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Frey im Sommerinterview: Geimpfte sollen einen Vorteil haben

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Gut gelaunt in Vorfreude auf den Urlaub zog Landrat Stefan Frey im Exklusivinterview mit herrsching.online eine Bilanz seiner Impfstrategie. Dabei machte er deutlich, dass „diejenigen, die sich impfen lassen, auch einen Vorteil davon haben sollen”. Dass der Landkreis schon lange vor der Stiko-Empfehlung Jugendliche zur Impfung einlud, hat zum guten Corona-Ranking des Landkreises beigetragen. Luftfiltern in Klassenzimmern steht er aber nach wie vor kritisch gegenüber – er will vor allem Schulräume für Kinder unter 12 Jahren mit den Filteranlagen ausstatten. Hier ein Auszug aus dem Video-Interview

herrsching.online: Was haben Sie gedacht, als die Stiko endlich eine Impfempfehlung für 12 bis 17-jährige aussprach? Dabei war der Landkreis schon seit Wochen dabei, Impfungen in dieser Altersklasse zu pushen, sogar mit dem Lockmittel Süßigkeiten.

FREY: Der Impfstoff ist ab 12 Jahren zugelassen, das betrifft vor allem Biontech und Moderna. Für uns war es wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche ein Angebot bekommen, denn der Herbst naht und damit auch die vierte Welle. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist mir sehr sehr wichtig. Deshalb haben wir schon frühzeitig begonnen mit diesen Impfangeboten. Zum Impfen wird niemand gezwungen, das ist freiwillig, und das ist mir auch sehr wichtig. Ich seh aber schon die Notwendigkeit, dass sich auch Jugendliche impfen lassen. Und wir sahen uns durch die Empfehlung der Stiko auch bestärkt. Wir richten uns nach der Zulassung der EMA (Europäische Zulassungsbehörde; Red.), die den Impfstoff freigegeben hat ab 12. Für vorerkrankte Kinder hatte die Stiko ihre Empfehlung ja schon früher ausgesprochen und im Nachgang auch für gesunde Kinder. Da waren andere Stikos schneller, was ich aber überhaupt nicht bewerten möchte.

herrsching.online: Der Landkreis hat zur Zeit eine hervorragende Impfstatistik – er wäre, wenn er ein Bundesland wäre, an zweiter Stelle im Länderranking. Aber Starnberg liegt auch weit über den Impfzahlen von Bayern. Der Gesundheitsminister hat in einer Pressekonferenz mal scherzhaft eingeworfen: Woher er das Zeug immer nur herhat. Wo haben Sie es denn her, das Zeug?

FREY: Wir haben ein sehr engagiertes Team auf Landkreis-Ebene. Es impfen sehr intensiv unsere Impfzentren im BRK, aber auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die toll in dieses Impfgeschehen eingestiegen sind. Und das zusammen bewirkt diese guten Zahlen. Und jetzt, wo wir genügend Impfstoff haben, wird das Ganze noch einmal multipliziert…

herrsching.online: …haben Ihre guten Beziehungen zu München auch ein bisschen geholfen?

FREY: Ich habe mich am Anfang sehr geärgert, dass wir trotz unserer vielen Kliniken und einem hohen Anteil an alten Menschen auch nur Zuteilungen nach Einwohnerzahl bekommen haben. Das fand ich schlicht ungerecht. Deshalb habe ich auch den Gesundheitsminister beackert, dass wir die Zuteilungsparameter ein Stück weit ändern. Offensichtlich hat man da zugehört. Wir konnten dann 10 000 Dosen Astra Zeneca zu einem Zeitpunkt erwerben, der genau richtig war für den Start einer großen Impfkampagne.

herrsching.online: Inzwischen galoppiert die Indizidenz wieder nach oben – auch in Starnberg reißen vielleicht sogar die 50er-Grenze. Welche Gründe sehen Sie für den rasanten Anstieg?

FREY: Die Leute kommen wieder zusammen, reisen wieder mehr. Aber man kann die Leute nicht dauerhaft zu Hause einsperren. Deshalb ist es auch wichtig, dass sich die Leute impfen lassen. Dann ist die Inzidenz nicht mehr der wichtigste Parameter. Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir eine andere Gewichtung der Inzidenzen bekommen.

herrsching.online: Über wen haben Sie sich bei Ihrer Corona-Strategie geärgert?

