Die braune Vergangenheit Herrschings bringt die Vorbereitungen zum Jubelfest „1250 Jahre Herrsching“ in Nöte. Der Festkalender enthält Bilder, auf dem Nazi-Funktionäre bei der Grundsteinlegung der Finanzschule den Hitlergruß zeigen. Gemeinderat Uli Sigl (SPD) hatte in einer Anfrage im Gemeinderat dieses Bild mit dem Bemühen Herrschings, NS-belastete Straßennamen zu ändern, in Verbindung gebracht. Er verstehe nicht, sagte Sigl sinngemäß, dass man Straßennamen umbenennen wolle und solche Bilder im Festkalender zeige. Wie der Vorsitzende des Orga-Vereins, Ludwig Darchinger, herrsching.online mitteilte, haben Vereinsvorstände des Jubiläumsvereins nun beschlossen, das Blatt im Kalender auszutauschen gegen unverfänglichere Fotos. Darchinger betonte herrsching.online gegenüber, er sei gegen einen Austausch, weil die Bilder Zeitdokumente seien und zeigten, dass das damals „keine gute Zeit war“. Mit dem Komplex der Straßenumbenennungen hätten die Fotos nichts zu tun. Man habe aber dem Druck einiger Leute nachgegeben, die sich über die Kalenderseite ereifert hätten. Die Gemeindearchivarin Dr. Friederike Hellerer sagte herrsching.online, dass sie nicht über den Austausch der Seite informiert worden sei.
Von dem Kalender sind rund 1000 Exemplare gedruckt worden. Wie der Austausch der beanstandeten Seiten bei einem Ringkalender mit Spiralheftung technisch funktioniert, ist im Augenblick wohl noch nicht geklärt.

Der Vorstand des Vereins 1250 Jahre Herrsching besteht aus Ludwig Darchinger, Jörg Ellinger und Alexander Tropschug. Tropschug teilte im Gespräch mit herrsching.online mit, dass zwei Seiten ausgetauscht werden sollen. Der Auslöser für den Austausch sei von einigen Gewerbetreibenden ausgegangen, die sich geweigert hätten, den Kalender zu verkaufen. Er ist der Meinung, dass einige Fotos auf der beanstandeten Seite „unglücklich“ gewählt worden seien. Dass sich einige Herrschinger weigern würden, den Kalender mit den Fotos aus der Nazizeit an die Wand zu hängen, sei nachvollziehbar. Tropschug erwähnte noch, dass sich mehr als 80 freiwillige Helfer für die Organisation der Jubelwochen vom 7. bis zum 21. Juni zur Verfügung stellen würden.





Die Kommentare zeigen, daß viele nicht im Ansatz verstehen, worum es geht. Man hängt keine unkommentierte Nazipropaganda ins Wohnzimmer! Und die Fotos sind Propagandabilder! bewusst inszeniert. Wenn es, wie behauptet, um die Darstellung der Realität ginge, dann müsste auch (zB in einer Collage) die andere Seite gezeigt werden: Konzentrationslager, Opfer der Nazis und Vernichtungskrieg.
Schon erstaunlich, daß man bei über 1000 Jahren Geschichte für einen Sommermonat kein fröhlicheres Thema gefunden hat. Und die Nazizeit zB im Januar abhandelt- und vlt auch mit einer Persönlichkeit, die sich GEGEN die Nazi gestellt hat.
Aber vielleicht gibt es nach wie vor zu viele Braune, die gern so einen gescheitelten Nazi mit Hakenkreuz im Wohnzimmer hängen haben.
Die NS Vergangenheit durch die Entfernung von Fotos aus dem 1250 Jahres Kalender verleugnen zu wollen ist ein unnützes Erinnerungszeichen in der heutigen digitalen Zeit. Symbolisch genauso, wie der leere Lorbeerkranz mit dem herausgeschlagenen Hackenkreuz über dem Eingang der Finazhochschule. Der übergroße Adler wirkt immer noch einschüchternd über dem Eingang.
Danke an Frau Dr. Hellerer, das sie diese Zeit für immer in unser Gedächtnis zurückholt durch ihre großartige Archivarbeit. Diese Daten sind für immer für jeden zugänglich und können nicht mehr ignoriert werden.
Den Zusammenhang zwischen der Umbenennung NS-belasteter Straßen und der Verwendung historischer Fotos im Festkalender halte ich für ziemlich konstruiert.
Mit einem Straßennamen wird eine Person aktiv geehrt. Deshalb ist es völlig nachvollziehbar, Straßennamen zu ändern, wenn sie Personen würdigen, die während der NS-Zeit schwer belastet waren.
Etwas völlig anderes ist die Darstellung historischer Tatsachen. Die Fotos im Festkalender stellen doch keine Ehrung dar, sondern zeigen ein Stück unserer Geschichte – und dazu gehört nun einmal auch der Nationalsozialismus. Gerade weil diese Zeit „keine gute Zeit war“, wie im Artikel betont wird, ist es wichtig, solche Dokumente nicht zu verstecken, sondern einzuordnen. Verdrängung schafft kein besseres Geschichtsbewusstsein.
Schade. dass die Redaktionsverantwortlichen dem Druck von ein paar Personen, die offensichtlich an allem etwas auszusetzen haben, nachgegeben haben. Dieses Thema gehört genauso zur Geschichte Herrschings wie die anderen 11 Beiträge. Bin gespannt, was als nächstes angeprangert wird.
Richtigerweise müsste das Jubelfest dann „1238 Jahr Herrsching“ heißen, wenn man die Zeit zwischen 1933 und 1945 ausklammert
„Aus den Augen aus dem Sinn“scheint mir wenig hilfreich wenn sich die Gemeinde gegen rechtslastige Gesinnung der Vergangenheit ( und Gegenwart) positionieren möchte.
Bei 43,9% Stimmen in der Reichtagswahl 1933 und 8,1 Millionen NSDAP Mitgliedern, würde mich in der Festagsschrift auch interessieren, wie es zu dieser Zeit in Herrsching aussah. Sollte Frau Dr.Hellerer dazu im Rahme der 1250 Jahre Herrsching Feier etwas ausarbeiten wollen, würde ich das sehr begrüßen.
Statt NS belastete Strassennamen verschwinden zu lassen, könnten z.B. Zusatzschilder den Kontext erklären und die Gemeinde ein klares Statement setzen, gibt es schon ganz in der Nähe z.B. für einige Augsburger Straßen.
Ich stimme Ludwig Darchinger zu, es ist ein Armutszeugnis, das besagte Bild aus dem Kalender zu nehmen. Was das mit den geänderten Strassennamen zu tun haben soll, kann uns wohl nur Uli Sigl erklären.