Robert Schindlbeck äußert sich nicht mehr zum Krankenhaus-Standort. Die Ausladung des Gemeinderates ging wohl vom Landratsamt aus

Landratsamt lädt Herrschinger Gemeinderat aus

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Spielt der Landkreis in der Klinikfrage heimlich die Hechendorf-Karte? Aus Gemeinderats-Quellen hat herrsching.online erfahren, dass der Herrschinger Gemeinderat doch nicht zur Klinik-Besichtigung gebeten wird. Der Geschäftsführer der Schindlbeck-Klinik, Robert Schindlbeck, hatte den gesamten Gemeinderat öffentlich zur Besichtigung seines Hauses eingeladen. Der Besuch wurde dann einmal verschoben und ist jetzt wohl ganz gestrichen worden. Mitglieder des Gemeinderates vermuten, dass das Landratsamt nicht an einer PR-Veranstaltung für die Schindlbeck-Klinik interessiert sei. (Siehe dazu auch das Video-Interview mit Robert Schindlbeck auf herrsching.online)

Angeheizt hatte der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, Günter Schorn, die Diskussion mit einem Satz in einem herrsching.online-Interview: „ Wir haben vom Geschäftsführer Robert Schindlbeck, bevor er einen Maulkorb (vom Landratsamt; Red) bekommen hat, erfahren, dass schon über 5 Jahre lang die Planungen für eine Erweiterung der Schindlbeck-Klinik laufen.” Schorn keilte in dem Interview massiv gegen das Landratsamt: „Da wurde mit falschen Karten gespielt.”

Der Sprecher der Starnberger Klinik-Holding hat diesen Vorwurf postwendend zurückgewiesen. Sein Chef, Dr. Thomas Weiler, bekräftigte im herrsching.online-Interview: „Es ist genau richtig, jetzt auch die Grundlagen für die Planung von Alternative B anzugehen.” Und die heißt: Neubau auf der Grünen Wiese in Hechendorf. 

Robert Schindlbeck will dagegen das Erbe seines Vaters mit dieser Klinik am Ammersee erhalten. Aber als Geschäftsführer ist er Angestellter des Landkreises. Und der will sich offenbar nicht von einem Bediensteten des Kreises seine Kreise stören lassen. 

Schindlbeck hat in Herrsching einen Klang wie Siemens in München – seit 1946, also seit  75 Jahren, als halb Deutschland ein Schutthaufen war und Gesundheit für viele Kriegsheimkehrer darin bestand, noch zwei Beine und Arme zu besitzen.  Damals, in den dunkelsten Zeiten, hat der Arzt Dr. Robert Schindlbeck an der Seestraße, damals noch nicht asphaltiert, in einer Villa das Krankenhaus gegründet. Eine Heldentat, viele glaubten auch, ein Himmelfahrtskommando (bei einem Krankenhaus eine schräge Metapher). Herrsching war ein Dorf – ein krankes Dorf voller Typhus- und Ruhr-Patienten. 

Für Schindlbeck, der vorher als Lazarettarzt in der alten Finanzhochschule gearbeitet hatte, aber doch ein logischer Schritt. 

75 Jahre später hat die Schindlbeck-Klinik 110 internistische Betten, 16 Dialyseplätze und 20 niedergelassene Ärzte im Haus. 1500 Notfall-Patienten wurden im letzten Jahr stationär versorgt, und 1500 ambulant, da  lag ein ganzes Dorf auf dem weißen Laken.  

Der prominenteste Patient, der nun 75 Jahre alt ist und sich eigentlich bester Gesundheit erfreut, ist inzwischen aber das Krankenhaus selbst – zumindest, wenn man Gesundheitspolitikern zuhört. Sie wollen die Schindlbeck-Klinik mit der dortigen Klein-Klinik verschmelzen. 

Die rechtlichen Möglichkeiten wären vorhanden: Beide Kliniken werden vom Landkreis Starnberg betrieben. Und wer zahlt, schafft an. 

Das ist aber nicht ganz richtig: Die Schindlbeck-Klinik hat im letzten Jahr sogar als eines der wenigen Krankenhäuser einen Gewinn erzielt, es lag dem Kreis also nicht auf der Tasche. 

Immerhin, so Schindlbeck, besteht die Klinik auch weiter, selbst wenn auf der Grünen Wiese ein neues Haus entstehen würde. „Wenn aber die Klinik auf der Grünen Wiese entsteht, ist dieses Haus an der Seestraße in Herrsching keine Klinik mehr”, sagt Schindlbeck. „Insofern ist die Schindlbeck-Klinik mittelbar in Gefahr.” 

„Aber”, meint er, „verloren ist garnichts, ich setze mich für den Erhalt der Klinik ein.” 

Es müssten dann aber bei einer Erweiterung der Klinik hier 3 Ops neu gebaut werden. Und die Bettenzahl müsste auf 180 steigen. Zur Zeit verfügt die Seestraße über 130 Betten. Die Differenz zu den 180 kann mit einem neuen Gebäude auf freiem Gelände und dem Standort eines alten Schwesterheims geschaffen werden. Außerdem könne man noch ein weiteres Personalhaus opfern. 

Und schließlich sehe ein Sonderbebauungsplan vor, dass man auf das Flachdach noch einmal 1000 Quadratmeter aufstocken dürfe. „Diese Erweiterung geht also ohne jegliche Baurechtsprobleme.”

Er verstehe den Kreis, ein Haus mit Fördermitteln zu bauen, sei immer ein Anreiz. „Jetzt ist aber auch der Zeitpunkt gekommen, wo man stärker in die Gespräche mit der Gemeinde einsteigen muss.” Dieses Gespräch aber wird nach der neuesten Entwicklung nicht stattfinden. 

Richtig sei aber, dass eine internistische und ein chirigische Klinik, die beide in derselben Trägerschaft seien, zusammengeführt werden müssen, sagt Schindlbeck. 

„Man weiß aber auch aus den Corona-Zeiten, welche Vorteile kleinere Kliniken bieten. Wir haben in der Patientenbeurteilung immer gut abgeschnitten, weil hier jeder jeden kennt und die Wege – auch die Kommunikationswege – kurz sind.”

Schindlbeck schließt das Gespräch kämpferisch und optimistsich. „Natürlich gehe ich davon aus, dass die Klinik auch in 10 Jahren noch hier am Ammersee steht. Dafür brenne ich noch.” 

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