AWA-Chef Maximilian Bleimaier beim Grundwasser-Check im Rieder Wald. Der Spiegel lag am Mittwoch nur um 2 Zentimeter unter der letzten Monatsmessung

„Wir haben keinen Wasserstress”

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AWA-Chef Bleimaier bleibt trotz Regen-Defizit ruhig: Die Brunnen sind noch ausreichend gefüllt//

Wenn’s schlecht läuft, steht den Menschen das Wasser bis zum Hals. Bei den Wasserwerken Bayerns ist es umgekehrt: Wenn der Regen ausbleibt, könnten die Brunnen einen trockenen „Hals” bekommen. herrsching.online hat deshalb einigermaßen besorgt den Chef der „Ammerseeer Wasser und Abwasserbetriebe (AWA)” gefragt: Müssen wir bald Wasser sparen? Maximilian Bleimaier kann Entwarnung geben: „Wir haben keinen Wasserstress”. Den Chef der 7 Brunnen, die Herrsching und 6 Nachbargemeinden mit dem wichtigsten Nahrungsmittel versorgen, haben wir zu einer Grundwasserkontrolle in den Rieder Wald begleitet.

herrsching.online: Herr Bleimaier, die Sonne ist nach einem langen Winter hoch willkommen. In diesem Jahr aber macht sich jeder im Landkreis Sorgen um die Wasserversorgung. In diesem Jahr fielen bisher 40 Millimeter Regen, im Vorjahr waren es 108 Millimeter, 2018 sogar 187. Der Ammerseespiegel liegt 18 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel: Wieviel Dürre können wir uns noch leisten, bis das Wasser knapp wird?

Im Mai 2013 hat der Grundwasserspiegel den Gipfel erklommen – AWA-Chef Bleimaier hat zeigt den Peak in der Statistik

Bleimaier: In der Tat – wenn man diese Zahlen liest, will man nicht unbedingt Freudensprünge machen. Beruhigend ist jedoch, dass der Gesamtniederschlag in unserem Verbandsgebiet jährlich stets über 1000 Millimeter pro Quadratmeter liegt, was auch dem südbayerischen Mittel entspricht. Im Vergleich zum Norden Bayerns sind wir gesegnet. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn der Regen gleichmäßiger auf unseren bayerischen Boden trifft und nicht in Form von Starkniederschlägen.

herrsching.online: Wieviel Wasser haben Ihre 7 Brunnen noch?

Bleimaier: Genügend, um weiterhin alle unsere 36 000 Bürgerinnen und Bürger mit Trinkwasser in bester Qualität zu versorgen. Einen Wasserstress verzeichnen wir nicht. Soll aber nicht bedeuten, dass man deshalb nicht umsichtig sein muss.

herrsching.online: Kürzlich ging eine klimawissenschaftliche Studie durch die Medien, die zu der Erkenntnis kam, dass Bayern in Zukunft mit weniger Regen rechnen müsse. Wie stellt sich die AWA auf diesen künftigen Mangel ein?

Landwirtschaft, Bau und Kieswerke sind Nutzungskonkurrenten

Bleimaier: Um auch zukünftig eine Versorgungssicherheit zu schaffen, investieren wir sehr viel Geld in sogenannte Verbundleitungen, um bei einem Ausfall einer Anlage Redundanz (zweifach ausgelegt; Red) zu schaffen. Zuletzt haben wir einen Verbund zwischen Seefeld und Hechendorf, sowie Herrsching und Andechs-Erling geschaffen.

Natürlich suchen wir im Verbandsgebiet auch weiterhin nach geeigneten neuen Brunnenstandorten, um uns weitergehend abzusichern. Das ist in unserem Gebiet allerdings gar nicht so leicht. Es gibt viele Nutzungskonkurrenzen wie Gewerbe, Verkehr, Landwirtschaft, Siedlungserweiterungen oder Kiesabbau. Es bleibt nur zu hoffen, dass auch von Seiten der Politik die Belange der Daseinsvorsorge ernst genommen werden. Die öffentliche Wasserversorgung muss immer Vorrang vor anderer Nutzung haben. Das ist sogar im Wasserhaushaltsgesetz verankert.

herrsching.online: Der Grundwasserspiegel in Herrsching soll deutlich gefallen sein. Ein Alarmsignal?

Bleimaier. Je nachdem, um welchen Grundwasserkörper es sich handelt, variieren die Pegel oft stark. Im Allgemeinen ist Herrsching jedoch stark vom Seepegel beeinflusst.
Im letzten Jahr konnten wir bei einigen Brunnen in der Umgebung sogar eine gute Grundwasserneubildung feststellen. Das ist auf den konstanten Regenfall im Juli und August des vergangenen Jahres zurückzuführen.

herrsching.online: Trinkwasser, das betont die AWA auf ihrer Website immer wieder, sei von hervorragender Qualität. Immer wieder liest man aber, dass das Wasser durch die landwirtschaftliche Düngung, manche sagen Überdüngung, gefährdet sei. Nitrat ist inzwischen sogar ein Politikum. Die EU hat Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte verklagt. Gilt das auch für Ihr Wassereinzugsgebiet?

