Demokratisch segeln

5 mins read

Weißer Dress mit Wappen auf der Brust ist hier unüblich: Der Herrschinger Segelclub Rhein-Main-Donau beim Seewinkel hat den edlen Sport demokratisiert. Hier muss niemand mit dem Sportbootführerschein protzen. Wer bewiesen hat, dass er eines der Clubboote wieder heil in den Hafen bringt, darf an der Pinne Platz nehmen. Man ist aber auch wohlgelitten, wenn man auf dem clubeigenen Gelände nur seinen Liegestuhl durch den Tag steuert. Die Beiträge sind ebenfalls demokratisch: Wer Wind und Wasser liebt, kann sich den RMDSC auch leisten. 

Einen Rhein-Main-Donau-Segelclub würde man überall an Deutschlands großen Flüssen suchen – nur nicht am Ammersee. Und so beginnt eine spannende Geschichte, die ein wunderbares Happy End fand. Im Jahre 1948, als vermutlich noch viel Kriegsgerümpel in den großen Wasserstraßen Deutschlands herumlag, pachtete die Rhein-Main-Donau AG das Seegrundstück in Herrsching. Die Stromherren (im doppelten Sinn: Kraftwerksbetreiber und Rhein-Main-Donau-Kanal-Erbauer) wollten am Ammersee eine Berufstaucherschule errichten. Und weil der See nun mal auch über Wasser Vergnügungen ermöglicht, bot die AG ihren Mitarbeitern auch Segelboote zur Erholung an. 

Das Vereinsheim haben die Mitarbeiter dann in Eigenleistung gebaut. Die ersten Segelboote waren die Marinekutter Jumbo und Bimbo. Die Schiffe mit den eigenartigen Namen waren bei wenig Wind die Könige auf dem See, bei Sturm aber warfen sie die Mannschaft gerne mal ab. Die Jumbo kreuzt heute noch auf dem Ammersee herum. Ein Jahr nach Gründung baute die Bootswerft Stumbaum 4 Piratenboote (das Fichtenholz musste der Club stellen) für die RMD-Segler. Und dann gesellte sich noch die Yacht Megellone zur Flotte.

Damit der Betriebsclub kein Fremdkörper am Ammerseeufer blieb, haben die Segler auch Segelbegeisterte aus Herrsching aufgenommen.  Der RMD-Club verwuchs sich allmählich mit seiner Standort-Gemeinde,  die Segler kamen aus allen gesellschaftlichen Schichten. So konnte die Clubleitung das Image des elitären weißen Sports vermeiden – Segeln wurde ein fast demokratischer Sport. Der Club gedieh, und mit der steigenden Mitgliederzahl wuchs auch die Flotte: Das Wrack eines 45er-Kreuzers wurde der Club-Fürsorge übergeben und ist das Flaggschiff Thimalus geworden. Besonders stolz aber ist der Club auf den Kutter Kacherl, der in seinem früheren Leben mal ein Beiboot einer griechischen Fähre war. Mit seinem imposanten Rigg gehört das Kacherl nun zum schwimmenden Ammersee-Adel. 

Als die Rhein-Main-Dona-AG schließlich im Bayernwerk und das dann in der EON aufging, war es vorbei mit der Firmen-Romantik. Immer mehr Herrschinger unterschrieben das Beitrittsformular, der Club wurde „einheimisch”. Und so kann der RMDSC, allein die Abkürzung riecht nach Wind und Wasser, den Bewohnern des Fünfseenlandes ein „demokratisches ” Angebot machen. 

Der Beitrag kostet im Jahr 400 Euro, die Aufnahmegebühr beträgt noch einmal 400 Euro. Familienmitglieder zahlen  220 Euro und 200 Euro Aufnahmegebühr, Kinder 40. Dazu wird noch eine Segelpauschale von 50 Euro fällig (für Gäste ebenfalls 50 Euro). 

Der Segelsport ist eigentlich ein Festival der Scheine: Nur der Staat verlangt mehr Führerscheine als Segelclubs mit den imponierenden Wappen. Ganz anders der RMDSC:  Wer die clubeigenen Boote segeln will, muss nur eine Freigabe für das jeweilige Boot erwerben (Übungsfahrten). Demokratischer geht’s eigentlich nicht. Und dann darf man schon mit einem der Boote aus der Herrschinger Bucht kreuzen. 

Die Flotte: 

Katamaran, 420er, Optis, Thimalus, Kacherl,  Leila, Capriccio, Franzi,  Najade, Lola II, Allegra,
Blumenkistl, Quirinus, Sunny, Boy, Bacchus, Gambrinus

Vorstand
1. Vorsitzender:Peter Kuhlmann
2. Vorsitzende:Gabriele Hochmuth
Schatzmeisterin:Martina Hartmann
Schriftführer:Manfred Maler
Takelmeister:Franz Schwarz
Ehrenvorsitzender:Dr. Peter Moosbrugger
Beirat
Jugendwart:Tom Betge
Tafelmeisterin:Irmgard Bauer
Sportwart:Jochen Steinhoff
Hauswartin:Claudia Maler
Rechnungsprüfer:Werner Lifka
Pressewartin:Katrin Printz
Geschäftsstellenleitung:N.N.

Kontakt:

Postfach 101218; 80086 München, Tel.08152 / 5762,E-Mail info@rmdsc.de, Heimathafen Keramikstr. 7; 82211 Herrsching, 47° 59´ 52´´ N / 11° 10´1´´ O

Aktuellste Meldungen

Sekt und Ehre

Eine Urkunde vom Innenmister, ein Riesling-Sekt vom Bürgermeister – die Regierung lässt sich nicht lumpen, wenn

Ein bisschen Spaß muss sein

Viele sitzen im Biergarten, andere vorm Fernseher, wenige vor schwierigen Entscheidungen. Die 24 Herrschinger Gemeinderäte und