abhängigkeit über Jahre hinweg – zulasten der Bürgerinnen und Bürger Herrschings für eine regionale, grundlastfähige zusätzliche Wärmealternative. Der Projektträger appelliert an Bürgermeister Schiller, im Wahlkampf zu einer faktenbasierten und verantwortungsvollen Debatte zurückzukehren.“

 

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