In Berlin und Hamburg waren es mehr als 100 000 Demonstrierende, in Herrsching mehr als 100: Keine schlechte Quote für einen 11 000-Einwohner-Ort: Ein Prozent der Herrschinger Bevölkerung adressierte am Freitagabend den Protest gegen den Ukraine-Krieg an einen einsamen Mann in Moskau. Die Landtagsabgeordnete Anne Franke (Grüne) fremdelte in ihrer Rede erkennbar mit dem neuen Geldsegen für die Bundeswehr. Franke wörtlich: „Es werden nicht die Waffen sein, die Frieden schaffen..“

Die Landtagsabgeordnete Franke beklagte in ihrer Rede, dass die „Sanktionen nicht schon eher beschlossen wurden“. Der Westen habe zu lange zugeschaut. „Das müssen wir beschämt eingestehen.“ Leider gebe es zwei Banken, die im Sanktionspaket ausgenommen worden seien, um unsere Versorgungssicherheit zu gewährleisten. „Ich verstehe das, aber es schmerzt.“ Wir könnten aber, so Franke, ein Zeichen setzen: „Wenn wir unsere Gas- oder Ölheizung zu Hause freiwillig etwas kleiner stellen, würde das etwas weniger Geld in Putins Kassen spülen.“
Franke haderte aber auch erkennbar mit der dramatischen Erhöhung des Wehretats: „Es werden nicht die Waffen sein, die Frieden schaffen.“ Wie könne es sei, dass die Bundeswehr trotz jährlicher Ausgaben von 50 Milliarden derart schlecht ausgerüstet sei, fragte die forschungs- und friedenspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. Allein Deutschland werde bei den Rüstungsausgaben Russlands Wehretat übertreffen, wenn das Zwei-Prozent-Ziel eingehalten werde. In Richtung der grünen Regierungsmitglieder forderte sie, dass das angekündigte Sondervermögen der Bundeswehr mit dem Koalitionsvertrag abzugleichen sei. Wenn Berlin nun gut zuhört, könnte es ein grünes bayerisches Grummeln vernehmen.

Angemeldet wurde die Demo von der Abgeordneten Franke. Und Bürgermeister Christian Schiller lobte in seinem Grußwort denn auch gleich die Organisatorin: „Es ist doch ganz einfach, eine Demonstration ordnungsgemäß anzumelden“, meinte er mit Blick auf die ungenehmigten Montagsspaziergänge in Herrsching.
Auch der Polizei waren die Anti-Kriegs-Demonstranten vermutlich lieber als die Corona-Rundgänger: Zwei Polizisten schauten in aller Seelenruhe nach dem Rechten – am Montag sind immer mehrere Polizeiautos mit Blaulicht unterwegs.



