Immer wenn die Temperaturen den Gefrierpunkt erreicht haben, kramen Wasserwacht, DLRG und andere halbamtliche Rettungsdienste ihre Pressemitteilungen vom Vorjahr heraus und warnen vor den Schlittschuhfreuden auf den zugefrorenen Seen. Das Eis müsse mindestens 15 Zentimeter dick sein, behaupten sie. Erfahrene Schlittschuhläuferinnen wie die ehemalige Landtagsabgeordnete Ruth Paulig wundern sich über solche Kassandrarufe. „Wir wollen ja nicht mit dem Auto aufs Eis“, meinen erfahrene Eisläufer trocken: 15 Zentimeter dickes Eis trägt einen Kleinwagen locker. Aber das ist natürlich nicht das richtige Gefährt für einen gefrorenen See – früher gehörte der zugefrorene Wörthsee den DN-Schlitten, die mit bis zu 100 km/h über das Spiegeleis flitzten.
Unser Foto entstand im Winter 2014, der ganze Wörthsee gehörte allen, die Kufen unter den Schuhen oder unterm besegelten Schlitten besaßen. Die Schlittschuhläufer verfolgten unterm Ufereis die Fischchen, die vor den großen Schatten flüchteten, den Kufengleitern glitt ein seliges Lächeln übers rote Gesicht. Ja, es waren königliche Wintertage, an denen der See vergesellschaftet wurde und nicht nur privilegierten Villenbewohnern gehörte. Dass die Lufttemperatur am Freitag schon wieder Pluswerte erreicht, könnte uns ein königliches Vergnügen vermiesen.



