Zyniker würden behaupten: Im Containerdorf für Asylsuchende muss es schön sein, sonst würden es nicht soviele Menschen dort so lange aushalten. Das ist Zynismus pur, weil viele anerkannte Flüchtlinge keine geeignete Wohnung im Landkreis finden und auf die provisorischen Unterkunft angewiesen sind: 55 Bewohner, das sind 44 Prozent der Bewohner, sind inzwischen anerkannt und haben deshalb auch Anspruch auf ein „eigenes“ Dach überm Kopf.

Die Belegungszahlen haben sich deshalb nicht deutlich verändert. Wie die Gemeinderätin Hannelore Doch (CSU) in der Gemeinderatssitzung mitteilte, leben in der Asylbewerber-Unterkunft Herrsching inzwischen 123 Personen – nur zehn weniger als vor einem Jahr. Und in Breitbrunn warten neun Personen mehr als vor einem Jahr auf eine Wohnung oder auf den Abschluss des Asylverfahrens.
Um den anerkannten Flüchtlingen ein eigenständiges Dach überm Kopf zu besorgen, vermittelt die Plattform raum geben.net Wohnungen: Stand Januar 2026 haben die ehrenamtlichen „Sozialmakler“ um den Breitbrunner Georg Strasser rund 75 Wohnungen für mehr als 160 Personen vermitteln können. Weitere Angebote seien laufend in Prüfung. Bislang seien die Erfahrungen sehr gut. In vielen, nicht in allen Fällen, helfe auch das Jobcenter bei der Finanzierung, heißt es auf der Website.
In Herrsching leben wie vor einem Jahr 17 Familien in den stählernen Schachteln, 39 Personen sind Alleinreisende (acht weniger als vor einem Jahr), 37 sind männlich, 32 weiblich. Und, diese Zahl geht ans Herz, 54 Kinder warten auf eine bessere Zukunft.
Bei den Nationalitäten liegt der Schwerpunkt auf Afghanistan, jenem Land mit den krassesten Menschenrechtsverletzungen. Jeweils elf kommen aus Nigeria und dem Kongo. Nur vier Syrer beherbergt das Containerdorf. Aus der Ukraine stammen zehn Flüchtlinge.
Spannend ist die Arbeitsmarktstatistik, die Hannelore Doch recherchiert hat: Von den 69 Erwachsenen gehen 20 einer Vollzeitbeschäftigung nach, acht sind in Teilzeit beschäftigt, vier absolvieren eine Ausbildung. 37 Kinder von Asylbewerbern gehen inzwischen zur Schule, 17 Kinder sind noch im Vorschulalter. Im Herrschinger Containerdorf sind 55 Bewohner anerkannte Flüchtlinge, das sind 44 Prozent der Menschen.

In Breitbrunn in einem Gebäude des Klosters leben zur Zeit 74 Personen, neun mehr als Anfang 2025, davon sind 24 Kinder. Auch hier sind die Afghanen die dominierende Volksgruppe (29), zehn kommen aus Syrien, sechs aus der Ukraine. Aus dem Bürgerkriegsland Jemen haben es sechs Personen nach Breitbrunn geschafft. In Breitbrunn stehen sogar 22 Asylbewerber in Lohn und Brot, das sind immerhin 29 Prozent.