FREY: Dass wir am Anfang zu wenig Impfstoff hatten. Wir sind ja gestartet mit der Vorgabe, wir sollten mal für 300 Impflinge pro Tag die Impfkapazität ausbauen. Dann hieß es, jetzt brauchen wir viel mehr Kapazitäten, dann hieß es nach einigen Wochen wieder, wir sollten reduzieren. Das ständige Hin und Her war für uns sehr anstrengend, da hätte ich mir ein Stück weit eine klarere Linien und mehr Offenheit gewünscht. Das war für uns oftmals ein Aufreger. Aber es war natürlich auch für die Bundesregierung nicht einfach. Aber nun hat sich alles zum Guten gewendet. Die Prognosen haben sich bestätigt, dass wir im Sommer jedem ein Impfangebot machen können.

herrsching.online: Sie wussten ja von Ihrem Vater, wie der Job eines Landrats aussieht. Sind Sie nach eineinhalb Jahren Corona-Regime doch überrascht, wie fordernd der Job sein kann?

FREY: Der Job ist fordernd. Jeden Tag kommen ganz verschiedene Probleme und Themenkreise auf einen zu. Aber mir macht das sehr viel Spaß, ich mag es, wenn viel los ist, wenn man Ehrgeiz entwickeln muss, damit man die Probleme im Sinne der Menschen löst.

herrsching.online: Sie bekommen sogar von der politischen Konkurrenz Lob. Die Grünen zum Beispiel haben Sie wegen Ihres Jobs im Innenministerium kritisch beäugt, jetzt haben die sogar Respekt vor Ihrer Corona-Strategie geäußert. Teile der CSU sahen die harte Linie dagegen eher kritisch.

FREY: Ich bin keiner, der auf einen Zug aufspringt und Hurra schreit. Ich wäge ab, ob Maßnahmen sinnvoll und praxisnah sind. Das unterscheidet mich vielleicht von dem einen oder anderen. Ich achte weniger darauf, dass ich viel Zustimmung oder Kritik bekomme.

herrsching.online: Beim Impfen waren Sie ganz vorne dabei, bei den Luftfiltern für die Schulen nehmen wir Sie eher als zögerlich wahr. Warum soviel Skepsis gegen die Filtertechnik? Schließlich fährt die Landesregierung da eine andere Strategie.

FREY: Der Luftfilter ist für mich nur eine Art Verschiebebahnhof. Ich bin sehr dafür, dass die Kinder den maximalen Schutz bekommen. Wir brauchen neben den Filtern aber weiterhin das Lüften, weil die Geräte in manchen Klassenzimmern gar nicht exakt funktionieren. Deshalb bieten wir den Kleineren die Filter an, bei den Größeren, die schon ein Impfangebot haben, können wir zurückhaltender sein.

herrsching.online: Die Lage verändert sich schnell – vor einem halben Jahr haben die Leute noch wegen der Priorisierung gestritten, heute streitet man sich über die Impfpflicht. Sind Sie dafür, Geimpften und Genesenen mehr Freiheiten einzuräumen? Sind Sie also eher auf der Spahn- oder auf der Laschet-Linie?

FREY: Ich bin schon dafür, dass diejenigen, die sich impfen lassen, auch einen Vorteil davon haben. Wenn die nicht wieder alle Freiheiten haben, macht eine Impfung keinen Sinn. Wir treten an, möglichst alle zu impfen, aber auch möglichst alle Freiheiten wieder zurückzugeben und ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Wer das Impfangebot nicht in Anspruch nimmt, muss damit rechnen, dass er vor einem Restaurant- oder Kinobesuch einen Test braucht. Und das erzeugt mittelbaren Druck…

herrsching.online: 2 oder 3 G…(geimpft, genesen; oder: geimpft, genesen oder gestetet)?

FREY: … das spielt für mich weniger eine Rolle. Klar, geimpft , genesen und getestet ist sehr sehr wichtig, wenn jemand ein Impfangebot nicht wahrnehmen kann oder will.

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