Nitratwert im Trinkwasser weit unter dem Grenzwert

Bleimaier: Das stimmt tatsächlich. In vielen Gebieten Deutschlands ist das für Trinkwasser verwendetes Grundwasser stark durch Nitrat-Einträgen gefährdet. Die AWA kann jedoch mit Stolz behaupten, dass sich unsere langjährigen Bestrebungen zum besseren Grundwasserschutz voll ausgezahlt haben. Wir arbeiten in unseren Wasserschutzgebieten eng und vertrauensvoll mit der Landwirtschaft zusammen und konnten so die Nitratbelastung des Grundwassers insbesondere über zusätzliche freiwillige Vereinbarungen deutlich reduzieren.  

Die Aufzeichnung der Messdaten gehen zurück bis etwa 1990. Damals waren Nitratwerte von etwa  45 Milligramm pro Liter normal, heute liegen wir bei rund 20 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert in der gültigen Trinkwasserverordnung liegt bei 50.

herrsching.online: Die AWA wird in kommunalen Körperschaften immer wieder genannt, wenn es um Umweltprojekte wie erneuerbare Energiegewinnung geht. Könnten Sie sich die AWA als Energie-Unternehmen vorstellen?

Wir sind kein Energieunternehmen

Bleimaier: Der Name AWA kommt von „Ammerseeer Wasser und Abwasserbetriebe“. Und genau das sind wir auch. Dem Thema Wasser kommt Gott sei Dank immer mehr Bedeutung zu. Das ist zwar positiv, aber unsere Aufgaben werden dadurch immer umfangreicher. Um nun auch bei steigenden Anforderungen weiterhin die Qualität erbringen zu können wie bisher, müssen wir uns auch zukünftig primär Wasserthemen konzentrieren.

Derzeit erzeugt die AWA einen großen Teil der für unsere Anlagen benötigen Energie selbst. Wir betreiben eine Vielzahl an Photovoltaikanlagen sowie drei Blockheizkraftwerke, die mit Biogas aus unserem Klärschlamm befeuert werden. Die restliche Energie beziehen wir als Ökostrom von den Stadtwerken Fürstenfeldbruck. Auch wenn wir uns immer breiter im Bereich der erneuerbaren Energien aufstellen – als Energieunternehmen sehe ich uns nicht.

Mir fällt da ein Spruch ein: „Schuster, bleib bei deinen Leisten”.

Wenn das Licht an der Maß-
Trommel aufleuchtet, trifft der Kegel auf Wasser

herrsching.online: Verbrauchen wir Bürger im Landkreis zuviel Wasser?

Bleimaier: Durchschnittlich verbrauchen die Bürgerinnen und Bürger in unserem Versorgungsgebiet etwa 125 Liter pro Tag. Das ist ganz normal. Zu Spitzenverbräuchen kommt es gerade in unserem wohlhabenden Landkreis, wenn im Frühsommer Pools gefüllt- und Gärten bewässert werden.

herrsching.online: Was können wir – außer dem handelsüblichen Sparen – tun, um die Wasservorräte zu schonen? Weniger Golfrasen im Garten, weniger Autowaschen, weniger duschen?

Gegen Flächenversiegelung

Bleimaier: Wir Bürgerinnen und Bürger könnten genau da anpacken, wo Grundwasser überhaupt erst entsteht. Regenwasser sollte bestenfalls dort versickern, wo es anfällt, um die lokale Grundwasserneubildung zu unterstützen. Natürlich geht das nicht überall, die Böden unterscheiden sich auch bei uns oft stark. Dann sollte zumindest der Regen nicht ungenutzt abgeleitet werden, sondern zum Beispiel über Regentonnen und Zisternen für die Bewässerung genutzt werden. Das spart kostbares Trinkwasser. Bauherren könnten über Gründächer nachdenken. Nicht nur die Bienen profitieren davon – das vom Gründach gespeicherte Wasser verdunstet und fördert das Mikroklima!

Keine Wasserkisten schleppen

herrsching.online: Immer mehr Haushalte machen sich ihren Sprudel mit Sodastream selber. Ist das ein Kompliment für die Güte Ihres Wassers oder zusätzlicher Wasserkonsum?

Bleimaier: Ein solches Gerät ist natürlich Klasse! Auch die Menschen, die lieber Wasser mit Sprudel trinken, sind bestens versorgt und müssen keine Wasserkisten nach Hause schleppen. Das ist auch ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz. Ich halte rein gar nicht davon, Grundwasser in Plastikflaschen zu packen und um die Welt zu schiffen.

Wir freuen uns, wenn unser regionales Trinkwasser so gut ankommt!

SO DA ist hier ein Spartipp

Ein Liter Trinkwasser kostet 0,0017 Cent, mit Gas rund 10 Cent

Eine Kiste á zwölf Flaschen mal 0,75 Liter – kostet etwa 4,99 Euro. Das reicht vielleicht für sieben Tage. Für den gleichen Preis bekommt man rund 2495 Liter Trinkwasser, das den Durst mehr als fünf Jahre stillen würde, hat der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) errechnet. Der Durchschnittspreis für einen Kubikmeter Wasser im AWA-Gebiet liegt bei etwa 1,73 Euro, das macht für einen Liter gerade mal 0,0017 Cent. Mit einem Kubikmeter Wasser kann man laut VKU den Wasserbedarf einer Person für neun Tage decken. Man kann 22 Mal Wäsche waschen, 200 Mal Spaghetti kochen, 1000 Wärmflaschen füllen, 2500 Mal die Zähne putzen, 4000 Gläser Wasser trinken und 5555 Tassen Kaffee zubereiten

QUELLE: AWA WEBSITE

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