Ein Zuschauer, der die letzte Gemeinderatssitzung erschöpft verließ, fragte einen ebenso mitgenommenen Gemeinderat: Bekommt man eine Spendenquittung, wenn man der Gemeinde eine milde Gabe zukommen lässt? Tatsächlich wirkte die Vorstellung des Haushalts ’26 fast wie ein Spendenaufruf. Die Gemeinde rechnet mit 32,3 Millionen Erträgen – das sind mutmaßlich 1,7 Millionen weniger als in diesem Jahr. „Eine noch nie dagewesene Situation“, meinte Bürgermeister Schiller, „die große Rückzahlung an Gewerbesteuern und die Erhöhung der Kreisumlage sind leider nicht beeinflussbar.“ Kein Bereich bleibe deshalb von Streichungen und Kürzungen fürs nächste Jahr verschont.
Obwohl die Zuschüsse für die 100 Vereine in Herrsching überschaubar sind, haben sie hohe politische Sprengkraft: Rund 600 000 Euro spart die Gemeinde durch das Streichkonzert ein. Wenn ein Verein aber wegen mangelnder Unterstützung in Existenznot gerate (wie zum Beispiel die Flüchtlingshilfe „Wir schaffen das“) solle man sich ans Rathaus wenden.
Um der Kommunalaufsicht in Starnberg einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können, muss die Gemeinde, so Schiller, nicht nur heftig sparen, sondern auch ein gemeindeeigenes Grundstück verkaufen. Deshalb giltg ab 1. Januar 2026 eine Haushaltssperre – das Rathaus darf nur unumgängliche Ausgaben machen. Sobald die Tinte unter dem notariellen Grundstücksverkauf aber trocken ist, kann sich die Gemeinde wieder aus der Kuratel des kommunalen Fiskalrechts befreien.
Kämmerin Miryam Goodwin, der frühere Haushalte mutmaßlich mehr Spaß machten als der Krisen-Etat ’26, hatte die Zahlen wieder anschaulich und transparent in vielen Schaubildern dargestellt. Die erfreuliche Botschaft vorab: Die Beteiligung an der Einkommenssteuer wird im nächsten Jahr sogar um 400 000 Euro steigen, weil Herrsching Heimat vieler Gutverdiener ist. Goodwin rechnet mit 10,6 Millionen – das ist fast ein Drittel der gesamten Erträge. Auch die übrigen Steuereinnahmen sind im sanften Höhenflug.

Der Kummerkasten der Kämmerin aber bleiben im Augenblick die Gewerbesteuern. Wenn Betriebe weniger Gewerbesteuern bezahlen, ist das meist ein Indikator für eine fußkranke Konjunktur – oder aber eine Folge hoher Kreativität der Steuerberater bei internationalen Konzernen. Jedenfalls musste die Gemeinde eine Rückzahlung in Höhe von 600.000 Euro schlucken. (Dies beeinflusst die Steuerkraft des Jahres 2027, aus der dann übrigens auch die Kreisumlage errechnet wird.)
2026 rechnet Goodwin mit einer weiteren Rückzahlung von 1,9 Mio. Euro sowie um 600.000 Euro geringere Vorauszahlungen (dies macht die Kreisumlage des Jahres 2028 kleiner). Deshalb sieht die Säulengrafik für die Entwicklung der Gewerbesteuern einigermaßen schockierend aus: Die Gemeinde rechnet fürs kommende Jahr nur noch mit 7,8 Millionen Steuern.

Bei den Aufwendungen der Gemeinde stechen besonders der Umlagen für den Landkreis ins Auge. Im nächsten Jahr wanden statt 11 Millionen 11,4 Millionen in den Kreishaushalt nach Starnberg. Das sind 55,8 Prozent aller Gemeindeerträge. Man stelle sich vor: Vom eigenen Gehalt werden über 55 Prozent abgezogen – kein Grund zur Freude. Dass die Umlage im Jahre 2027 auf 12 Millionen ansteigt, macht die Sorgen der Kämmerin nicht kleiner.

Unterm Strich bleibt aber doch ein positives Jahresergebnis: Gesetzt den Fall, das Grundstück findet einen Käufer, stehen im Jahre 2026 10 984 Euro auf der Habenseite. Bei 32 Millionen Erträgen fast ein symbolischer Betrag.


