Dieses niedliche Haus an der Promenade bekommt einen großen Nachbarn.

Welte: Für Promenade gab es fertigen Bebauungsplan

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Der ehemalige CSU-Gemeinderat Willi Welte schimpfte wie ein Rohrspatz: „Der Bau-Wahnsinn geht weiter und wird sich auch nicht aufhalten lassen, da die Gemeinde nicht willens ist, Bebauungspläne aufzustellen.“ Anlass seines Zornes ist die Bauvoranfrage eines Bauwerbers, der auf dem Areal der Fischerei Stumbaum zwischen Summerstraße und Promenade anstelle eines Wohnhauses an der Summerstraße und der dahinter liegenden Holzhütten ein viergeschossiges Gebäude bauen will, das zehn Meter hoch ist und 420 Quadratmeter Grundfläche umfasst. Weil für diesen Gemeindeteil kein gültiger Bebauungsplan besteht, kann sich der Bauwerber auf das nachbarliche Ammerseehotel beziehen. Selbst wenn sie wollte, hätte die Gemeinde keinerlei Handhabe mehr, den ziemlich dominanten Neubau zu verhindern.

Anders bei einem Bebauungsplan, der – zumindest bis jetzt – strenge Vorgaben machen darf. Dabei, so Welte, „liegt für den Bereich der Seepromenade vom Hotel Seehof bis zum Schloß Mühlfeld ein teurer Bebauungsplan-Entwurf in der Schublade der Bauverwaltung“. Das ist korrekt, wie der Leiter der Bauabteilung im Rathaus, Oliver Gerweck, herrsching.online bestätigte. Auf Anfrage der Redaktion teilte er mit: „Im Jahr 2006 wurde ein erster Entwurf erarbeitet und auch vom Gemeinderat gebilligt. Dieser ist jedoch nie in ein offizielles Verfahren überführt worden und hat daher auch nicht den Status eines Bebauungsplans erreicht.“

Warum der B-Plan in der Schublade verschwand, teilte er nicht mit. Christian Schiller kam 2008 als Bürgermeister ins Amt. Dass Schiller kein großer Freund von Bebauungsplänen ist, hat er in Gemeinderatssitzungen mehrfach durchblicken lassen. Welte gab in seinem Kommentar dem Gemeinderat und planenden Architekten für das Stumbaum-Gelände dann noch einen mit: „Vom Gemeinderat und Architekten Christoph Welsch hätte ich mir eine angemessenere Planung gewünscht.“
 



9 Comments

  1. Was für eine traurige Entwicklung. Die Promenade ohne Bootsverleih. Das war nicht im Sinn vom Toni Stumbaum und ist ein Schock für alle die am Bootsverleih aufgewachsen sind. Ich bitte die Bauherrin das nochmal zu überdenken.
    Geld und noch mehr Geld macht nicht glücklich.

  2. Wenn Banken nur Profitmaximierung interessiert , statt Dienstleistung zu erbringen. Wenn die Gemeinde Herrsching keinen Gestaltungswillen zeigt (Bebauungsplan!) und sich ohmächtig zur Ruhe setzt wird Herrsching am Ammersee keinen Bootsverleih mehr haben. Das ist wie wenn der Tennisverein keine Bälle mehr hat.

    • Ich möchte es anders formulieren. Das obige bitte streichen:

      Für mich gehört ein Bootsverleih zum See wie die Bälle zum Tennisplatz. Wäre doch schön, wenn alle miteinander, also die Banken, die Gemeinde und der Bauherr eine Lösung finden.

  3. Die von Herrsching online zitierte Aussage von Herrn Welte:„Vom Gemeinderat und Architekten Christoph Welsch hätte ich mir eine angemessenere Planung gewünscht.“ möchte ich noch insoweit ergänzen, dass Herr Welsch (Grüne) als Gemeinderat zusammen mit Frau Gruber (BGH) gegen eine zweigeschossige Bebauung (EG+OG) des Herrschinger Segelclubs HSC gestimmt hatten, da es beiden Gemeinderäten zu hoch geplant war.
    Aber was interessiert „mich mein Geschwätz von gestern“ haben sich nun beide Gemeinderäte als Hauptakteure (Herr Welsch als Architekt und Frau Gruber, die dort lebt) dieses Bauvorhabens gedacht, und gleich ein 2. OG als Vollgeschoss und ein Dachgeschoss (kein Vollgeschoss) bei der Planung draufgesattelt. Tja, da sollte Frau/Mann darüber nachdenken.

    • Durchaus empfehlenswert ist auch die Lektüre der Bauausschuss-Protokolle. Viele der überdimensionierten Bauvorhaben in Herrsching wurden durch die Architekten Puntsch (FDP) und Welsch (Grüne) geplant.

    • Lieber Herr Feuerherdt,
      schade, dass Sie sich in ihrem Kommentar nicht erkundigt haben, wie die Faktenlage ist:
      Christoph Welsch ist nicht der Planer und ich bin nicht die Bauherrin.
      Christoph Welsch und ich haben im Bau-Ausschuss beide als indirekt Betroffene nicht an der Abstimmung teilgenommen.
      Beide von Ihnen erwähnten Fälle betreffen allerdings in erheblichem Maße das Ortsbild unserer Seepromenade – hier verschwinden traditionsreiche und viel fotografierte Ensembles, die ich als Zeitzeugen vermissen werde.
      Herzliche Grüße
      PS: Dabei bin ich im Gegensatz zu Ihnen nicht mal hier, sondern auf der anderen Seeseite aufgewachsen

  4. Wieder ein Grund mehr für einen Wechsel in der Rathausspitze. Und auch einige Gemeinderäte scheinen vergessen zu haben, wessen Vertreter sie sind. HERRSCHING HAT MEHR VERDIENT. Wählerinnen und Wähler haben es in der Hand, der Gemeindepolitik endlich die längst überfällige Wende zu geben.

  5. Bei dieser Lage ist bestimmt kein bezahlbarer Wohnraum eingeplant. Willi Weltes Zorn über diesen Bauwahnsinn ist völlig gerechtfertigt. Ich bin hier aufgewachsen und lebe seit 54 Jahren hier. Es hat sich vieles zum Negativen verändert. Das Ortsbild wird durch solche Bauten verschandelt. Von der Bezahlbarkeit will man gar nicht mehr sprechen. Ein einst beschaulicher Ort, der er schon längst nicht mehr ist.

  6. Und wie viel bezahlbarer Wohnraum ist dabei eingeplant? Um den Schrecken über dieses Bauvorhaben vielleicht ein wenig eindämmen zu können?

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