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Ein Mann und sein Berg

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Ungefähr 6000 mal ist der ehemalige Bauunternehmer Johann Kaindl in seinem Leben auf dem Gipfel des Breitbrunner Königsbergs gestanden. Am 5. Mai feierte der unermüdliche Berg-Steiger und Bienenfreund seinen 90. Geburtstag. Kaindl war 42 Jahre Gemeinderat in Breitbrunn und nach der Eingemeindung auch in Herrsching. 

„I moan scho” begann Johann Kaindl im Gemeinderat seine legendären Einwürfe, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Ein braver CSU-Parteisoldat war der Breitbrunner nie, er gab aber auch nicht den Haudrauf. Das hätte nicht zu seinen katholischen Grundüberzeugungen gepasst. So wie selten ein Tag ohne Besuch auf dem Gipfel verging, so wurde selten eine Messe in Breitbrunn gefeiert, an der Johann Kaindl mit seiner Frau Christina nicht teilgenommen hätte. 

Johann machte nach dem Krieg eine Bau-Lehre bei der Firma Pittino in Herrsching und stieg nach Gesellenprüfung und Ingenieursstudium im elterlichen Betrieb ein. Als nach dem Krieg die genesende Wirtschaft nach Telefonanschlüssen schrie, landete die Firma Kaindl mit einem patentierten Kabelpflug einen Coup. Mit dieser Maschine, die das mühsame Graben mit dem Pickel ablöste, vergrub Kaindl viele tausend Meter Telefonkabel. Sogar  in Libyen kam die Maschine zum Einsatz. 

Inzwischen leitet sein Sohn Richard die Firma in dritter Generation. 

Für einen CSU-Mann eher ungewöhnlich, dass er sich Natur-Themen und seinen geliebten Bienen besonders verpflichtet fühlt. Heute noch pflanzt er in einer Art Guerilla Gardening Weidenpflanzen, die den Bienen schon ganz früh im Jahr Futter spendieren. Seine Unternehmer-Mentalität drückt sich allein in dem Satz aus: Wir pflanzen schon mal, wenn’s illegal ist, nehmen wir die Weiden halt wieder raus. 

Mit dem gleichen Eifer warb er für den Kirchenbesuch. Selbst auf dem Königsberg waren die Spaziergänger nicht vor seinen Hinweisen auf die Dienstagmorgen-Messe in Breitbrunn sicher. Sogar das Schuhwerk von Berggängern lag ihm am Herzen – wer keine robusten Stiefel trug, bekam die Bezugsadresse seiner Wundertreter. Johann Kaindl ist im besten Sinn ein Kümmerer. Die Welt wäre in einem besseren Zustand, wenn sich mehr Menschen mehr ums Allgemeinwohl kümmern würden. 

herrsching.online hat aus Anlass des 90. Geburtstags einen kleinen Film mit Johann Kaindl gedreht ­ – und einen unverzeihlichen Fehler begangen. Die Autoren haben seinen legendären Tanz mit der Duchess of Cornwall, Camilla, vergessen. Johann Kaindl hatte jahrelang im Hofbräuhaus ein Tanzkränzchen besucht und kam so zu der außergewöhnlichen Ehre, mit der Herzdame von Prinz Charles zu tanzen. 

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